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Liebeslänglich: Kriminalroman
 
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Liebeslänglich: Kriminalroman [Taschenbuch]

Susanne Mischke
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (31 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Susanne Mischke wirft einen tiefen Blick in seelische Abgründe, ihre glaubwürdige Heldin schwankt zwischen Vernunft und Willen zum Wahnsinn.« Hannoversche Allgemeine

Kurzbeschreibung

Eigentlich entscheidet Mathilde nie aus dem Bauch heraus. Aber diesmal ist sie rettungslos verliebt - in einen zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder. Allzu rasch gibt sie ihm ihr Jawort, weil sie glaubt, daß er der Richtige ist. Bis er plötzlich vor ihrer Tür steht ... Susanne Mischkes neuer Kriminalroman ist originell und psychologisch packend zugleich. Sie schickt den Leser mit Mathilde auf eine Gefühlsachterbahn, wo Liebe sich in tiefen Haß verwandelt und hinter der Leidenschaft eiskaltes Kalkül zum Vorschein kommt.

Über den Autor

Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren und lebt heute bei Hannover. Sie war mehrere Jahre lang Präsidentin der »Sisters in Crime« und erschrieb sich mit ihren herrlich bösen Romanen eine große Fangemeinde . Für das Buch »Wer nicht hören will, muß fühlen« erhielt sie die »Agathe«, den Frauen-Krimi-Preis der Stadt Wiesbaden. Zuletzt erschienen von ihr »Wölfe und Lämmer« und »Liebeslänglich«.

Auszug aus Liebeslänglich von Susanne Mischke. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Immer muß es anfangen zu regnen, wenn man gerade aus der Tür tritt. Anfangs kann sie die Tropfen noch zählen, sieht einen nach dem anderen auf dem Pflaster zerplatzen, dann geht der Aufprall des einzelnen in einem Rauschen unter. Sie fängt an zu laufen. Der Körper wehrt sich gegen die Strapaze, die Muskeln machen sich schwer, es dauert, bis sie den Rhythmus gefunden hat. Eins, zwei, drei, vier, einatmen - eins, zwei, drei, vier, ausatmen. Allmählich verflüssigt sich die Schwere des Körpers, sie spürt die Kraft, die sie voranträgt, das Herz pumpt, sie funktioniert. Eine gut geölte Maschine. Selbstbewußt, die Arme angewinkelt, setzt sie einen Fuß vor den anderen, bereit für die tägliche Dosis Endorphin, die der Körper zur Belohnung für die Schinderei ausschüttet. Nicht immer, nur manchmal, wie ein launischer Liebhaber.
Dunkle Wolken hängen tief über der Stadt. Fast ohne zu dämmern, ist es Nacht geworden. Es riecht nach Herbst, die Pflanzenwelt verströmt den Duft des nahenden Verfalls. Schwarz hocken die Krähen in den Bäumen. Die letzten Hundebesitzer fliehen mit eingezogenen Köpfen. Kein Mensch sitzt mehr auf den vom Regen beträufelten Bänken. Regen klatscht ihr ins Gesicht. Sie vernimmt Schritte hinter sich und fährt im Laufen herum. Niemand zu sehen. Es muß das Echo ihrer eigenen Schritte gewesen sein. Runter mit der Kapuze! Lieber naß werden, als nicht richtig zu hören. Jetzt wird aus dem Prasseln des Regens und dem Rauschen der Blätter eine Kakophonie des Schreckens, unzählige Härchen richten sich auf, werden zu kleinen Antennen.
Sie hört das Aufklatschen von Sohlen, ganz deutlich. Da sind fremde Schritte. Nicht so panisch umdrehen! Die Angst nicht zeigen, sonst ist man ein potentielles Opfer. Also Kopf hoch, Schultern zurück. Angst ist nur eine Einbildung, ein chemischer Vorgang im Gehirn, reduzierbar auf einen Urinstinkt.
Na also. Es ist ein Jogger, ein Mitglied der Körperkult-Community, kein Vergewaltiger, kein Menschenfresser. Entwarnung. Sein Gesicht ist naß, er sieht gut aus, hebt lässig die Hand zum Gruß. Dann ist er im Dunkeln verschwunden. Nur sein Schweiß hängt noch in der Luft.
Wieder den Rhythmus finden. Eins, zwei, drei, vier, einatmen - eins, zwei, drei, vier, ausatmen. Ist das hier duster, die Landeshauptstadt könnte ruhig ein paar Laternen mehr aufstellen. Ein Zweig knackt. Etwas raschelt. Ihr Herzschlag gerät ins Stolpern. Ein Vogel flattert aus dem Gebüsch auf.
Bist du heute hysterisch. Adrenalin statt Endorphin. Das ist nur Quälerei, nichts wie nach Hause. Nur noch ein paar hundert Meter bis zur Brücke. In den Schatten der Haustür schlüpfen, den Schalter drücken und eintauchen in das sichere Licht. Happy-End.
Eins, zwei, drei vier, einatmen - eins ...
Ein stummer Schrei reißt das Gesicht auseinander. Eine kalte Stahlschlinge schneidet in ihr Fleisch und schnürt ihr die Luft ab. Heißer Atem streift ihr Genick, während sie vergeblich nach Luft ringt. Gerade als die Todesangst zur Gewißheit wird, läßt der Druck nach, und für einen köstlichen Moment spürt sie, wie der Sauerstoff durch ihre Zellen strömt. Dann sieht sie in diese Augen und weiß, daß das erst der Anfang war. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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