Beinahe ketzerisch könnte man sagen, dass dieses Buch geschäftsschädigend für die Liebeskummer-Praxis von Frau Fauck ist. Es ist bereits Therapie - wie ein Honigbad für das wehe Herz!
Um jedoch keinen falschen Eindruck zu erwecken, sicher kann auch dieses Buch nicht die Gesprächstherapie eines seelischen Ausnahmezustandes ersetzen.
Ich selbst befinde mich noch in der "Schock-Depression" und habe eine völlig verheulte Zeit hinter mir. "Mein Schöner", der nie meiner war (da verheiratet) hat mir nach einem intensiven halben Jahr das Ende der Affaire erklärt. Und obwohl ich wusste, dass es dazu kommen würde, tut die Katatstrophe nun nicht weniger weh und ist nicht weniger existenziell für meinen Herzschmerz. Vielleicht sogar noch mehr, da ich mich eigentlich noch in der Verliebtheitsphase befinde und der vermeintliche Traummann noch auf meinem imaginären Podest thront.
Gott sei Dank hat mich mein Kummer nicht komplett gelähmt und so habe ich unter dem Stichwort "Liebeskummer" gegoogelt und bin auf die Liebeskummer-Praxis von Frau Fauck gestoßen. Habe ihr Buch entdeckt, bestellt, gesendet bekommen, ausgepackt, verschlungen!
Ich bin weit davon entfernt wie Phoenix aus der Asche gestiegen zu sein, aber nach der Lektüre verspürte ich erstmalig wieder Appetit und habe eine große Portion Spaghetti weggemampft.
Die beiden Damen schreiben authentisch, ein wenig humorvoll, ohne lächerlich zu wirken wie andere Lektüre dieser Art, und sehr, sehr einfühlsam. Fluch und Segen, dass Frau Fauck gleiches erleiden musste, aber aufgrund dessen weiss, wovon sie spricht/schreibt. Aus ihrer persönlichen Katatstrophe ist diese wunderbare Frau gewachsen, die jetzt anderen in ähnlichen Situationen hilft. Wäre es nicht grausam zynisch, müsste man sie beinahe zu dieser Erfahrung beglückwünschen.
Ja, und genau DAS beschreibt sie ebenfalls in ihrem Buch! In jeder dieser Katastrophen liegt die Kraft für eine neue Chance und neue Kreativität.
Die Liebeskummerphasen werden erläutert und anhand von Fallbeispielen aus der Praxis veranschaulicht. Es folgen Ratschläge und Tipps für den Schockzustand und "das Leben danach". Eine tolle Idee ist die "Notfallkarte", die man(n)/frau sich hin hängen kann, um sich jederzeit selbst vor Dummheiten zu bewahren...z.B. doch noch eine SMS, doch noch eine Email, doch noch einen Anruf. Großartig!
Nein, ich bin noch lange nicht genesen und werde sicher noch viel weinen und an manchen Tage auch bewusst meinen Kummer pflegen. Es geht mir immernoch sehr schlecht, aber ein wenig besser! Ein wenig besser als gestern und morgen ein wenig mehr als heute.
Das Buch wird mich sicher noch eine Weile begleiten und in den schlimmen Tiefs der Nacht, werde ich einfach das Licht anknipsen und darin lesen.
Meinen aufrichtigen Dank an die Damen Fauck und Felbinger!