Sandra Hoffmann taucht tief in die Gefühlswelt einer Frau ein, die zwei Jahre lang intensiv geliebt hat und jetzt mit einer Trennung zurecht kommen muss. In dem nicht-chronologischen Roman rekapitulliert sie die Geschichte des Kennlernens von Anja und Andras: sie Autorin für Reiseführer, er Maler, verheiratet mit zwei Kindern. Insgesamt 38 Tage haben sich die beiden in den vergangenen zwei Jahren gesehen. Wie oft kann man sich trennen? Wie viel Sehnsucht kann man aushalten? Nie hat Anja von Andras eine Entscheidung gefordert, nie hat sie an der Liebe gezweifelt, nicht an ihrer, nicht an seiner. Nie hat sie mit dem Schicksal gehadert. Andras ist derjenige, der in einer Mail den Schlussstrich zieht und dann nicht mehr erreichbar ist. Anja bleibt nur, die Tage seit der Trennung zu zählen, wodurch sie sich immer mehr abkapselt. Nach über 400 Tagen geht sie schließlich zu einer Therapeutin, da sie die Trennung nicht allein überwinden kann. "Liebesgut" ist wohltuend, denn der Roman räumt den Gefühlen mehr Platz ein als ihnen in der Realität oft zugestanden wird. Damit belebt Hoffmann den altmodischen Begriff des "Trauerjahres" neu. Die Seele ist eben langsam und benötigt mehr Zeit als uns in der modernen Welt gegeben wird, um zu funktionieren. (bl)
Kurzbeschreibung
"Schreib es auf! Ich schreibe doch nicht die Wirklichkeit auf! Dann mach eine Geschichte daraus, unsere Geschichte; tu es für uns!"
Es ist die große Liebe. Dabei keine auf den ersten Blick, erst allmählich verliebt sich Anja in den wesentlich älteren Andras, einen Maler und Zeichner, der entschlossen um sie wirbt. Aber dann wird, was zwischen den beiden geschieht, zur einzigen, alles umfassenden Erfahrung. Nur: Andras ist verheiratet, hat eine Familie, und anders als Anja meint er, überhaupt eine Entscheidung treffen zu müssen. Anja selbst hat ihn nie vor solch eine Entscheidung gestellt. Warum nicht? In immer neuen Anläufen versuchen die Liebenden, sich zu trennen, Andras rettet sich in die vertraute Normalität der Ehe und Familie und in die Malerei, Anja zieht sich in das Haus von Freunden in Frankreich zurück, um einen Reiseführer zu schreiben. Sandra Hoffmanns Roman "Liebesgut" erzählt in zwei Teilen dicht, poetisch, konzentriert von der Liebe zwischen Anja und Andras und davon, was nach ihrem Ende bleibt. Er beschreibt die erste Sitzung Anjas bei einer Psychoanalytikerin zwischen Annäherung und Abwehr und erzählt von der Wirkung eines Delphin-Freskos an der Wand des Praxisraumes, einer Kopie des kretischen Originals. Wie in konzentrischen Kreisen bohrt sich Sandra Hoffmanns Text in die Erlebnisse und Empfindungen der Liebenden hinein, erzählt von Glück und Enttäuschung, Verheißung und Angst, von der Einmischung durch Dritte und dem Gefühl der Bedrohung. Eindringlich, emphatisch, manchmal auch komisch erzählt der Roman von Verlust und Befreiung.
Über den Autor
Sandra Hoffmann, 1967 geboren, studierte nach ihrer Ausbildung als Jugend- und Heimerzieherin Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italienisch in Tübingen. 2002 erschien bei C.H.Beck "schwimmen gegen blond", das u. a. ins Niederländische übersetzt wurde. Seit 2003 organisiert und moderiert sie die Veranstaltungsreihe "buch&bühne" am Landestheater Tübingen. 2004 erschien ihr Roman "Den Himmel zu Füßen". 2005 erhielt sie den Georg-K.-Glaser-Preis.