Durch Zufall stieß ich in einer Kiste, die unsere Lehrerin für das Thema Lyrik mitbrachte, auf diesen Gedichtband. Er tummelte sich irgendwo zwischen Schiller und Goethe, von der Vogelweide und anderen Größen der deutschen Poetik. Jeder Band versuchte mich durch seine leidenschaftliche und künstlerische Art zu überzeugen. Und dann lag da noch dieser Brecht...Der erste Griff in die Lyrikkiste - und schon ein Treffer! Wie bei jedem Werk kann man auch hier jedes einzelne Gedicht interpretieren, sezieren und destillieren, um den künstlerischen Gehalt en fin festzustellen. Was mich aber am Meisten an den Gedichten faszinierte, war Brechts Sinn für das Einfache. Die meisten Gedichte handeln von Sex, unverhüllt und ungeschminkt. Bei jeder Seite stellt man es sich aufs Neue bildlich vor, wie Brecht seine intime Gedanken frei und ungezwungen festhielt, ohne Rücksicht auf seine Leser.Eine lustige Vorstellung bei jedem Gedicht: Wie Brecht aus seinem verschwitzten Bettenlager aufsteht, flink auf seinen Schreibtischstuhl flitzt, husch eine Zigarre anzündet und sogleich auf die Schreibmaschine eintippt, um keinen der vielen Inspirationen zu verlieren.
Sie werden erstaunt sein. Über Brecht, über die Gedichte.
Und noch ein kleines Augenzwinkern von mir am Ende: Geben Sie den Band bei Gelegenheit Ihrem Besuch zum Lesen. Sie werden sich erinnern: An den Satz, den Sie womöglich auch gesagt hatten, nachdem Sie eines der ersten Gedichte aus dem Band zu Ende gelesen hatten: "Und DAS ist von Brecht??".