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"Herz an Herz und Mund an Mund, / Hauch, gemischt in Lust und Not,
Ist die Liebe Sehnsucht nur / Nach den Dingen hinterm Tod?"
William Butler Yeats (13.06.1865 - 28.01.1939) erhielt 1923 den Literaturnobelpreis. Über die Bekanntschaft mit Oscar Wilde lernte er die französischen Symbolisten kennen, allen voran Stephane Mallarme. Mit dieser Begegnung verschrieb er sich ganz der symbolischen und nahezu mystischen Lyrik. Erst siebzehn Jahre jung, fast wie Hofmannsthal und Rimbaud, begann er zu dichten.
In seiner Dichtung verbindet er das reale Leben mit Mythos oder Unbewusstem, das Einfache mit dem Geistigen und das Ästhetische mit dem Weltlichen. Er dichtete mit seiner ganzen Existenz, kein Träumer fremder Welten, feurig mitten im Leben mit immerwährender Selbsterneuerung. Und die wunderbaren Gedichte; Yeats' Liebesgedichte an Maud Gonne, einer Vorkämpferin der irischen Unabhängigkeit, sind ein besonderes Stückchen Weltliteratur. Diese Frau und ihr Dichter kannten sich bestens, die Gedichte sind gelebtes Dasein, unmittelbar gedichtetes Leben und Yeats ein ästhetischer Erforscher der geistigen und körperlichen Liebe, der seinesgleichen sucht.
Anders als Petrarca, der seine Laura verklärt aber niemals sah, (sehr empfehlenswert:. Petrarca: Liebesgedichte an Laura) weil in reiner Phantasie geboren, oder Dantes Beatrice, früh gesehen und dann verloren oder die wunderbaren, aber an Unbekannte adressierten Schwüre um Sein und Schein in den Sonetten Shakespeares gelingt es Yeats, Wahrheit und Realität der Personen aufzuzeigen und dennoch das Übermaß des Schönen und Irrationalen mit diesen zu verbinden. Wenn Maud für eine Sache glühte, dann für ihr Land, die große Liebende ist sie nicht, sie wird durch Yeats Gedichte dazu gemacht, weil seine Liebesqual durch unerreichte Liebe und sie, die Unerreichbare, nur Worte zulassen.
Paradoxien und Antithesen der Liebe spiegeln sich in seinen Versen. Brillant vermag Yeats den Gegensatz von Lust und Schmerz Ausdruck zu geben. Seine Liebe ist die Liebe des dichterischen Ichs, sie ist keusch und unschuldig, eine ideale Liebe, die in sinnlicher Erfüllung sich selbst zerstörte, weil sie aus dem Schmerz der Sehnsucht geboren ist.
"War's dieser Traum selbst, dem mein Lieben galt?"