Die vorliegende Gedichtsband enthält Liebesgedichte Rainer Maria Rilkes. Das Nachwort dazu ist von Siegfried Unseld, der dem Leser verdeutlicht worin die Besonderheit von Rilkes Liebesgedichten liegt.
Die Liebesgedichte Rainer Maria Rilkes ( 1875- 1926) sind in erster Linie Liebesklagen.
Seine Verse befassen sich häufig mit Liebe und Tod.
Rilkes Lyrik thematisiert Vergänglichkeit, Selbstverlust, Leiden, Verstellung und Einsamkeit und stimmt auf diese Weise den Leser zunächst etwas traurig, bevor er sich auf die Gefühlsintensität des sensiblen Dichters wirklich einlassen kann.
Worte , wie " Lass uns ineinander sinken, um einander zu überstehen.", irritieren ebenso, wie die Gedichtszeile " denn unsere Seelen leben vom Verrat".
Ist das so?
Sind das Gedanken, die in ein Liebesgedicht passen?
Wer schon ein paar Jahrzehnte gelebt hat weiß, dass diese Gedanken sogar sehr gut passen. Nur sehr junge Menschen sind in der Lage sich der Illusion hinzugeben, es könne auch anders sein. Gönne man ihnen diese Vorstellung. Die Zeit belehrt alle. Leider.
Liebe und Vergänglichkeit sind für diesen Lyriker ein Begriffspaar. Es scheint Rilke nicht möglich in bunten Farben Bilder der Liebe zu malen, immer wieder gibt es graue Töne. Ganz so wie im wirklichen Leben, nicht wahr?
An seine Geliebte Lou Andreas-Salome schreibt der einfühlsame Dichter:
Wie man ein Tuch vor angehäuftem Atmen
nein:wie man es an eine Wunde presst,
aus der das Leben ganz, in einem Zug,
hinaus will, hielt ich Dich an mich: ich sah
du wurdest rot vor mir. Wer spricht es aus, was uns geschah?
Wir holten jedes nach, wozu die Zeit nie war. Ich reifte seltsam
in jedem Antrieb übersprungener Jugend,
und du, Geliebte, hattest irgendeine
wildeste Kindheit über meinem Herze.
Das ist Rilke.
Empfehlenswert.