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4.0 von 5 Sternen
Aber Liebesgedichte sind das nicht!, 19. August 2006
Durch Zufall stieß ich in einer Kiste, die unsere Lehrerin für das Thema Lyrik mitbrachte, auf diesen Gedichtband. Er tummelte sich irgendwo zwischen Schiller und Goethe, von der Vogelweide und anderen Größen der deutschen Poetik. Jeder Band versuchte mich durch seine leidenschaftliche und künstlerische Art zu überzeugen. Und dann lag da noch dieser Brecht...Der erste Griff in die Lyrikkiste - und schon ein Treffer! Wie bei jedem Werk kann man auch hier jedes einzelne Gedicht interpretieren, sezieren und destillieren, um den künstlerischen Gehalt en fin festzustellen. Was mich aber am Meisten an den Gedichten faszinierte, war Brechts Sinn für das Einfache. Die meisten Gedichte handeln von Sex, unverhüllt und ungeschminkt. Bei jeder Seite stellt man es sich aufs Neue bildlich vor, wie Brecht seine intime Gedanken frei und ungezwungen festhielt, ohne Rücksicht auf seine Leser.Eine lustige Vorstellung bei jedem Gedicht: Wie Brecht aus seinem verschwitzten Bettenlager aufsteht, flink auf seinen Schreibtischstuhl flitzt, husch eine Zigarre anzündet und sogleich auf die Schreibmaschine eintippt, um keinen der vielen Inspirationen zu verlieren.
Sie werden erstaunt sein. Über Brecht, über die Gedichte.
Und noch ein kleines Augenzwinkern von mir am Ende: Geben Sie den Band bei Gelegenheit Ihrem Besuch zum Lesen. Sie werden sich erinnern: An den Satz, den Sie womöglich auch gesagt hatten, nachdem Sie eines der ersten Gedichte aus dem Band zu Ende gelesen hatten: "Und DAS ist von Brecht??".
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Einseitiger Querschnitt, 6. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Liebesgedichte. (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte mir unter einem Band über Liebesgedichte von B. Brecht wirklich einen Querschnitt von Liebesgedichten vorgestellt! Ich kannte nur zwei sehr sinnliche, wenn auch schöne Gedichte von ihm als ich den Band kaufte. Ich verlange bei Leibe nicht, dass ein Gedichtsband dann ausschließlich aus diesen besteht, aber ich war doch negativ überrascht, dass diese beiden die einzigen im ganzen Band waren. Der Rest stellte sich größtenteils als vulgär gehalten und einseitig Sex thematisiernd heraus. Nicht, dass solche Gedichte in einem Band keinen Platz haben sollten, doch er sollte nicht fast nur aus diesen bestehen. Ich erwarte bei gesammelten Werken mehr Querschnitt und Vielseitigkeit und kann somit dieses Buch nicht weiterempfehlen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ich will mit dem gehen, den ich liebe ( Brecht), 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Liebesgedichte. (Gebundene Ausgabe)
Berthold Brecht( 1898-1956) ist einer der bedeutensten Dramatiker und Lyriker des vergangenen Jahrhunderts.
Zu Anfang seines Schaffens glaubte Brecht die Liebe unterliege der alles zerstörenden Vergänglichkeit , sie lebe kurz auf , um sich im Nichts des Vergessens aufzulösen. Diese Sichtweise dokumentiert er in seiner damaligen Liebeslyrik, wie man anhand der entsprechenden Verse im vorliegenden Buch gut nachvollziehen kann.
Später glaubte Brecht, dass zwischmenschliche Beziehungen ähnlich wie wirtschaftliche und politische Gesetzmäßigkeiten funktionierten, welche die Gesellschaft zum jeweils entsprechenden Zeitpunkt gerade beeinflussen.
Teilweise spiegeln die Gedichte ein asoziales Lebensideal wieder, das Brecht sich zeitweilig zu eigen machte.
In beinahe allen Liebesgedichten findet sich das Gefühl der Verzweiflung. Bei Brecht ist dieses offenbar aus dem Wissen um die Vergänglichkeit aller menschlichen Gefühle entstanden.
In dem folgenden Liebesgedicht wird Liebe als purer Wahn entlarvt. Solange die Liebenden allem Irdischen enthoben sind, befinden sie sich im Zustand des Glücks und der Harmonie, doch das Glück zerbricht an der Frage des Wohin.
Terzinen über die Liebe
Sieh jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken , welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen
Aus einem Leben in ein andres Leben
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.
Dass also keines länger hier verweile
dass so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Und keines andres sehe als das Wiegen
des andern in dem Wind, den beide spüren
Die jetzt im Fluge beieinander liegen.
So mag der Wind sie in das Nichts entführen;
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
So lange kann sie beide nichts berühren
So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds wenig verschiedenen Scheiben
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin, ihr?
Nirgendhin.
Von wem entfernt
Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?
Seit kurzem
Und wann werden sie sich trennen?
Bald.
So scheint die Liebe der Liebenden Halt.
Brecht ist in Liebesdingen kein Optimist. Das zeigt sich nicht nur in seinen" Terzinen über die Liebe".
Empfehlenswert
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