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Sieben Geschichten sind es und sie haben eines gemeinsam: es geht um Menschen, die plötzlich von der Vergangenheit eingeholt werden. War es im Vorleser noch die Zeit des Nationalsozialismus, ist es jetzt unter anderem auch die Stasi. Von Verrat ist da die Rede, von bitteren Anschuldigungen. Und von Tratschtanten, die nichts für sich behalten können.
In einer anderen Geschichte "Das Mädchen mit der Eidechse" sind es doch wieder jene zwölf dunklen Jahre, welche ein blutiges Kapitel Weltgeschichte geschrieben haben. "Was hat dein Vater im Krieg gemacht?" -- "Jetzt geht das los!" Bernhard Schlink erzählt mit einfachen Sätzen, ohne banal zu werden. Seine Geschichten leben durch seine klare Sprache, aber auch durch den Mut, mit dem er etwa das schwierige Verhältnis von Deutschen und Juden angeht.
Es wird nur unbedeutend durch den Ort der Handlung -- New York -- entkrampft wie etwa in der Geschichte "Die Beschneidung". Da ist die deutsche Vergangenheit wieder da: "Ich kann es nicht mehr hören: Der Nazi in mir der Deutsche in mir...". Die junge Generation, die Hitler nur aus Büchern kennt, gerät wieder unter Rechtfertigungsdruck. Schlink erhebt keine Anklage gegen irgendwen, moralisiert nicht, sondern erzählt einfach. Und gerade das macht auch sein neues Buch lesenswert. --Corinna S. Heyn -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannendes Buch! Tipp!,
Rezension bezieht sich auf: Liebesfluchten (Diogenes Taschenbuch) (Taschenbuch)
„Liebesfluchten" von Bernhard Schlink enthält sieben in sich abgeschlossene Geschichten, die von der Flucht aus oder in die Liebe (nicht immer nur klassisch zwischen Mann und Frau, sondern z.B. auch zwischen Vater und Sohn) erzählen. Dabei stolpern die Protagonisten unweigerlich immer wieder über ihre persönliche oder die „übergeordnete" Vergangenheit (Nationalsozialismus, Teilung Deutschlands), der sie einfach nicht davonlaufen können. Eine zeit- und raumlose Liebe scheint unmöglich zu sein. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Geschichten:1. Das Mädchen mit der Eidechse (Thema: Kunstraub im Dritten Reich. Liebe zu einem Bild.) Alle Geschichten nehmen nicht zufällig oder plötzlich ihren unverhofften Verlauf, sondern waren schon lange durch den Charakter der Protagonisten und deren Platz in der Historie zu diesem Verlauf verdammt. Ob ein Ende ein „Happy End" ist, sei jedem Leser selbst überlassen - ein überraschendes ist es allemal. Wer Liebesgeschichten rund um Sehnsüchte und Verwirrungen, Nähe und Einsamkeit, Verstrickung und Schuld, Lebensentwürfe und Lebensverantwortung ohne Pathos lesen will, ist mit Schlinks „Liebesfluchten" hervorragend bedient. Tipp! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein Schmankerl Lebensüberdruss literarisch nachgeschmeckt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Liebesfluchten (Diogenes Taschenbuch) (Taschenbuch)
"Es sind die vielen kleinen Lichter, die aus der Welt einen hellen und warmen Ort machen" (S. 68/9), sagt Sven, der ostdeutsche Lektor für Bulgarisch und Tschechisch, der wirklich ein kleines Licht ist, aber leider auch ein Stasi Agent, der seine Frau und seinen Freund bespitzelt. (Der Seitensprung) "Der Verdruss fraß in ihm und zehrte in kleinen Bissen sein vergangenes Leben auf", (S.117)heißt es in einer anderen Geschichte (Der Andere) über einen Witwer, der nach dem Tode seiner Frau dahinter kommt, dass ihn eben diese scheinbar so nachgiebige und allzeit zuhandene Frau jahrelang betrogen hatte. Zwischen den drei Rollen des Helga-, des Jutta- und des Veronika-Thomas kann sich der reale Thomas nicht mehr zurechtfinden (S. 172), so das er seine drei Geliebten verlässt, um als Bettelmönch durch die Gegend zu ziehen, ehe ihn ein Unfall als Krüppel in die Obhut seiner drei Geliebten zurücktreibt ( Zuckererbsen). Das sind nur drei Beispiele für die Stimmung und die Diktion der sieben Kurzgeschichten, die der vorliegende Band versammelt. Es sind Geschichten von Seitensprüngen, untreuen Ehemännern und Ehefrauen, von Erfolgreichen und Verlieren, denen eines gemeinsam ist: sie sind einsam und das gleich in einem doppelten Sinne: einsam unter ihresgleichen, aber auch einsam mit sich selbst. Die Liebeleien, in die sie sich hier und da flüchten, sind nur Surrogate, "Liebesfluchten", also nichts Existentielles, denn letztlich bleibt ein jeder allein. Leser, die diese Empfindung teilen und dieses ein wenig morbide Gefühl auf eine etwas betuliche Art literarisch nachschmecken möchten, sind mit dem vorliegenden Buch gut bedient. Gut zu lesen an einem verregneten Nachmittag, wenn man weiß, dass der Partner bald nach Hause kommen wird.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr bewegend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Liebesfluchten (Diogenes Taschenbuch) (Taschenbuch)
Um es vorweg zu sagen, Bernhard Schlink gehört zu meinen Lieblingsautoren. "Liebesfluchten", der Titel ließ mich dem Buch anfangs skeptisch gegenübertreten, da ich normalerweise nicht der Fanatiker von Liebesgeschichten bin. Bei Schlink war ich allerdings begeistert, es sind keine gewöhnlichen Liebesgeschichten, sondern Geschichten aus dem Leben von Menschen, deren Vergeangenheit, oder der des Landes, Ihrer Liebe im Weg steht. In jeder der sieben Geschichten trifft man auf äußerst verschiedene Menschen, die alle mit einer anderen Vergangenheit, sowie auch um die unterschiedlichsten Arten von Liebe zu kämpfen haben. Zudem ist es äußerst faszinierend, dass Schlink in der Kürze der Geschichten, soviel Leben in die Figuren bringt, obwohl er nur in Fetzen über deren Vergangenheit und Gegenwart erzählt, und man dennoch glaubt sie selbst zu kennen. Sowie es ihm auch gelingt den Geschichten allgemein so viel Leben einzuhauchen, dass man darin versinkt und man sie fühlt.Ich habe bisher noch nie solch gefühlvolle und dennoch so weit vom Kitsch entfernte Liebesgeschichten gelesen, dieses Buch ist einfach jedem zu empfehlen, der brillante, intelligente und zudem gefühlvolle Erzähler mag. An Bernhard Schlink ist ein Meister verloren gegangen, dies hat er mit diesem Buch bewiesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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