Bis etwa Seite 100 war ich permanent versucht, das Buch in die Ecke zu werfen, weil mich die schludrige Übersetzung wütend machte. Dann überzeugte mich gewissermaßen Kate Atkinson "herself", weiterzulesen sprich: ihre furiose Art zu schreiben überwindet selbst feindliche Übersetzungs-Attacken.
Die Story selbst ist relativ einfach: während der Festspiele in Edinburgh geschehen verschiedene Morde und Mordanschläge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der privatisierende ehemalige Polizist Jackson Brodie gerät durch einen Zufall mitten hinein und trägt schließlich wesentlich zur Aufklärung der (natürlich) bestehenden Zusammenhänge bei. Am Rande entwickelt sich dabei eine zarte Liebesbeziehung.
Dies ist kein gewöhnlicher Krimi, da nicht fortlaufende Action im Vordergrund steht, vielmehr die Zeichnung der Charaktere und ihre jeweils ganz eigene Art zu handeln. Atkinsons Kunst besteht darin, eben dadurch eine Spannung entstehen zu lassen, die den Leser (trotz schlechter Übersetzung)nicht mehr loslässt. Damit steht sie in bester englischer Tradition. Sie schreibt darüber hinaus in einem Stil, den man als "furios sarkastisch" bezeichnen möchte, als ungeheuer originell und witzig, teilweise sogar derb und keinesfalls im Sinne von feinster britischer Ironie (wie auf dem Cover zu lesen). Gerade das macht u.a. den Reiz des Buches aus. Kate Atkinsons eigentliches Thema ist Gesellschaftskritik und sie beschreibt Personen und Zustände so (beinahe gnadenlos)genau, dass es immer wieder unter die Haut geht.
Zur Übersetzung: es ist höchst ärgerlich, wenn ein/e Übersetzer/in immer wieder einfachste grammatikalische Regeln verletzt. Noch schlimmer sind allerdings die offenbar völlig "fehlgegriffenen" Übersetzungen von speziellen Wortschöpfungen, wie etwa "seinen schlecht passenden Körper", "knifflige Bänder", ..."als würde er eingestehen, eine niedrige Lebensform zu sein", "er war ein gerechtfertigter Sünder", "Elternschlafzimmer ... mit angeschlossenem (statt anschließendem)Bad" usw. usf.. Auch wenn man das englische Original nicht, die Sprache selbst aber gut kennt, weiß man intuitiv, dass dies ganz anders hätte wiedergegeben werden können. Da das Buch viel Lokalkolorit enthält, hätte man sich außerdem hin und wieder "Anmerkungen des Übersetzers" gewünscht.
Kate Atkinson hätte eine bessere Übersetzung und bessere Lektoren verdient. Dass ihr neuestes Buch dennoch lesenswert ist, beweist ihren Rang als anspruchsvolle Autorin.