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Den überwiegend sehr positiven Rezensionen und Klappentexten ließe sich hinzufügen, dass vor dem Hintergrund anderer Erzählungen und Romane Urs Widmers dieser Titel m.E. eher abfällt. Wer so viele Bücher schreibt wie Widmer kann und muss auch unmöglich ein stets gleich bleibendes literarisches Niveau halten.
Wer gerne Widmer liest, hat eine große Auswahl anderer Titel, an denen er sich weitaus mehr delektieren kann.
Früher wurden Helmuts Ex-Frauen stets vom Erzähler „weiterversorgt", nur bei Mary war es einmal umgekehrt. Was spielt das aber für eine Rolle, wo die Dame mit dem schlechten Deutsch nun ohnehin auf Dauer in Australien weilt, wo sie ihr Glück mitten in einer ansosnten menschenleeren Wüste mit einem Tankstellenbesitzer und Aborigine von kleinem Wuchs gefunden zu haben scheint.
Der verzweifelte Helmut fährt ihr nach und schreibt seiner großen Herzflamme Mary einen langen Brief auf (Schul-)Englisch, der den Hauptbestandteil des Werkes bildet. Der Erzähler, der Helmut den Brief entwendet hat und ihn unter abenteuerlichsten Zuständen schließlich persönlich zustellt, kommentiert Helmuts schriftliche Leidens-Suada (wobei schnell klar wird, dass auch er Mary letztlich immer noch verfallen ist), so dass der Leser einiges über Helmuts biographische Hintergründe erfährt, die oft genug Abgründe sind: Probleme mit Frauen (Tendenz zur Flucht) und vor allem eine psychisch gestörte Mutter mit vielen Anstaltsaufenthalten, ihr Selbstmord, der Tod des Vaters.
All dieses Abgründige webt Widmer - wie so oft - leicht und locker sowie mit viel Humor und großer Phantasie in seine Erzählung. So sind die knapp 100 Seiten eine im besten Sinne unterhaltsame und lesenswerte Liebesgeschichte in Form einer Tragikkomödie mit beeindruckendem, rabenschwarzem Ende.
Geschrieben wird das Buch vom Freund des Briefschreibers, der auch immer wieder Passagen kommentiert, korrigiert (so war das alles nicht gewesen!) - und eigentlich dabei noch einen zweiten Liebesbrief an Mary schreibt.
Mary ist eines Tages verschwunden. Weg. Also machen sich beide auf die Suche nach ihr - nacheinander, so wie sie auch nacheinander eine Liebesbeziehung zu Mary hatten. Beide wollen sie zurückholen, an den Platz, der für sie doch nur der einzig richtige sein kann - an ihrer Seite.
Doch Mary bleibt im australischen Busch.
Beurteilung:
Ein Liebesbrief mit unheimlich viel Humor - besonders gut haben mir die Kommentare des Erzählers gefallen, zum Beispiel, wenn er das Liebesleben der beiden klarstellt. So langweilig wäre es bei ihm nie und nimmer gewesen. Außerdem eine pfiffige Idee, immer wieder die Sprache zu wechseln - und ein sehr sehr deutsches Englisch zu schreiben.
Auf den Sprachwitz des Autors bin ich vor allem bei seiner Lesung aufmerksam geworden - und habe darauf hin aufmerksamer als sonst beim Lesen darauf geachtet.
Alles in allem ein Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann!
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