Ich bekam dieses Buch von einer älteren Frau geschenkt: "Willst du es haben? Mir gefällt es nicht". Als Büchernarr sagte ich nicht nein und begann mit der Lektüre gleich auf dem Heimweg in der S-Bahn. Schnell hatte ich 30 Seiten gelesen. Trotz der anfänglichen Vorbehalte zog mich Amelie Frieds Schreibstil in seinen Bann.
Die Ausgeflipptheit dieser wild durch die Gegend vögelnden Hanna faszinierte mich. Sie scheint gewohnt, alles zu bekommen, was sie will, oder, wenn nicht, es sich zu holen. Als beginnende Schauspielerin spielt sie ihr Leben, ist ständig auf ihre Wirkung nach Außen bedacht. Erst nach und nach erfährt der Leser vom Drama ihrer Kindheit und ihrer Fähigkeit, auch normale" Gefühle zu empfinden. Wobei bis zum Schluss die Frage im Raum steht, was normal" ist.
Mir gelang es an keiner Stelle, mich mit den Protagonisten zu identifizieren. Trotzdem war ich gespannt, wie sich die Story weiterentwickelt. Vielleicht hat Amelie Fried zuviel in ihr Buch gepackt (Kindheitsdrama, Verlust des geliebten Vaters, Sehnsucht, Überfluss, Untreue, Midlifecrisis, Besitzen wollen), so dass das Buch teilweise chaotisch wirkt. Doch der Schluss macht vieles wieder wett: da hat eine echte Entwicklung statt gefunden.