Festschriften von Professoren für Professoren sind mit Recht aus der Übung gekommen. Sie verstauben in Universitätsbibliotheken.
Hier aber ist die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Ich greife einige Artikel aus dem Sammelband heraus, die mir besonders gefallen haben: Carsten Frerk schreibt über die sogenannten Staatsleistungen an die Kirche und räumt mit falschen Vorstellungen und Legenden auf, Ida Raming, eine zur Priesterin geweihte und deshalb exkommunizierte Frau, beschreibt ihren Leidensweg und lebenslangen Kampf, zwei Wirtschaftswissenschaftler der Uni Münster behandeln Aspekte der Vermittlung von ökonomischer Bildung, Egmont R. Koch zeichnet Herrmanns Forschungen über Foltermethoden nach, zwei ehemalige Studierende schildern, warum sie stolz sind, gerade bei Herrmann studiert zu haben.
Die Themen sind nicht enggeführt: Schädliche Erziehung, Mißhandlung in Heimen, Kritik an den millionenschweren Subventionen für die Kirche, Tierrechte und, und. Es ist eine Fülle, die sich an der unerreichten Breite Herrmannscher Themen orientiert. Da Horst Herrmann, dem nun schon die zweite Festschrift gewidmet ist, sich keinem Menschen verschlossen hat, wie die Herausgeberin in ihrem klugen Vorwort schreibt, wundern wir uns über diese Breite nicht.
Ein empfehlenswertes Buch, das Pionierarbeit leistet und von Artikel zu Artikel zeigt, wo wir heute stehen und wo wir hinkommen sollten. Es lohnt sich, wenn man einen Einblick in den neuesten Stand des Nachdenkens erlangen will. Die Zeichnungen von Jacques Tilly tun ein Übriges. Selten, dass eine akademische Festschrift wissenschaftlich so gediegen und doch lebensnah ist.