In sehr anschaulicher Weise vermittelt dieses Buch diverse Aspekte rund um das Thema Sucht - mit dem Schwerpunkt Alkoholabhängigkeit, ohne begleitende Suchtformen bzw. - Erscheinungen zu vernachlässigen.
Johannes Lindenmeyer klärt auf, ohne eine typische Besserwisserei zu frönen und mit vernebelnden Fachausdrücken an den Menschen vorbeizuschreiben. Vielmehr drückt der Autor aus, dass Sucht nie isoliert betrachtet werden darf, dass die suchtbegünstigenden Faktoren nicht nur eindimensional allein auf der körperlichen, psychischen, genetischen, familiären oder sozialen Seiten gesehen werden dürfen.
Vielmehr führt ein Konglomerat an Gesichtspunkten dazu, dass aus Genuss Abhängigkeit wird. Dr. Johannes Lindenmeyer hat sein 1990 erstmals und inzwischen in siebenter Auflage erschienenes Buch gründliches überarbeitet. Dies wird u.a. auch an der dem Computerzeitalter angepassten Metapher-Sprache deutlich, ohne dass sich der Autor hier zu sehr dem Zeitgeist anpasst. Die beigefügte CD-ROM enthält die Fragebögen des Buches und wesentliche Kapitel. So ermöglicht das Buch sowohl technikbegeisterten Anwendern/-innen als auch noch die konservativeren Methoden bevorzugenden Personen praktisches und adäquates Anwendungsmaterial.
Die vierzehn Kapitel enthalten hilfreiche Erläuterungen zu Trinktypen und -kulturen, eine historische Betrachtung des Alkoholkonsums, körperliche Wirkungsformen und Folgeschäden sowie Abhängigkeitsentwicklungen. Wie man aus der Abhängigkeit heraus kommen kann, welche Nebenabhängigkeiten es geben kann, wie sich das soziale, berufliche und familiäre Umfeld bezüglich Abhängigkeit bzw. Therapieversuche äußern kann, wird ebenfalls eindrücklich erläutert.
Sexualität, Schmerzbewältigung, Rauchen, Rückfallpotenziale und die Einbeziehung Angehöriger werden ebenso thematisiert.
So eignet sich dieses Lektüre- und Arbeitsbuch hervorragend für Selbsthilfegruppen, Fachkräfte in Beratungsstellen, in der Jugendhilfe und auch für Beratungspersonen in Schulen und Betrieben.
Was unterscheidet nun dieses Buch von anderen Lektüren? Es ist insbesondere die präzise Beschreibungen typischer Entwicklungen, die klare Struktur in Aufbau und Gliederung und letzten Endes vor allem die hervorragend aufbereiteten Fragebögen und Arbeitshinweise. Hier werden alle von der Suchtproblematik Betroffenen bzw. ihre „Helfer/-innen" ermutigt, in realistischer Weise sich der Thematik zu stellen.
Die zahlreichen Cartoons, Zeichnungen, Tabellen und Graphiken sind durchwachsen von Sachkenntnis und der nötigen Prise Humor und Lebensbejahung. Ohne diese immer wieder entlastenden Momente bei der Lektüre würde man das Buch wohl bald zur Seite legen; so aber holen einen diese „Einschübe" immer wieder ab, wenn man abzusacken droht bei der manchmal nicht so leichten Kost.
Ein unbedingtes Muss für alle, die „lieber schlau als blau" sein wollen und alle, die „lieber schlau als blauäugig" helfen wollen.