1916, mitten in den Kriegswirren, schrieb D. H. Lawrence einen komplexen Roman, in dem vom Krieg keine Spur zu finden ist, dafür aber die tiefe Überzeugung, dass die gesellschaftlichen Entwürfe der Vorkriegszeit endgültig zusammengebrochen sind. Zwei Schwestern erkunden Lebensperspektiven jenseits der üblichen Ehe, und zumindest einer von ihnen gelingt es am Ende, ihre Beziehung auf eine 'höhere Ebene' zu heben. Ein Schwanken zwischen Konvention und Moderne ist im Roman spürbar: Subtile psychische Vorgänge werden irritierend konventionell dargestellt; ein allwissender Erzähler hat beliebigen Zugang zum Bewusst- und Unterbewusstsein der Figuren, leuchtet dieses aber nicht kühl wissenschaftlich aus, sondern präsentiert es wie ein überengagierter Schullehrer. Heute würde man sagen: Ein strenger Lektor hätte dem Buch gut getan ' und zwar nicht um es auf heikle Inhalte zu prüfen, wie dies bei der Veröffentlichung 1920 geschah.