Sexualkundeunterricht ist ein schwieriges Unterfangen geworden. Die Vielfalt an Möglichkeiten, Informationen über die körperlichen Vorgänge zu erhalten, gibt es inzwischen mehr als ausreichend. Dennoch liegt die tatsächliche Aufklärungsrate bei jungen Menschen eher im niedrigen Bereich. Fehlerhafte Informationen, Wissenslücken und die mangelnde Eenbettung in den Alltag erschweren die schulische Auseinandersetzung.
Daher tut es gut, wenn eine neue Publikation mal über den Tellerrand der rein körperlichen Vorgänge hinausblickt, und Reflexion, Information und Interaktion gleichermaßen aufgreift. Dabei haben sich Pete Sandres und Liz Swinden nicht allein damit begnügt, didaktische und methodische Hilfen zu geben, sondern auch die eigene Auseinandersetzung der Lehrerinnen und Lehrer mit Liebe, Partnerschaft und Sexualität zu thematisieren. Das kopierfreudnlcihe DIN A 4-Buch beginnt so erst einmal mit grundlegenden Fragestellungen zur Sexualerziehung und ermöglicht mit Checklisten und Aussage-Beispielen eine Annäherung an die Thematik.
Im nächsten Kapitel werden leicht umsetzbare Einstiegsübungen vorgestellt, ehe in den nächsten drei Hauptkapiteln konkrete Übungen vorgestellt werden, die sich inhaltlich intensiver mit dem Sexualleben im Allgemeineren und im Konkreteren befassen. Die Kapitelüberschriften
"Wer bin ich? Wer bist Du?" -
"Nichts bleibt so, wie es war" -
"Was hat das alles mit Liebe zu tun?"
zeigen die Nnäherung an die konkret gelebte Beziehung.
Die einzelnen Übungen sind als Werkstatt-Einheiten angelegt und können sowohl im Projektunterricht, als Reihe oder auch als Intensivierungsstunden verwendet werden. Abwechslugnsreich werden Impuls-Aufträge vorgestellt, tabellarische Aufgaben gestellt, Einzel-, Partner- und Gruppenaufträge präsentiert. Neben Gesprächen und Checklisten leben die einzelnen Übungen vor allem von den interaktiven Elementen, diesich manchmal ganz deutlich als sexualpädagogisch erkennen lassen und an anderen Stellen eher die Beziehungsgestaltung in den Vordergrund stellt.
Mit Piktogrammen versehene Kurzinformationen zu Zielsetzung, Altersstufe, Materialaufwand, Zeitrahmen, Gruppengröße sowie sogenannten "Anknüpfungspunkten" erhalten die Lehrkräfte einen raschen Überblick.
Naturgemäß nur ausgewählte Literatur-, Film- und Internetinformationen runden das Buch ab.
Die Vielfalt der Ideen dieses Arbeitsbuches ist beeindruckend. An einzelnen Stellen wäre aber eine gründlichere Recherche bzw. Darbietung von Übungen gut gewesen. Beispielsweise wird die Menstruation bzw.Menarche nur kurz thematisiert (wenn auch leider etwas oberflächlich, wo es sich doch um eine so tiefgreifende Veränderung handelt) und die Ejakulation bzw. Ejakularche wird gar nicht besonders erwähnt. Die Zeichnungen der Körperpartien sind eher grob und wirken nicht gerade ansprechend jugendgemäß. Die "Pille danach" in die Reihe der Verhütungsmittel zu stellen, ist nicht vertretbar. Hier wäre eine sorgsame Information gut gewesen, zumal die übrigen Aussagen über Empfängnisverhütungsmittel auch eher grob gehalten sind und es im übrigen nicht einsichtig ist, warum als Erstes die Vasektomie genannt wird.
Für 6 bis 12 jährige Schülerinnen und Schüler erhält man wertvolle Anregungen für den beziehungsreichen und aufklärerischen Unterricht, der die Interaktionen der Schüler/-innen in den Vordergrund stellt. Für die angesprochene Altersklasse wäre aber eine auf Deutschland passender aufbereitete Gestaltung der Arbetisblätter gut gewesen. So wären eigentlich nur 4 Sterne zu vergeben, aufgrund der doch innovativeren Umsetzung von "Lieben, Lernen, Lachen" kann man jedoch auch guten Gewissens noch 5 Sterne erteilen.
Mögen die Schulen erkennen, dass Sexualerziehung weit über das rein körperlich-geschlechtliche Prozesswissen hinausgeht und die Beziehungsgestaltung wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt werden muss.