A nimmt B die Frau weg, B verschwindet im Orkus, und A und die Frau werden glücklich bis an ihre Lebensende. Wie ungerecht. Warum soll die Frau nicht nach einiger Zeit erkennen, dass sie die falsche Wahl getroffen hat? Warum soll der verschmähte B nicht eines Tages wieder auftauchen und sein Weib zurückerobern? So jedenfalls verhält es sich in dem vorliegenden Buch. A(Oliver) nimmt seinem Freund B(Stuart) die Frau (Gillian) weg. Der wenig spektakuläre Stuart verzieht sich vernichtet ins Ausland und macht Karriere. Oliver und Gillian heiraten. bekommen zwei reizende Töchter, leben zuerst in Frankreich und kehren dann nach England zurück. Leider entpuppt sich der eloquente Oliver als ein geistreichelnder Gernegroß, der mit seinen Schreibereien erfolglos bleibt, und nur weil Gillian sich als eine gefragte Restaurateurin etabliert, kann sich die Familie über Wasser halten.
Eine ideale Konstellation also für Stuarts Revanche. Und tatsächlich. Der ehemalige Looser kommt nach England zurück, sucht den Kontakt zu Oliver und Gillian und kehrt im Angesicht der bedrängten Verhältnisse der Familie den Wohltäter heraus. Er versorgt der Familie ein neues Haus, lässt Oliver in seinem Betrieb arbeiten, bringt die Töchter zu Bett, macht sich nützlich, wo es nur geht, während Oliver bei seiner Frau uns seinen Töchtern immer weiter an Boden verliert. Am Ende flüchtet das abgehalfterte Familienoberhaupt in eine Depression, liegt malade in den Federn, während sich Stuart revanchiert, d.h. in der Küche mit Gillian schläft.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der Haupt- und Nebenpersonen, wobei sich der Leser aus der Vielzahl unterschiedlicher Urteile und Schilderungen seinen eigenen Eindruck bilden kann. Trotzdem alles in allem also ein recht vorhersehbare Handlung, die insgesamt auch recht konventionell erzählt wird. Worin also liegt das Besondere des Buches? Natürlich in seinem Thema, denn Oliver und Gillian, Stuart und die Nebenfiguren palavern natürlich unablässig über das Thema Nummer 1 - eben Liebe, und was es dabei zu lesen gibt, ist keineswegs neu, aber auf eine Weise formuliert, die neu und überraschend klingt. Wie kommt es zum Beispiel zur Ehe? fragt sich Stuart. "Ich habe in meiner Jugend Menschen gemocht, die mich mochten. Das heißt, ich mochte sie wahnsinnig, wenn sie nur höflich und nett zu mir waren. Das ist oft der Grund, warum Leute zum ersten Mal heiraten, wenn sie mich fragen. Es haut sie völlig um, wenn jemand sie einfach mag, ohne wenn und aber." (S: 137) Aber wie geht es weiter - zum Beispiel mit dem Sex? "Unser Liebesleben ist freundschaftlich," berichtet Gillian. "Wir haben partnerschaftlichen Sex. Wir verstehen uns gut miteinander. Wir tun unser Bestes füreinander, wir kümmern uns umeinander beim Sex. Unser Liebesleben ist eben freundschaftlich." (S.72)Welchem Ehepartner klingeln hier nicht alle Alarmglocken in der Leistengegend? Es sind solche Reflexionen und Perspektiven, die den Wert des Buches ausmachen. Wie die Geschichte von Oliver, Stuart und Gillian ausgeht, ist nicht so wichtig, denn das Gespräch über "Liebe usw" findet ohnehin kein Ende.