Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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196 von 244 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessant, und dennoch nicht erklärend, 1. April 2009
Das Buch hat 400 Seiten (und nicht 320 wie aktuell angegeben), zu denen ca. 25 Seiten Literaturverzeichnis und Register zählen. Es gliedert sich in die drei großen Abschnitte:
1. Frau und Mann
- Thema der Kapitel 1-5 sind die biologischen und kulturellen Grundlagen der Geschlechterrollen.
2. Die Liebe
- Thema der Kapitel 6-10 ist die Liebe im biologischen Sinn.
3. Liebe heute
- Thema der Kapitel 11-14 ist die Liebe in der heutigen Zeit, z. B. die Fragestellung, warum die romantische Liebe so wichtig geworden ist.
Precht macht zunächst klar, dass es in seinem Buch nicht um die Liebe im Allgemeinen (inklusive etwa der Liebe von Eltern ihren Kindern gegenüber) geht, sondern eingeschränkt (13) "um die geschlechtliche Liebe zu einem Liebespartner".
Positiv ist zunächst anzumerken, dass sich Precht seinem Thema nicht rein philosophisch nähert, sondern ganz bewusst auch auf der Grundlage des aktuellen Standes der Naturwissenschaften. Seine Darstellung ist meist sehr personenbezogen. Recht häufig beginnt er ein Kapitel mit der Beschreibung des Lebens und den Eigenarten einer Persönlichkeit, die sich im Zusammenhang mit dem Thema besonders hervorgetan hat. Hierdurch ist der Text sehr angenehm und unterhaltsam zu lesen, wenngleich ich auch Leser kenne (in der Regel Männer), die genau das nicht mögen (und solche Ausführungen als belanglose Anekdoten abtun). Ich schätze so etwas dagegen sehr, da ich mir das Beschriebene dann viel leichter einprägen kann.
Precht beginnt mit einer Beschreibung - und Kritik - des Standpunktes der Evolutionären Psychologie (bzw. Soziobiologie) zum menschlichen Sexualverhalten, den er recht treffend wie folgt zusammenfasst (29): "Unsere Psyche sei sehr fein auf die Umwelt abgestimmt. Diese Umwelt aber - und dies ist der springende Punkt - ist nicht unsere heutige Zeit, sondern jene Epoche, in der der moderne Mensch biologisch entstand: die Steinzeit." Sehr nachvollziehbar kritisiert er die Erklärungswut dieser Disziplin, die für fast jedes Phänomen (zum Beispiel die Dauerschwellung der weiblichen Brüste, die es in der Form bei anderen Primaten nicht gibt) eine angeblich plausible Begründung parat hat. Precht liefert hier zum ersten Mal einen seiner Haupteinwände: Nicht jedes beobachtbare Phänomen muss unbedingt auf einen Vorteil zurückzuführen sein. Es reiche, wenn es nicht nachteilig ist. Als mögliche alternative Erklärung der weiblichen Brüste führt er die hormonelle Wirkung der in der Altsteinzeit vorherrschenden Fleischnahrung an (in Ländern mit starkem Fleischkonsum sollen die Frauen angeblich größere Brüste haben als in anderen Ländern - ich habe mir deshalb jetzt vorgenommen, in Zukunft wieder etwas mehr Fleisch zu essen).
Precht hält die Vermutung der Soziobiologen, dass neben dem Fortpflanzungstrieb auch unsere Liebe und Libido aus der Steinzeit stammen, für eine sehr mutige Behauptung (39). Als Beleg dafür führt er an, dass sich alle Primaten bei der Sexualität erheblich unterscheiden, und dass das Sexualverhalten des Menschen von keinem anderen Primaten abgeleitet werden kann. Sein Verdacht ist deshalb (47), "dass die menschliche Liebe zwischen den Geschlechtern so viel mit der Evolution von Kultur zu tun hat, dass alle Versuche einer Naturgeschichte der Liebe fehlschlagen müssen."
Sehr lesenswert fand ich seine Ausführungen zur und Kritik an der Gesamtfitness-Theorie Hamiltons, die Richard Dawkins später zur Theorie der egoistischen Gene popularisierte, man könnte vielleicht lediglich einwenden, dass er hier eine Spur zu spöttisch wirkt. Sein Fazit (62): "Nicht die Gene bestimmten über den Erfolg eines Lebewesens, sondern der Erfolg eines Lebewesens entscheidet über das Überleben der Gene." Dawkins-Jünger würden ihm an dieser Stelle vermutlich vorwerfen, dass er die metaphorische Bedeutung des Begriffs des egoistischen Gens nicht verstanden habe. Problematisch schien mir hier lediglich sein Verweis auf Lewontin und Gould zu sein, die nach meiner Kenntnis diesbezüglich keineswegs richtungsweisend wirkten.
Den soziobiologischen Überlegungen schließt sich ein Kapitel über den Unterschied zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht (Gender) an. Hier waren mir seine Aussagen viel zu allgemein gehalten. Es ist zwar richtig, dass die Geschlechtsrollenunterschiede zwischen Frauen und Männern nicht allesamt biologisch begründet sein müssen, sondern zum Teil oder sogar in Gänze sozial konstruiert sein können, das heißt aber noch lange nicht, dass sie im statistischen Mittel vollständig angeglichen werden können, wie Mersch geradezu zwingend nachwies. Genau davon geht aber die moderne Gendertheorie aus, die Precht keineswegs zurückweist.
In den Folgekapiteln geht es dann um die zentrale Frage, wieso es überhaupt Frauen und Männer gibt (141ff.). Dieser Abschnitt ist für mich der bei Weitem schwächste des ganzen Buches. Richard David Precht stellt zunächst verschiedene Hypothesen vor, die erklären wollen, weshalb es eine getrenntgeschlechtliche Fortpflanzung gibt, um diese dann aber allesamt mehr oder weniger als wenig stichhaltig zurückzuweisen. Einmal mehr merkt er an (147): "Phänomene wie die sexuelle Fortpflanzung müssen nicht deshalb entstanden sein, weil sie einen Vorteil boten, der größer war als ihr Nachteil." Und das ist - mit Verlaub gesagt - leider völlig absurd. Doch Precht legt noch eins drauf (147):
"Das skurrilste aller Argumente für die Zweigeschlechtlichkeit ist übrigens, dass eingeschlechtliche Lebewesen stets primitiv geblieben sind und sich nicht weiter zu neuen und spektakulären Formen entwickelten. 3,3 Milliarden Jahre evolutionärer Stillstand, wenn man so will. Schon richtig, aber was ist daran schlecht? Aus welcher Perspektive argumentieren wir, wenn wir dies anprangern?"
Nun, wir prangern dies aus der Position des Menschen an. Wie Mersch in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem stringent nachweist, hätte es ohne die getrenntgeschlechtliche Sexualität auf der Erde nur ein Fressen-und-Gefressen-werden gegeben, denn erst mit der getrenntgeschlechtlichen Sexualität kam eine der größten Erfindungen der Evolutionsgeschichte überhaupt: das "Gefallen-wollen" (die sexuelle Selektion), was auch die Grundlage der Liebe schlechthin sein dürfte. Mersch zeigt, dass Kultur, Höflichkeit, Altruismus und Zivilisation ohne Gefallen-wollen allesamt nicht wirklich vorstellbar sind.
Das Problem an dieser Stelle ist, dass Precht einen bedeutenden Teil der Biologie schlicht und ergreifend ausklammert und ignoriert. Ich fragte mich immer wieder, wie man ein Buch über die sexuelle Liebe schreiben kann, ohne Bücher wie Geoffrey F. Millers Die sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes., Matt Ridleys Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität. oder Zahavis Signale der Verständigung (Handicap-Prinzip) auch nur zu erwähnen. Der große Irrtum der Evolutionären Psychologie ist nämlich, dass sie annimmt, viele menschliche Verhaltensweisen seien aus der Anpassung des Menschen an die natürlichen Rahmenbedingungen der Steinzeit zu erklären. Dabei ist der Mensch vor allem ein soziales Tier: Sehr viele seiner Merkmale - inklusive seiner Kultur - sind im Anpassungsprozess gegenüber seinem sozialen Umfeld (insbesondere den Präferenzen des anderen Geschlechts) und nicht der Natur entstanden, was übrigens auch für Phänomene wie den Vogelgesang gilt.
Precht verwendet in diesem Zusammenhang dann leider auch Formulierungen, die unter Evolutionsbiologen als äußerst verpönt gelten (148): "Und wie der Sex in die Welt kam, ist ebenso unbekannt wie sein Zweck. Möglicherweise, so steht zu vermuten, gab es gar keinen höheren Sinn dabei." Dabei wird unter Evolutionsbiologen allgemein akzeptiert, dass die Evolution keinen Zweck und keinen höheren Sinn verfolgt. Sex kam in die Welt, weil er evolutionäre Vorteile besaß. Welche das sind, lässt sich fast abschließend (obwohl leider nicht so schön formuliert und strukturiert wie bei Precht) bei Mersch nachlesen.
Der letzte Abschnitt "Liebe heute" (Kapitel 11-14) hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen. Ich habe dennoch drei Sterne vergeben, weil das Buch insgesamt sehr interessant ist, und sich die meisten Leser möglicherweise vor allem für den dritten - gelungenen - Abschnitt interessieren werden.
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137 von 177 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Ein wenig ordentliches Buch, das an etlichen wichtigen Stellen vor Verleumdungen nicht zurückschreckt, 4. Mai 2009
Richard David Prechts Buch Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise hat mir ganz gut gefallen. Es war - zumindest teilweise - amüsant, und manche Stellen haben mich angenehm belehrt. Dementsprechend war ich durchaus positiv voreingenommen, als ich seine neueste Veröffentlichung aufgeschlagen habe.
Aber was ich dann zu lesen bekommen habe, hat mich weder amüsiert noch mich klüger gemacht.
Sinngemäß schreibt er auf S. 28, von Darwin nach Dachau sei nur ein kleiner Schritt. Diese These kennen wir aus Weikarts üblem Pamphlet From Darwin to Hitler: Evolutionary Ethics, Eugenics, and Racism in Germany und aus Bauers Das kooperative Gen: Abschied vom Darwinismus. Durch Wiederholung wird diese These nicht wahrer.
Im Folgenden zitiere ich einige Sätze oder Ausdrücke aus dem Buch und kommentiere sie kurz.
"Auf gleichsam alttestamentlicher Weise versucht er [Dawkins; HWB] die Welt davon zu überzeugen, dass er einen besseren und stärkeren Gott hat als das Christentum oder der Islam, nämlich einen Gott in den Genen. Sie sind allmächtig, allgewaltig und für alles verantwortlich. [...] Ihr Wille geschehe, wie im Tierreich so im Menschen." (S. 51)
Es dürfte schwierig sein, dies in Dawkins' Texten zu belegen.
"Hamilton schrieb seine Doktorarbeit an der London School of Economics and Political Science" (S. 52 f.)
Precht schrieb seine germanistische Doktorarbeit "Die gleitende Logik der Seele. Ästhetische Selbstreflexivität in Robert Musils 'Der Mann ohne Eigenschaften'" an der Universität Köln.
"Genau genommen ging es Hamilton in seiner neuen Umgebung unter Wirtschaftswissenschaftlern also nicht nur um eine biologische Theorie, sondern um eine Wirtschaftstheorie der Vererbung." (S. 53)
Abgesehen davon, dass die Formulierung "Wirtschaftstheorie der Vererbung" die Hervorbringung eines Germanisten ist, muss es offenbar besonders verwerflich sein, in der Biologie auch ökonomische Ideen zu verwenden.
"Der Prediger vom göttlichen Gen, des Allmächtigen und Allwissenden" (S. 56; gemeint ist Hamilton)
Dazu fällt mir nichts ein.
"Gen-Mystik" (S. 56)
Dito.
"Der Traum von einer Professur freilich blieb ihm [Dawkins; HWB] versagt. 25 Jahre lang bekleidete er lediglich eine Dozentenstelle am New College, obwohl er in der Öffentlichkeit inzwischen Weltruhm genoss." (S. 57)
Dawkins war 'lecturer'. Dieses Amt ist von einem deutschen Professor kaum zu unterscheiden. Und: Selbst wenn er nur Dozent gewesen wäre, spräche dies nicht gegen seine Qualifikation.
"Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Du bist nichts, deine Gene sind alles!" (S. 58)
Dies soll wohl an den Nazi-Spruch "Du bist nichts, dein Volk ist alles" erinnern. Infamer geht es wohl nicht.
"Eine Flut von populärer Literatur entstand in Dawkins' Gefolge und freute sich an dem Spiel, den Menschen umzudeuten zu einer Gen-Bestie." (S. 58)
Das Wort "Gen-Bestie" soll wohl besonders geistreich sein.
"Dawkinswahn" (S. 58)
Dieses Wort ist offensichtlich eine Anspielung auf Dawkins' Buch "Der Gotteswahn".
"William Hamiltons Doktorarbeit an einer Wirtschaftsuniversität" (S. 64)
An einer "Wirtschaftsuniversität" zu promovieren ist in Prechts Sicht offenbar ähnlich kontaminiert wie an einer Nazi-Universität seinen Doktorgrad zu erwerben.
"Natürlich waren Allen und Barbara [Pease; HWB] keine Psychologen, Anthropologen oder Neurowissenschaftler. Sie waren Geschäftsleute." (S. 100)
Natürlich ist Richard David Precht kein Psychologe, Anthropologe, Evolutionsbiologe oder Neurowissenschaftler. Er ist Germanist und Geschäftsmann.
"Aber kein Anzeichen spricht dafür, dass er [Darwin; HWB] sie auf mathematische Formeln bringen wollte wie Hamilton oder das Erbgut mystifizieren wie Trivers und Dawkins." (S. 151)
Der Germanist Precht findet es augenscheinlich besonders verwerflich, in den Biowissenschaften Mathematik zu verwenden.
"... ist die evolutionäre Psychologie eigentlich auch keine Psychologie" (S. 152)
Der Germanist und Geschäftsmann Precht meint zu wissen, was eigentlich Psychologie ist.
Schlussbemerkung 1: Ein umfassendes und gründliches Lehrbuch der Evolutionsbiologie, wie etwa Mark Ridleys Evolution oder Evolution von Nicholas Barton et al., scheint Precht nicht gelesen zu haben.
Schlussbemerkung 2: Es handelt sich um das unordentliche Buch eines unordentlichen Autors, der sich als Philosoph und Metawissenschaftler missversteht. Es ist zu befürchten, dass es ein Bestseller wird und von Leuten ernst genommen wird, die die Originalliteratur nicht kennen.
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98 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Ein unordentliches Buch, 10. April 2009
Darf man Bücher aus dem einfachen Grund nicht mögen, weil wir uns von ihnen nicht angesprochen fühlen? Ich meine ja. Aber nach dem Warum? zu fragen, kann die Lektüre wieder spannend machen. Nachdem ich also nach den ersten dreißig Seiten zu ahnen begann, dass mich das neue Buch von Richard David Precht kaum begeistern wird, wechselte ich die Lesehaltung. Das fiel mir auch deshalb nicht allzu schwer, weil ich bereits ziemlich fest davon überzeugt war, dass mir der Autor zum Thema Liebe nicht so viel Neues mitzuteilen hat, wie Titel und Klappentext suggerieren. Denn Precht sichtet ja vor allem bestehendes Material, um es dann nach vorgenommener Bewertung in gut oder schlecht wieder ins Regal zu stellen. Und damit bin ich schon beim ersten Grund meines Widerwillens gegen solche Bücher: Ich unterstelle Herrn Precht eine schulmeisterliche Haltung. Das ist bei Philosophen zwar keine Seltenheit, aber nicht zwingend. Zudem gibt es unterhaltsamere, geistreichere und spannendere Formen der Belehrung. Bei Peter Sloterdijk, dessen Aufruf, das Leben zu ändern, ebenfalls auf meinem Bücherstapel liegt, stolpere ich wenigstens jede Seite über so viele überraschende Formulierungen und Gedankengänge, dass ich Missliebiges in Kauf nehme oder übersehe. Aber Richard David Precht spielt nicht in der gleichen Liga. Dafür hat er den Nerv, anderen Autoren vorzuwerfen, sich an neurowissenschaftlichen Diskussionen zu beteiligen, obwohl sie nur eine Professur in Psychologie vorweisen können. Wahrlich ein starkes Stück von einem Publizisten, der nie eine naturwissenschaftliche Fakultät von innen sah. Da dies auch für Elke Heidenreich gilt, kann ich ihre Lobhudeleien auf den feschen Philosophen etwas besser einordnen.
Selbstverständlich darf Herr Precht das Attribut "belesen" für sich in Anspruch nehmen. Aber bloß weil seine Bücherabteilung "Evolutionäre Psychologie" so gut dotiert ist, darf er daraus noch lange nicht schließen, er habe das Gelesene automatisch begriffen. Auch wenn mich seine Breitseiten gegen Pease & Pease, Gray und andere Sachbuchscharlatane freuen, ist nicht alles Blödsinn, was renommierte Evolutionspsychologen und Soziobiologen geschrieben haben. Aber Blödsinn ist es, sich als Philosoph so aufzuführen, als habe man den Stein der Weisen gefunden, bevor sich andere überhaupt auf die Suche machten. Statt unzähligen Autoren schnoddrig an den Karren zu fahren, hätte Precht auch den positiveren Ansatz wählen können, das Phänomen Liebe unter Zuhilfenahme von Gleichgesinnten sorgsam einzukreisen und zu bestaunen. Aber vielleicht ist Richard David Precht für ein solches Vorgehen zu selbstverliebt. Das würde auch erklären, warum er sich herzlich wenig darum kümmert, ob seine Leser so viel Zeit aufbringen wollen, Ordnung in sein Argumentationswirrwarr zu bringen. Ich meine, es sei primär Aufgabe des Autors, das Wesentliche herauszuschälen und in eine leicht verständliche Form zu bringen. Max Frisch hatte alt gediente Germanistikprofessoren auch deshalb gegen sich aufgebracht, weil er sie der akademischen Arroganz bezichtigte. Und weil ich Herrn Precht auch vorwerfe, er höre sich allzu gern reden, schließe ich hiermit meine Begründungen ab, warum mich sein Buch nicht anspricht.
Mein Fazit: Was den Lesern im Gedächtnis haften blieb, die Prechts Buch über die Liebe ein Meisterwerk finden, würde mich wundernehmen. Bei mir hinterließ der dicke Wälzer das ungute Gefühl, hier wolle ein umtriebiger und mediengewandter Philosoph der Welt wieder mal zeigen, wer die Deutungsmacht innehat und den Menschen versteht. Da lese ich lieber Sloterdijk oder den guten alten Goethe.
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