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Liebe: Ein unordentliches Gefühl
 
 
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Liebe: Ein unordentliches Gefühl [Taschenbuch]

Richard David Precht
3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (87 Kundenrezensionen)
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Richard David Precht
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Richard D. Precht ist inzwischen zu einem Medienphänomen geworden. Telegen und auf zurückhaltende Art medienkompatibel, dürfte er der einzige deutsche Philosoph sein, der ein breites, auch fachfremdes Publikum erreicht. Nach dem Überraschungserfolg von Wer bin ich - und wenn ja wie viele? hat er nun einen weiteren furiosen Streifzug durch die Wissenschaftsgeschichte unternommen. Diesmal geht es um das vielleicht älteste Thema, das den Menschen bewegt: die Liebe.

Precht führt über die biologischen und kulturellen Grundlagen zum Kern der menschlichen Liebesbeziehungen und prüft gängige Thesen z. B. aus Psychologie, Evolution oder Neurologie auf ihre Belastbarkeit hin. Dabei wird auch so manche Theorie des Mainstreams infrage gestellt. Der abschließende Teil ist eng an den heutigen Lebens- und Liebesrealitäten orientiert und befasst sich etwa mit „Romantik als Konsum“ oder der Frage, was von der Liebe übrig bleibt, wenn der Nachwuchs kommt.

Und natürlich geht es auch um Sex. Als durchaus erklärungsbedürftig bezeichnet Precht den Befund, dass einerseits Sex nie allgegenwärtiger war als heute (als Fantasie, Kaufanreiz, Wettkampf, Anspruch…), gleichzeitig seine faktische Bedeutung stark abnimmt. Hier kommt kein Kulturpessimismus konservativer Prägung zum Tragen – vielmehr wird eine Schieflage, die wohl kaum jemandem entgangen sein dürfte, einer nüchternen Analyse zugeführt.

Wie schon im Vorgängerband hat Precht hier keine kryptische wissenschaftliche Abhandlung verfasst. Vielmehr begeistert und unterhält er den Leser mit eleganter Leichtigkeit – und dies mit durchaus grundsätzlichen Gedanken über die Entwicklung des Menschen, die eigene Geschichte und das Zusammenleben mit dem Partner.

„Das Tier mit dem seltsamsten Sexual- und Gefühlsleben“ – so beschreibt Precht den Menschen am Ende seines Buchs. In Liebe erfahren wir mehr über die sonderbaren Eigenheiten dieses Tieres: charmant im Ton, klug in der Auswahl der Themen und überzeugend in der Argumentation. - Henrik Flor, Literaturtest -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Amazon.de-Hörbuchrezension

Spätestens seit dem Bestsellererfolg Wer bin ich – und, wenn ja: wie viele? kommt man an dem Kölner Autor Richard David Precht nicht mehr vorbei. Das Buch ist eine ebenso kluge wie brillant geschriebene Einführung in die Philosophiegeschichte – aber auch eine Gebrauchanweisung ins philosophische Denken und Fühlen, die auch die Liebe mit einbezieht. Der Nachfolgeband Liebe. Ein unordentliches Gefühl macht das Emotionale noch zentraler zu seinem Thema – und auch wieder nicht. Denn Precht hebt darin darauf ab, die Liebe als evolutionär überflüssig zu charakterisieren und psychologisch als Gefühl zu deuten, das mit dem Verlust der elterlichen Bindung an Bedeutung gewinnt. Aber vielleicht macht sie ja gerade das so reizvoll.

Precht selbst jedenfalls ist verliebt. Den Umstand, vor einigen Jahren seine Frau Caroline Mart getroffen zu haben, bezeichnet er in den zahlreichen Interviews immer wieder als sein größtes Glück. Was lag da näher, als seinen Text mit der erfolgreichen Fernsehmoderatorin aus Luxemburg gemeinsam einzuspielen? Und, was soll man sagen: derart dialogisch wirkt Liebe. Ein unordentliches Gefühl noch mal so gut.

Man mag ja manche – vielleicht auch allzu provokant vorgetragene – These Prechts nicht teilen. Vielleicht ist auch der ein oder andere Gedanke zum Thema aus Philosophie, Psychologie und Hirnforschung durch seine populäre Aufbereitung seiner Tiefe beraubt. Aber so, wie der Autor Liebe. Ein unordentliches Gefühl gemeinsam mit seiner Frau vorträgt, will man das gern verzeihen. Beim Hören nämlich springt der Funke auf jeden Fall über. Und nach dem Hörgenuss sollte man draußen auf die Straße gehen und sich neu verlieben. -- Stefan Kellerer

4 CD, ca. 280 Minuten -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Precht ist ein wunderbarer 'Schreiber'. Er schreibt spannend, spricht die Leser an. Im gewissen Sinne ist er ein guter Journalist. Er weiss viel, ist ungemein belesen, aber seine Ausführungen hören immer dann auf, wenn es eigentlich spannend wird. Er erinnert mich an einen Stein, der über das Wasser hüpft und nirgends absinkt. Irgendwann war ich deshalb so verärgert, dass ich mit dem Lesen aufhörte. Für seine Schreibkunst gebe ich zwei Punkte...
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264 von 310 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch hat 400 Seiten (und nicht 320 wie aktuell angegeben), zu denen ca. 25 Seiten Literaturverzeichnis und Register zählen. Es gliedert sich in die drei großen Abschnitte:
1. Frau und Mann
- Thema der Kapitel 1-5 sind die biologischen und kulturellen Grundlagen der Geschlechterrollen.
2. Die Liebe
- Thema der Kapitel 6-10 ist die Liebe im biologischen Sinn.
3. Liebe heute
- Thema der Kapitel 11-14 ist die Liebe in der heutigen Zeit, z. B. die Fragestellung, warum die romantische Liebe so wichtig geworden ist.

Precht macht zunächst klar, dass es in seinem Buch nicht um die Liebe im Allgemeinen (inklusive etwa der Liebe von Eltern ihren Kindern gegenüber) geht, sondern eingeschränkt (13) "um die geschlechtliche Liebe zu einem Liebespartner".

Positiv ist zunächst anzumerken, dass sich Precht seinem Thema nicht rein philosophisch nähert, sondern ganz bewusst auch auf der Grundlage des aktuellen Standes der Naturwissenschaften. Seine Darstellung ist meist sehr personenbezogen. Recht häufig beginnt er ein Kapitel mit der Beschreibung des Lebens und den Eigenarten einer Persönlichkeit, die sich im Zusammenhang mit dem Thema besonders hervorgetan hat. Hierdurch ist der Text sehr angenehm und unterhaltsam zu lesen, wenngleich ich auch Leser kenne (in der Regel Männer), die genau das nicht mögen (und solche Ausführungen als belanglose Anekdoten abtun). Ich schätze so etwas dagegen sehr, da ich mir das Beschriebene dann viel leichter einprägen kann.

Precht beginnt mit einer Beschreibung - und Kritik - des Standpunktes der Evolutionären Psychologie (bzw. Soziobiologie) zum menschlichen Sexualverhalten, den er recht treffend wie folgt zusammenfasst (29): "Unsere Psyche sei sehr fein auf die Umwelt abgestimmt. Diese Umwelt aber - und dies ist der springende Punkt - ist nicht unsere heutige Zeit, sondern jene Epoche, in der der moderne Mensch biologisch entstand: die Steinzeit." Sehr nachvollziehbar kritisiert er die Erklärungswut dieser Disziplin, die für fast jedes Phänomen (zum Beispiel die Dauerschwellung der weiblichen Brüste, die es in der Form bei anderen Primaten nicht gibt) eine angeblich plausible Begründung parat hat. Precht liefert hier zum ersten Mal einen seiner Haupteinwände: Nicht jedes beobachtbare Phänomen muss unbedingt auf einen Vorteil zurückzuführen sein. Es reiche, wenn es nicht nachteilig ist. Als mögliche alternative Erklärung der weiblichen Brüste führt er die hormonelle Wirkung der in der Altsteinzeit vorherrschenden Fleischnahrung an (in Ländern mit starkem Fleischkonsum sollen die Frauen angeblich größere Brüste haben als in anderen Ländern - ich habe mir deshalb jetzt vorgenommen, in Zukunft wieder etwas mehr Fleisch zu essen).

Precht hält die Vermutung der Soziobiologen, dass neben dem Fortpflanzungstrieb auch unsere Liebe und Libido aus der Steinzeit stammen, für eine sehr mutige Behauptung (39). Als Beleg dafür führt er an, dass sich alle Primaten bei der Sexualität erheblich unterscheiden, und dass das Sexualverhalten des Menschen von keinem anderen Primaten abgeleitet werden kann. Sein Verdacht ist deshalb (47), "dass die menschliche Liebe zwischen den Geschlechtern so viel mit der Evolution von Kultur zu tun hat, dass alle Versuche einer Naturgeschichte der Liebe fehlschlagen müssen."

Sehr lesenswert fand ich seine Ausführungen zur und Kritik an der Gesamtfitness-Theorie Hamiltons, die Richard Dawkins später zur Theorie der egoistischen Gene popularisierte, man könnte vielleicht lediglich einwenden, dass er hier eine Spur zu spöttisch wirkt. Sein Fazit (62): "Nicht die Gene bestimmten über den Erfolg eines Lebewesens, sondern der Erfolg eines Lebewesens entscheidet über das Überleben der Gene." Dawkins-Jünger würden ihm an dieser Stelle vermutlich vorwerfen, dass er die metaphorische Bedeutung des Begriffs des egoistischen Gens nicht verstanden habe. Problematisch schien mir hier lediglich sein Verweis auf Lewontin und Gould zu sein, die nach meiner Kenntnis diesbezüglich keineswegs richtungsweisend wirkten.

Den soziobiologischen Überlegungen schließt sich ein Kapitel über den Unterschied zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht (Gender) an. Hier waren mir seine Aussagen viel zu allgemein gehalten. Es ist zwar richtig, dass die Geschlechtsrollenunterschiede zwischen Frauen und Männern nicht allesamt biologisch begründet sein müssen, sondern zum Teil oder sogar in Gänze sozial konstruiert sein können, das heißt aber noch lange nicht, dass sie im statistischen Mittel vollständig angeglichen werden können, wie Mersch geradezu zwingend nachwies. Genau davon geht aber die moderne Gendertheorie aus, die Precht keineswegs zurückweist.

In den Folgekapiteln geht es dann um die zentrale Frage, wieso es überhaupt Frauen und Männer gibt (141ff.). Dieser Abschnitt ist für mich der bei Weitem schwächste des ganzen Buches. Richard David Precht stellt zunächst verschiedene Hypothesen vor, die erklären wollen, weshalb es eine getrenntgeschlechtliche Fortpflanzung gibt, um diese dann aber allesamt mehr oder weniger als wenig stichhaltig zurückzuweisen. Einmal mehr merkt er an (147): "Phänomene wie die sexuelle Fortpflanzung müssen nicht deshalb entstanden sein, weil sie einen Vorteil boten, der größer war als ihr Nachteil." Und das ist - mit Verlaub gesagt - leider völlig absurd. Doch Precht legt noch eins drauf (147):

"Das skurrilste aller Argumente für die Zweigeschlechtlichkeit ist übrigens, dass eingeschlechtliche Lebewesen stets primitiv geblieben sind und sich nicht weiter zu neuen und spektakulären Formen entwickelten. 3,3 Milliarden Jahre evolutionärer Stillstand, wenn man so will. Schon richtig, aber was ist daran schlecht? Aus welcher Perspektive argumentieren wir, wenn wir dies anprangern?"

Nun, wir prangern dies aus der Position des Menschen an. Wie Mersch in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem stringent nachweist, hätte es ohne die getrenntgeschlechtliche Sexualität auf der Erde nur ein Fressen-und-Gefressen-werden gegeben, denn erst mit der getrenntgeschlechtlichen Sexualität kam eine der größten Erfindungen der Evolutionsgeschichte überhaupt: das "Gefallen-wollen" (die sexuelle Selektion), was auch die Grundlage der Liebe schlechthin sein dürfte. Mersch zeigt, dass Kultur, Höflichkeit, Altruismus und Zivilisation ohne Gefallen-wollen allesamt nicht wirklich vorstellbar sind.

Das Problem an dieser Stelle ist, dass Precht einen bedeutenden Teil der Biologie schlicht und ergreifend ausklammert und ignoriert. Ich fragte mich immer wieder, wie man ein Buch über die sexuelle Liebe schreiben kann, ohne Bücher wie Geoffrey F. Millers Die sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes., Matt Ridleys Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität. oder Zahavis Signale der Verständigung (Handicap-Prinzip) auch nur zu erwähnen. Der große Irrtum der Evolutionären Psychologie ist nämlich, dass sie annimmt, viele menschliche Verhaltensweisen seien aus der Anpassung des Menschen an die natürlichen Rahmenbedingungen der Steinzeit zu erklären. Dabei ist der Mensch vor allem ein soziales Tier: Sehr viele seiner Merkmale - inklusive seiner Kultur - sind im Anpassungsprozess gegenüber seinem sozialen Umfeld (insbesondere den Präferenzen des anderen Geschlechts) und nicht der Natur entstanden, was übrigens auch für Phänomene wie den Vogelgesang gilt.

Precht verwendet in diesem Zusammenhang dann leider auch Formulierungen, die unter Evolutionsbiologen als äußerst verpönt gelten (148): "Und wie der Sex in die Welt kam, ist ebenso unbekannt wie sein Zweck. Möglicherweise, so steht zu vermuten, gab es gar keinen höheren Sinn dabei." Dabei wird unter Evolutionsbiologen allgemein akzeptiert, dass die Evolution keinen Zweck und keinen höheren Sinn verfolgt. Sex kam in die Welt, weil er evolutionäre Vorteile besaß. Welche das sind, lässt sich fast abschließend (obwohl leider nicht so schön formuliert und strukturiert wie bei Precht) bei Mersch nachlesen.

Der letzte Abschnitt "Liebe heute" (Kapitel 11-14) hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen. Ich habe dennoch drei Sterne vergeben, weil das Buch insgesamt sehr interessant ist, und sich die meisten Leser möglicherweise vor allem für den dritten - gelungenen - Abschnitt interessieren werden.
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134 von 159 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein unordentliches Buch 10. April 2009
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Darf man Bücher aus dem einfachen Grund nicht mögen, weil wir uns von ihnen nicht angesprochen fühlen? Ich meine ja. Aber nach dem Warum? zu fragen, kann die Lektüre wieder spannend machen. Nachdem ich also nach den ersten dreißig Seiten zu ahnen begann, dass mich das neue Buch von Richard David Precht kaum begeistern wird, wechselte ich die Lesehaltung. Das fiel mir auch deshalb nicht allzu schwer, weil ich bereits ziemlich fest davon überzeugt war, dass mir der Autor zum Thema Liebe nicht so viel Neues mitzuteilen hat, wie Titel und Klappentext suggerieren. Denn Precht sichtet ja vor allem bestehendes Material, um es dann nach vorgenommener Bewertung in gut oder schlecht wieder ins Regal zu stellen. Und damit bin ich schon beim ersten Grund meines Widerwillens gegen solche Bücher: Ich unterstelle Herrn Precht eine schulmeisterliche Haltung. Das ist bei Philosophen zwar keine Seltenheit, aber nicht zwingend. Zudem gibt es unterhaltsamere, geistreichere und spannendere Formen der Belehrung. Bei Peter Sloterdijk, dessen Aufruf, das Leben zu ändern, ebenfalls auf meinem Bücherstapel liegt, stolpere ich wenigstens jede Seite über so viele überraschende Formulierungen und Gedankengänge, dass ich Missliebiges in Kauf nehme oder übersehe. Aber Richard David Precht spielt nicht in der gleichen Liga. Dafür hat er den Nerv, anderen Autoren vorzuwerfen, sich an neurowissenschaftlichen Diskussionen zu beteiligen, obwohl sie nur eine Professur in Psychologie vorweisen können. Wahrlich ein starkes Stück von einem Publizisten, der nie eine naturwissenschaftliche Fakultät von innen sah. Da dies auch für Elke Heidenreich gilt, kann ich ihre Lobhudeleien auf den feschen Philosophen etwas besser einordnen.

Selbstverständlich darf Herr Precht das Attribut "belesen" für sich in Anspruch nehmen. Aber bloß weil seine Bücherabteilung "Evolutionäre Psychologie" so gut dotiert ist, darf er daraus noch lange nicht schließen, er habe das Gelesene automatisch begriffen. Auch wenn mich seine Breitseiten gegen Pease & Pease, Gray und andere Sachbuchscharlatane freuen, ist nicht alles Blödsinn, was renommierte Evolutionspsychologen und Soziobiologen geschrieben haben. Aber Blödsinn ist es, sich als Philosoph so aufzuführen, als habe man den Stein der Weisen gefunden, bevor sich andere überhaupt auf die Suche machten. Statt unzähligen Autoren schnoddrig an den Karren zu fahren, hätte Precht auch den positiveren Ansatz wählen können, das Phänomen Liebe unter Zuhilfenahme von Gleichgesinnten sorgsam einzukreisen und zu bestaunen. Aber vielleicht ist Richard David Precht für ein solches Vorgehen zu selbstverliebt. Das würde auch erklären, warum er sich herzlich wenig darum kümmert, ob seine Leser so viel Zeit aufbringen wollen, Ordnung in sein Argumentationswirrwarr zu bringen. Ich meine, es sei primär Aufgabe des Autors, das Wesentliche herauszuschälen und in eine leicht verständliche Form zu bringen. Max Frisch hatte alt gediente Germanistikprofessoren auch deshalb gegen sich aufgebracht, weil er sie der akademischen Arroganz bezichtigte. Und weil ich Herrn Precht auch vorwerfe, er höre sich allzu gern reden, schließe ich hiermit meine Begründungen ab, warum mich sein Buch nicht anspricht.

Mein Fazit: Was den Lesern im Gedächtnis haften blieb, die Prechts Buch über die Liebe ein Meisterwerk finden, würde mich wundernehmen. Bei mir hinterließ der dicke Wälzer das ungute Gefühl, hier wolle ein umtriebiger und mediengewandter Philosoph der Welt wieder mal zeigen, wer die Deutungsmacht innehat und den Menschen versteht. Da lese ich lieber Sloterdijk oder den guten alten Goethe.
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