Also, das Buch hat mich gefesselt. Kann ich einfach so platt behaupten. Vicki Baum bietet eine Einblick in balinesisches (Alltags-)Leben, wie ich ihn sonst noch nicht gesehen und erlebt habe. Sie gestaltet Charaktäre, spinnt Handlungsfäden, zeigt das tägliche Leben um Dorf und im Reisfeld und, und das ist das Geniale, macht noch eine spannende Story daraus. Irgendwann logisch, dass der Fürst sich und seine ganze Meute in den Selbstmord treibt (aber da sind wir schon am Ende). Neugierig hat mich das Buch gemacht. Neugierig darauf, wieviel wirklich vom kolonialen Erbe und dem Leben unterm holländischen Kolonialismus übrig geblieben ist. Denn Bali schafft alle, ist eine der zentralen Messages. Mythen, Geister und die wohltuende Routine des Alltags im Dorf heilen alle Wunden. In ihrer Zeitlosigkeit überleben die Balinesen die weißen Einflüsse. Sie wissen, dass das Leben aus dem Reisfeld kommt, dass Nachts die Dämonen unterwegs sind, und wenn es Probleme gibt, ein Orakel weiterhilft. Menschen werden geboren, Menschen sterben, aber das sind nur Randnotizen. Der Reis muss gepflanzt, gepflegt und gepflügt werden, die Familien braucht ein Haus, das Dorf braucht einen Tempel, der Tempel braucht einen weisen Mann. So einfach ist das. Die Geschichte vom gestrandeten Schiff, dass letztendlich zum Krieg führt, gibt den roten Faden vor. Der Einmarsch der Holländer kreiert das Bild des Kolonialismus ist Süd-Ost-Asien, der Massenselbstmord im Palast steht für geistige Unabhängigkeit, die durch die Macht der Waffen nicht gebrochen werden kann. Gut! Vicki Baum hat auch "Hotel Shanghai" geschrieben. Das hole ich mir. Mal sehen, ob ihr Shanghai mit meinen Erlebnissen von 2006 zusammenpasst.
Fazit: Einwandfrei. Sollte Pflichtlektüren werden für alle Bali-Reisenden.