Das Buch sei allen Gastro-Touristen und Heile-Welt-Nostalgikern wärmstens empfohlen. Das Buch wird sie irritieren. Mit hintersinnigem Humor, mit Ironie, manchmal auch mit Bitterkeit entlarvt Martin Graff die Elsassverliebheit vieler Deutscher als Missverständnis.
Im Elsass hat sich - auch wenn sehr viele Deutsche, aber auch manche Franzosen das geflissentlich nicht zur Kenntnis nehmen wollen - eine "Mutation", ein Sprach- und Kulturwechsel vollzogen. Der "Potlatsch" wie ihn Graff nennt, der Identitätswechsel war die Folge des verbrecherischen Nazikrieges. Niemehr wollten die Elsässer, die sich politisch als Franzosen, kulturell als Alemannen verstanden, nur wegen ihrer Sprachkenntnisse eine deutsche Uniform anziehen müssen. Statt die gesamte Bevölkerung auszuwechseln, auch eine Folge des Naziwahnsinns in anderen Teilen Europas, hat die gesamte Bevölkerung einfach die Sprache gewechselt. Diese zentrale Aussage des Buches wird durch die Realität bestätigt: die Kenntnis des Dialekts (vom Hochdeutschen ganz zu schweigen), geht Jahr für Jahr zurück, sein Aussterben ist nurmehr eine Frage der Zeit. Es gibt zwar zweisprachigen Unterricht, aber er hat nur marginale Bedeutung: Im ganzen sind im Schuljahr 2001/2002 etwa 8700 Schüler im öffentlichen zweisprachigen Schulwesen, das sind ungefähr 4,5 % [!] aller elsässischen Schüler (Angabe nach: "Land und Sproch", No. 140/2001).
Die Wahlerfolge des rechtsextremen Le Pen im Elsass könnten ebenso eine Folge dieses Traumas sein: die Elsässer möchten als 150%ige Franzosen anerkannt werden.
Ein wenig Hoffnung bleibt: wenn die Elsässer sich mit ihrer eigenen Geschichte versöhnen, können sie eine Brückenfunktion zwischen Frankreich und Deutschland übernehmen, eine Funktion, die verbohrten Nationalismus auf beiden Seiten überwinden kann.