Gangstersyndikate, Prostituierte, Banküberfall und Mord. Alles Themen, die in vielen Filmen auftauchen, aber nur selten so faszinierend behandelt wie in "Liebe ist kälter als der Tod". Anstatt platte Genrekonventionen zu befolgen, findet dieser geniale Low-Budget Film seinen ganz eigenen, künstlerischen Zugang, der einen in eine Welt eintauchen lässt, wo selbst die eigentlich wärmsten Gefühle zu Eis erstarren. Kaum ein Regisseur hat gleich mit seinem ersten Langspielfilm ein so großartiges Meisterwerk geschaffen wie der unvergleichliche Rainer Werner Fassbinder. Von Anfang an ging der Visionär des deutschen Kinos entschlossen seinen eigenen Weg.
Der Zuhälter Franz (R.F.) weigert sich für ein Gangstersyndikat zu arbeiten und wird deshalb entführt und gegen seinen Willen festgehalten. Dabei lernt er Bruno (U.L.) kennen, der ebenfalls mit dem Syndikat in Konflikt geraten ist. Die beiden wortkargen und rauhen Männer entwickeln eine spontane Sympathie füreinander und als sie wieder freigelassen werden, besucht Bruno Franz in München, wo dieser mit der Prostituierten Johanna (H.S.) lebt. Zwischen den drei außerhalb des Gesetzes lebenden Menschen entwickelt sich langsam ein seltsames Dreiecksverhältnis. Franz will Johanna mit Bruno teilen, Bruno hat aber eher eine besonders starke Faszination für Franz und Johanna macht zwar alles, was Franz von ihr verlangt, kann sich aber mit dem neuen Mitbewohner nicht richtig anfreunden. Gemeinsam ist allen drei jedoch ihre absolute Gleichgültigkeit in moralischen Fragen. Und so töten sie jeden, der ihnen bei ihren Raubzügen in den Weg kommt...
Fassbinder verwendet für den Film einen besonderen Stil, der zunächst befremdlich wirkt, aber eine ganz eigene Atmophäre erzeugt, die zu den ungewöhnlichen Hauptfiguren perfekt passt. Fassbinders Protagonisten geben sich äußerlich ultracool und unnahbar, wobei der Film allerdings keinerlei Zweifel daran lässt, dass sie eigentlich alle voll schwerer emotionaler Komplexe sind. Franz neigt zu cholerischen Anfällen, Bruno machen seine Gefühle für Franz zu schaffen und Johanna ist voller Neid und Mißgunst. Alle drei haben aber niemals gelernt über ihre Gefühle zu sprechen, sondern verstecken diese oder leben sie auf Kosten der anderen aus. Fassbinders Film fängt das in einer ganzen Reihe von genialen Szenen ein. Hanna Schygulla, Ulli Lommel und der Meister selbst schaffen es durch geniales Schauspiel den kaputten Figuren eine beängstigende Lebendigkeit zu geben.
Fassbinders Film lebt so wie alle Gangsterfilme auch zu einem großen Teil von der Faszination für ein Leben jenseits des Gesetzes. Die scheinbare Freiheit der Outlaws wird allerdings von dem Film schnell als Fluch entlarvt, da man dafür töten muss. Und das Leben zu dritt führt schließlich zu immer mehr Neid und Eifersucht und mündet in Verrat.
Eigens erwähnenswert ist natürlich auch die geniale Musik von Peer Raben, die ebenfalls viel dazu beiträgt, dem Film eine so einzigartige Atmosphäre zu geben. Fassbinder weiß sie genial einzusetzen, wenn er etwa die düster, apokalyptischen Klänge zu einem Einkaufsbummel von Johanna und Bruno abspielt und damit zeigt,wie fern diese zwei Außreiser selbst in einem ganz gewöhnlichen Umfeld der sonstigen Welt sind. Die Gangsterwelt erscheint bei Fassbinder als eine Art schwarzromantische Parraleldimension, die allerdings ihre Helden, wie sich am Ende zeigen wird, ziemlich schnell links liegen lässt.
Der beste Weg um in das faszinierende Werk von Fassinder zu starten.