Romy Schneider und Yves Montand spielen die Hauptrollen in diesem Film: Michel (Montand) will, gerade von seiner Frau verlassen, nach Caracas flie(g/h)en. Lydia hat vor nicht langer Zeit bei einem Autounfall Ehemann und Tochter verloren. Beide begegnen sich - und kommen nicht mehr voneinander los.
Soweit die Prämissen in diesem Drama, und so klar sie sich zeigen, so wenig sollte man sie für bare Münze nehmen. Denn was als Trauerarbeits-/Beziehungskiste anfängt, entwickelt sich zu einem irritierenden Mix absurder Einfälle und hyperintellektuell kommunikativ aufbereiteter Verarbeitungsprozesse. Beispiel gefällig? Im Laufe der Handlung treffen Lydia und Michel auf den durchaus lebendigen Ehemann, für den Lydias russische Matronen-Schwiegermama (eine Universal-Apologetin mit selbstgefälligem Dulderwillen) ein surreal anmutendes Geburtstagsfest schmeißt. Das Geburtstagskind selbst leidet seit dem von ihm verschuldeten Autounfall an einer Art Aphasie inklusive schwerster Depression und hat gerade einen Selbstmordversuch hinter sich; Lydia konnte irgendwann das Zusammenleben nicht mehr ertragen und so kümmert sich jetzt Tag und Nacht ein Bodyguard um den Traumatisierten. Der versucht sich sogleich zu verständigen - und zwar in einem Schwall unidentifizierbaren Gebabbels. Michel antwortet - indem er ebenso drauflosbabbelt. Und man weiß nicht - ist das jetzt eine Form von Mitleid(en), von komischer Solidarität, von groteskem Zynismus? Dann gibt es da noch einen Varietékünstler, der nicht allein sein will, weil er glaubt, dann sterben zu müssen und dessen "Lebenswerk" aus einer Zirkusnummer besteht: Ein Pudel und ein Affe tanzen miteinander.
Irgendwann wird dem Zuschauer klar, dass auch Michels Geschichte eine andere ist als die, die es am Anfang zu sein schien; und die Dinge erscheinen noch einmal in einem anderen Licht. Ich halte "Die Liebe einer Frau" weder für die künstlerische Katastrophe noch für das verkannte Meisterwerk. Er ist selbstverliebt, kapriziös, exzentrisch, aber er ist all dies auf eine stilvoll nonchalante Weise. Und er profitiert von seinen Protagonisten - zu allererst Romy Schneider - die ihn zu einem Erlebnis machen.