In Fernsehzeitschriften wird dieser Film oft als bestenfalls mittelmäßig eingestuft. Ich persönlich habe da eine ganz andere Meinung, wahrscheinlich hat der kitschige Name das Urteil der Kritiker negativ beeinflusst.
Wer aufgrund des Filmtitels einen weichgezeichneten Liebesfilm erwartet im Stil von Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, dürfte enttäuscht werden, oder aber auch positiv überrascht. "Liebe und andere Delikatessen" beleuchtet das Thema Liebe nämlich nur am Rande, und das auch noch mit einem entlarvenden Witz, mit dem Deutsche nur selten an zwischenmenschliche Themen herangehen (leider!).
Diana Amft in der Hauptrolle der Franka spielt eine Karrierefrau, die gleichzeitig zuuufällig eine perfekt aussehende Blondine ist. Aus letzterem Grund kann sie sich den Männern gegenüber eine ganze Menge herausnehmen und sie manipulieren. Sie übersieht leider in ihrem Karrieretaumel, dass ihr Konkurrent um eine mögliche Beförderung ein Komplott gegen sie schmiedet, und dies auch noch mithilfe ihrer eigenen Sekretärin (Katrin Bauerfeind). Da Franka zwar klug und fleißig ist, aber unerfahren, zudem noch ihre Mitmenschen chronisch unterschätzt, tappt sie in die Falle.
Sie verlässt daraufhin das Unternehmen, um als Arbeitslose einen Job in einer Imbissbude anzunehmen. Wie das Leben so spielt, verliebt sie sich in ihren neuen Chef Jakob (dies entspricht dem Klischee), wird daraufhin aber aus Kostengründen gefeuert, woraufhin sie mit ihrem eigenen Catering-Service Jakob erfolgreich Konkurrenz macht (dies entspricht überhaupt nicht dem Klischee). Da sie gut in der Kundenakquisition ist, aber schlecht im Bedienen von gastronomischen Kunden, es bei Jakob jedoch genau umgekehrt aussieht, müssen sich die beiden irgendwann wieder zusammenraufen, was sich als so kompliziert erweist wie das Leben selbst.
Der Film zeigt gekonnt die verschiedenen Charaktere: wie schon erwähnt, verkörpert Diana Amft die Karrierefrau, die als perfekt aussehende Blondine zumindest vorläufig überall offene Türen einrennt, um dann an ihrer Selbstüberschätzung zu scheitern. Ihr Chef Jakob (Steffen Wink) ist ein eigenwilliger Trotzkopf, der andererseits zu gutmütig ist, um sich gegen die oft unfairen Angriffe seiner Mitmenschen zu verteidigen, aber genau deswegen den perfekten Dienstleister darstellt. Eine Nebenrolle spielt Katrin Bauerfeind als eine intrigante Sekretärin, die mit ihrem Liebhaber - und gleichzeitig Frankas schärfstem Konkurrenten in der Firma - gemeinsame Sache macht, um die Karriereblondine zu Fall zu bringen und ihren Lover schließlich in die Position des Geschäftsführers zu hieven. Die ehemalige Lady Ehrensenf spielt diese Rolle schon fast routiniert und mit überraschendem Witz, sodass es unerklärlich ist, wie sie beim Fernsehen in den Rang der Grinsdohle von Harald Schmidt degradiert werden konnte.
Es gibt vielleicht keinen besonderen Grund, sich diesen Film ausgerechnet als DVD zu kaufen, aber sehenswert ist er auf alle Fälle. Ich gebe die fünf Sterne auch deswegen, weil ich meine, dass "Liebe und andere Delikatessen" in bisherigen Kritiken zu schlecht weggekommen ist. Der Streifen mag gewisse Schwächen in den Dialogen haben, jedoch ist er bestimmt nicht so platt und seicht, wie in Fernsehzeitschriften regelmäßig behauptet wird.