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Liebe als Passion: Zur Codierung von Intimität (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]

Niklas Luhmann
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 14,00 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Suhrkamp
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Kurzbeschreibung

26. April 1994 suhrkamp taschenbuch wissenschaft (Buch 1124)
Seit langem gehört es zum Wissensbestand der Soziologie, daß Fühlen und Handeln in Intimbeziehungen an kulturellen Imperativen orientiert sind und daß selbst sexuelle Beziehungen in Phantasie und Praxis diesem Einfluß Einschränkung und Steigerung verdanken. Die semantischen Codes, die diesen Einfluß steuern, unterliegen ihrerseits einem historischen Wandel. In einer gut dreihundertjährigen Entwicklung reagiert die Form der Liebessemantik auf eine zunehmende gesellschaftliche Ausdifferenzierung personaler, privater Intimität. Sie entwickelt sich von Idealisierung über Paradoxierung zur heutigen Problemorientierung.

Wird oft zusammen gekauft

Liebe als Passion: Zur Codierung von Intimität (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) + Liebe: Eine Übung + Fragmente einer Sprache der Liebe
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 231 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 12 (26. April 1994)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518287249
  • ISBN-13: 978-3518287248
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 10,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 43.058 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Niklas Luhmann wurde am 8. Dezember 1927 als Sohn eines Brauereibesitzers in Lüneburg geboren und starb am 6. November 1998 in Oerlinghausen bei Bielefeld. Im Alter von 17 Jahren wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen und war 1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Von 1946 bis 1949 studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg und absolvierte seine Referendarausbildung. 1952 begann er mit dem Aufbau seiner berühmten Zettelkästen. Von 1954 bis1962 war er Verwaltungsbeamter in Lüneburg, zunächst am Oberverwaltungsgericht Lüneburg, danach als Landtagsreferent im niedersächsischen Kultusministerium. 1960 heiratete er Ursula von Walter. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Seine Ehefrau verstarb 1977. Luhmann erhielt 1960/1961 ein Fortbildungs-Stipendium für die Harvard-Universität. Dort kam er in Kontakt mit Talcott Parsons und dessen strukturfunktionaler Systemtheorie. 1964 veröffentlichte er sein erstes Buch Funktionen und Folgen formaler Organisation. 1965 wird Luhmann von Helmut Schelsky als Abteilungsleiter an die Sozialforschungsstelle Dortmund geholt. 1966 wurden Funktionen und Folgen formaler Organisation sowie Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung als Dissertation und Habilitation an der Universität Münster angenommen. Von 1968 bis 1993 lehrte er als Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld. 1997 erschien sein Hauptwerk, das Resultat dreißigjähriger Forschung: Die Gesellschaft der Gesellschaft.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe- wie geht das? 31. Januar 2007
Sicherlich das auch von Nichtanhängern der Systemtheorie meistgelesene Werk Luhmanns, da das Thema jeden auf die eine oder andere Weise anspricht. Es geht um Liebe, aber nicht zuvorderst um das Gefühl, sondern um den Kommunikations-Code und die Veränderungen der Liebessemantik, die es erst möglich machen ein Gefühl wie Liebe zu entwickeln und sich entsprechend zu verhalten. Das klingt erst mal ungewohnt, da man meint Liebe komme von allein (das ist ein wichtiges Merkmal des Codes); die Frage ist aber, wie weiß man was Liebe ist und wie weiß man darauf zu reagieren und warum kann man in der Regel davon ausgehen, dass auch der ja immer völlig andere auch weiß, worum es geht. Man hat es schlicht gesellschaftlich gelernt. Liebe ist dabei der Code, der notwendig ist und es möglich macht, dass der einzelne in einer funktional differenzierten Gesellschaft, in der man in den Funktionssystemen (Politik, Erziehung, Wirtschaft) immer nur aufgrund bestimmter Zuschreibungen berücksichtigt wird, auch universell mit all seinen "Eigenschaften" Begehren etc. vorkommt. Dies schafft, so die These, nur die Liebe bzw. Intimbeziehungen, zumindest ist der Code Liebe seit Jahrhunderten extrem erfolgreich darin, für den Einzelnen eine neue Welt zu erschaffen, in der man tatsächlich "als Ganzes" berücksichtigt wird.

Von daher kann man von diesem Buch zugleich etwas über die Evolution der Gesellschaft und deren Auswirkungen als auch über die Art und Weise der Bildung von Gefühlen erfahren. Ob man danach in der Praxis mit den Wirren der Liebe zurande kommt, ist selbstredend eine andere Frage.

Als Ergänzung oder Einführung zu Liebe als Passion sei hier noch auf die recht amüsanten Vorlesungen von Peter Fuchs verwiesen: Liebe, Sex und solche Sachen. Zur Konstruktion moderner Intimsysteme.
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64 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebe, historisch seziert, systemtheorisch verortet 9. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Das Forschungsgebiet Niklas Luhmanns umfasste im Groben zwei Bereiche: Der eine war die immer weiter geführte Ausformung seiner "Theorie der sozialen Systeme", der andere war - natürlich mit dieser Theorie verwoben - eine semantisch-historische Untersuchung von Kommunikation.
Beim Thema Liebe, das den einen oder anderen bei einem angeblich so trockenen Theoretiker wie Luhmann überraschen wird, greift der Soziologe verstärkt auf die semantische Untersuchung zurück, d.h. er betrachtet Texte und Bücher, die im Laufe der letzten 400 Jahre zum Thema Liebe verfasst wurden - zu einem Großteil Liebesromane oder philosophische Texte, z.B. sogenannte "Anleitungen" für die Liebe.
Ziel ist es, herauszukristallisieren, wie der Begriff "Liebe" von der Gesellschaft in verschiedenen Zeiten gesehen wurde - und was für Einflüsse die jeweiligen Sichtweisen auf die damalige Zeit und bis heute hatten und haben; man denke nur an das (allzuoft ungenau) kolportierte Bild der "romantischen Liebe".
Sehr stark ist das Buch im theoretischen Teil, der (falls das noch nötig war) damit aufräumt, Liebe in irgendeiner Art als etwas Absolutes zu sehen; die aufregendste These Luhmanns hier lautet: Erst das Vorhandensein eines semantischen, gesellschaftlich geprägten Schemas ermutigt das Individuum, entsprechende Gefühle herauszubilden...!
Zwiespältig ist das Buch in seinen genaueren historischen Untersuchungen zu bewerten. Das liegt vor allem daran, dass Luhmann (aus persönlicher Vorliebe, wie er zugibt), alle Zitate (bis hin zu Spanisch und altem Französisch) unübersetzt lässt; Eine Vorgehensweise, die sicher nicht durchgängig nötig gewesen wäre, die es aber sehr schwer und anstrengend macht, aus etlichen Passagen wirklich Erkenntnisse und Anregung zu ziehen. Da er aber auch immer wieder lesbare Zusammenfassungen einstreut, lohnt es, sich auch durch diese Teil, und sei es mit einem Stapel Wörterbüchern durchzuwursteln. Danach versteht man vielleicht so etwas wie "Gefährliche Liebschaften" besser; Eines wird das Buch jedoch nicht erreichen: Dass man selbst mehr Erfolg in der Liebe hat...
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Seit Watzlawick wissen wir, dass das menschliche Miteinander von menschlichen Gefühlen und Gedanken beeinflusst wird, aber nicht darauf zu reduzieren ist. Interaktion, so die Botschaft, der sich auch Luhmann in seinem Buch über Liebe als intime Kommunikation anschließt, ist ein Spiel, dessen Spielregeln aus dem Spiel abgeleitet sind und nicht aus der psychischen Verfasstheit der Beteiligten. Während Watzlawick als Psychiater allerdings bemüht war, das Spiel der Interaktion gewissermaßen "textimmanent" zu erschließen, weitet Luhmann als Soziologe den Horizont des Themas - in zwei Richtungen.

Vor dem Hintergrund seiner These von der funktionalen Differenzierung der modernen Gesellschaft untersucht er die Frage, ob und wie sich die Liebe, gerade weil sie gerne als Raum jenseits der Gesellschaft gedeutet wird, selbst als eigenes soziales Kommunikationssystem neben den anderen zu beschreiben ist. Oder ist die Liebe zwar sozial, aber "besser" sozial als die großen Systeme? Liest man etwa Habermas, so könnte man ja meinen, dass die Kommunikation jenseits der Systeme Wirtschaft, Recht, Politik und Wissenschaft der so genannten "Lebenswelt" zuzuschlagen sei, einem Raum oder besser Kommunikationsmodus, der grundsätzlich ganz anders funktioniert als die Kommunikation der großen Systeme. Auch wenn es Luhmann hier schwerer fällt als etwa bei der Wirtschaft oder der Politik, einen der Kommunikationsorientierung dienenden binären Code greifbar zu bestimmen, erscheint am Ende die These, dass das vermeintliche Jenseits der systemhaften sozialen Kommunikation als eigenes soziales Kommunikationssystem zu verstehen ist, sehr überzeugend.

Die andere Forschungsperspektive, die der Systemtheoretiker auf das Phänomen Liebe wirft, ist die des Historikers. In Fortsetzung seiner maßgeblich auch von Koselleck inspirierten Rekonstruktion des Bedeutungswandels gesellschaftlich generierter Leitbegriffe und Ideen untersucht Luhmann hier den Bedeutungswandel der Liebe von der frühen Neuzeit (Renaissance und Barock) bis in die Moderne. Die Gliederung der Epochen (von der Passion im Barock über das gepflegte Spiel im Rokoko bis hin zur Verbindung von Ehe und Liebe in der Romantik und das freiere Spiel mit all diesen Spielarten der Liebe in der Moderne) ist griffig und über weite Strecken auch (relativ) gut zu lesen. Fraglich ist natürlich hier (wie auch in anderen Studien über den Wandel der Semantik der Gesellschaft) die Tragfähigkeit der empirischen Grundlage der Untersuchung. Luhmann konzentriert sich vielleicht etwas ausschließlich auf literarische Texte über die Liebe und berücksichtigt dabei zu wenig die poetische und textuelle Eigenlogik und die Orientierung der Texte am Code der Kunst. Insgesamt ergibt sich aber ein nicht nur plastisches, sondern auch einigermaßen überzeugendes Bild, das bei aller Kritik eher zur Ergänzung und Differenzierung einlädt als zur grundsätzlichen Infragestellung.

Durch die Verbindung der Perspektiven auf die Systemdifferenzierung der modernen Gesellschaft und die Rekonstruktion einer Semantik-Geschichte, die den meisten Lesern in einiger Hinsicht aus anderen Zusammenhängen vertraut ist (gepflegt über Literatur und Geschichte, weniger gepflegt über Bravo, Brigitte, Cosmopolitan, Klatsch und Tratsch oder eigene Praxis) bietet sich "Liebe als Passion" als Einstieg in Luhmanns Systemtheorie in besonderer Weise an. Ein Buch, das man nicht nur mehrfach lesen muss (um es zu verstehen), sondern das man gerne auch mehrfach in die Hand nehmen mag, weil es nett zu lesen ist.
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