Sicherlich das auch von Nichtanhängern der Systemtheorie meistgelesene Werk Luhmanns, da das Thema jeden auf die eine oder andere Weise anspricht. Es geht um Liebe, aber nicht zuvorderst um das Gefühl, sondern um den Kommunikations-Code und die Veränderungen der Liebessemantik, die es erst möglich machen ein Gefühl wie Liebe zu entwickeln und sich entsprechend zu verhalten. Das klingt erst mal ungewohnt, da man meint Liebe komme von allein (das ist ein wichtiges Merkmal des Codes); die Frage ist aber, wie weiß man was Liebe ist und wie weiß man darauf zu reagieren und warum kann man in der Regel davon ausgehen, dass auch der ja immer völlig andere auch weiß, worum es geht. Man hat es schlicht gesellschaftlich gelernt. Liebe ist dabei der Code, der notwendig ist und es möglich macht, dass der einzelne in einer funktional differenzierten Gesellschaft, in der man in den Funktionssystemen (Politik, Erziehung, Wirtschaft) immer nur aufgrund bestimmter Zuschreibungen berücksichtigt wird, auch universell mit all seinen "Eigenschaften" Begehren etc. vorkommt. Dies schafft, so die These, nur die Liebe bzw. Intimbeziehungen, zumindest ist der Code Liebe seit Jahrhunderten extrem erfolgreich darin, für den Einzelnen eine neue Welt zu erschaffen, in der man tatsächlich "als Ganzes" berücksichtigt wird.
Von daher kann man von diesem Buch zugleich etwas über die Evolution der Gesellschaft und deren Auswirkungen als auch über die Art und Weise der Bildung von Gefühlen erfahren. Ob man danach in der Praxis mit den Wirren der Liebe zurande kommt, ist selbstredend eine andere Frage.
Als Ergänzung oder Einführung zu Liebe als Passion sei hier noch auf die recht amüsanten Vorlesungen von Peter Fuchs verwiesen: Liebe, Sex und solche Sachen. Zur Konstruktion moderner Intimsysteme.