Dieses Buch ist, wie wohl typisch für Toni Morrison, wie ein Puzzle. Man beginnt zu lesen und hat noch nicht wirklich einen roten Faden geschweige denn einen richtigen Anfang. Aber nach und nach erhält man fast auf jeder Seite ein neues Teil, welches perfekt hineinpasst und man schon eher hätte gebrauchen können. Aber das macht nichts, denn gerade das steigert ja die Neugier, man möchte wissen wie es zu dem kam, was man eben noch gelesen hat. Auch wechselt die Erzählsicht immer wieder, es kommt also so ziemlich jede Figur zu Wort. Durch diese Schreibstil hat man als Leser auch erst am Ende ein Gesamtwerk in den Händen, denn das letzte Puzzlestück taucht tatsächlich erst auf der vorletzten Seite auf. Das macht die ganze Sache vielleicht für viele nicht einfacher, mir gefällt der Stil von Morrison aber sehr, denn dadurch hat man vielmehr Aha-Effekte als wenn der Plot einfach auf etwas zusteuern würde.
Inhaltlich lässt sich gar nicht viel sagen. Es geht natürlich um Liebe, allerdings nicht im schönen, romantischen Sinne, sondern eher um die dunkle Seite. 5 bzw. 6 (wie immer ma es sehen möchte) Frauen sind es hier, die alle auf eine andere Art an demselben Mann hängen/hingen und auch alle durch diese Liebe zu ihm auf andere Art und Weise scheitern. Dieser Mann, Bill Cosey, war in den 1940er Jahren ein erfolgreicher Hotelier und bot Farbigen neben einer Realität geprägt von Vorurteilen und Diskriminierung, eine Art Parallelwelt in der es nur um die schönen Dinge im Leben ging, wie Tanz und Musik. Doch irgendwann kommt dieses Paradies ins Schlingern und mit ihm die Menschen die damit zu tun hatten. So bleibt am Ende nur ein leeres Gebäude und Menschen die von ihrer Vergangenheit gar nicht loskommen möchten. Den größten Teil in dem Buch nehmen wohl Heed und Christine ein. In ihrer Kindheit noch die besten Freundinnen werden sie zu leidenschaftlichen Feindinnen und leben doch jahrelang in dem selben Haus. Grund dafür ist auch, das von Bill Cosey (dem Mann) verfasste Testament, welches fast mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Überhaupt hat dieser Mann selbst nach seinem Tode noch Einfluss auf die Menschen. So auch auf Junior, eine weitere besessene Frau. Als Haushaltshilfe von Heed eingestellt, kennt sie Bill nur von Erzählungen und Bildern und doch ist er für sie real.
Ich möchte gar nicht viel mehr dazu schreiben, vielleicht noch ein paar Schlaglichter: Es geht um Liebe die in Hass umschlägt, um Mord, um verletzte Ehre, um gescheiterte Existenzen, die Rassentrennung sind ebenso Thema wie die Liebe die nur auf sexueller Ebene und auch dort nur in fast schon extrem harter Form funktioniert. Ein tolles Buch über die andere Seite der Liebe, in dem das Wort Liebe gar nicht so oft vorkommt, wenn ich mich recht erinnere. Also nichts für Leute die einen Liebesroman im herkömmlichen Sinne erwarten, die Liebe hier richtet nur Schaden an und lässt keine der Figuren mehr so richtig los. Ebenso wie die Vergangenheit der Protagonisten sie nicht mehr loslässt. Ein toll geschriebenes Buch! Ich ziehe aber einen Stern ab, weil der Plot an manchen Stellen ein Wenig platt erscheint und weil ich durch ein anderes Buch von Toni Morrison weiss, das sie es besser kann.