Es ist wohl das "Master of Puppets", der "Thriller" der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Mit über zwei Millionen verkauften Einheiten (und es wandert noch bis heute regelmäßig über den Kassentisch) und einer 6-fachen Platinauszeichnung gehört "Liebe, Tod und Teufel" (1987) nicht nur zu den bestverkauftesten Alben Österreichs, sondern auch zu den wichtigsten Alben der Band. Dieser Erfolg ist durchaus gerechtfertigt, denn neben Evergreens wie "Küß' die Hand, schöne Frau", "An der Copacabana" und "Burli" findet man bei diesem Werk eine musikalische, sowie inhaltliche Abwechslung vor, die seinesgleichen sucht. Vom melancholischen, wunderschönen Orchester-Rock über beschwingte Popmusik, Austropop und Ösi-Rock bis zu fetzigen Rock 'n' Roll dürfte wohl für Jedermann etwas dabei sein. Komponist Thomas Spitzer schöpft hier sein kreatives Multitalent sowohl in musikalischer sowie textlicher Hinsicht komplett aus und seine rechte Hand, Klaus Eberhartinger beweist sich als absolut variantenreiches Gesangstalent. Keine Frage; Das hier ist die EAV in Höchstform.
Mit dem inzwischen schon sechsten Album (Wenn man die allererste, limitierte Platte mitzählt) scheint die Gruppe nun ihren musikalischen und humoristischen Weg endgültig gefunden zu haben. Mit dem für die Band bahnbrechenden Vorgänger "Geld oder Leben" (1985) wurde schon das Schema bezüglich Musik, Albumaufbau und graphisches Layout zuallerst vorgemacht, welches so nun bei allen nachfolgenden EAV-Alben funktioniert. Auch hier eröffnet ein grandioser Titeltrack das Album, der zu den besten Liedern überhaupt gehört. Wieder gibt es charakteristische Hits der Band und abermals begleiten lustige, auf dem Album verteilte Kurz-Sketche (hier: "Drei verliebte Pinguine", "Yes, that's Jazz"...) die anderen verschiedenartigen Songs, welche oft zur Konzeption des Themas passen oder eben in das nächste Lied einführen.
02. Liebe, Tod und Teufel (5/5)
Erstmals in der Geschichte der Verunsicherung eröffnet ein äußerst ernst-klingendes Lied mit symphonischer Unterstützung ein Album. Klaus besingt schon fast gespenstisch die Kernthemen der Platte, nämlich zum einen die traurige und düstere Seite der Liebe und zum andern das Böse, wozu der Mensch fähig ist. Auch die Kirch wird dabei nicht verschont. Der Refrain kommt dann ganz bombastisch daher und zum Höhepunkt spielt der Spitzer ein markantes, wunderbares Gitarrensolo.
03. Küss' die Hand, schöne Frau (5/5)
Ja, was soll man dazu noch sagen? KDHSF ist die erfolgreichste Single geworden und neben dem "Ba-Ba-Banküberfall" der berühmteste Hit der Combo. Der Klassiker schlechthin, welcher früher mein ganz persönliches Lieblingslied war. Kennzeichnend hierfür ist der von mir getaufte "Pümpel-Beat", da es sich eben wie eine Saugglocke anhört. Nicht zu vergessen der herrliche, dialektische und witzig-charmante Gesang, sowie der Ohrwurm-Refrain. Immer wieder gut! Mein Tipp: Unbedingt mal das Musikvideo suchen!
04. Der Tod (5/5)
Unter vielen EAV-Fans ein weiteres Highlight der Band (Das Beste ist, dass dieses Album fast ausschließlich Highlights bietet). Ein sehr langes, langsames Lied, dass einen aufgrund der raffinierten Erzählform in seinen Bann zieht. Im Refrain singt Tom mit seiner tiefen Bass-Stimme und stellt sich als den Tod vor. Sehr düsterer, atmosphärisch-dichter Song. Der Witz dabei ist, dass der Tod es nicht schafft den Mann ins Jenseits zu begleiten, da er Geschmack an Jagertee gefunden hat und zunehmend von diesen gnadenlos abgefüllt wird. :D
05. An der Copacabana (4,5/5)
Es wird wieder heiterer und dabei geht es auch hier kritisch zu. Ab Mitte der 80er machte sich dieser ganze Arnold Schwarzennegger / Bodybuilder Trend breit und dieser wird hier natürlich vollständig durch den Kakao gezogen. Wieder ein EAV-Klassiker mit hoher Ohrwurm-Garantie.
07. Tarzan und Jane (3,5/5)
Lied 7 ist ein eher unverbreiteter EAV-Song, aber trotzdem nicht schlecht. Es geht um die Wünsche nach einer Orgie unter den Tieren im Dschungel und in der Wüste. Sehr lustige, herrliche Wortspiele finden sich hier zum Teil vor. Chor im Refrain ist sehr melodisch und einprägsam, aber auch totaler Nonsense. Aber EAV-Nonsense auf gute Art und Weise!
08. Burli (5/5)
Am 26. April 1986 explodierte bekanntlich ein Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyls, welches in der Ukraine zu finden ist. Was diese Verantwortungslosigkeit gegenüber den Menschen für unschöne Resultate erzeugen kann, zeigt uns der kleine Burli. Dieser Singleauszug wurde wegen einem hirnlosen Missverständnis von den Medien boykottiert, sodass das Lied gnadenlos zum Flop wurde. Naja, dieser Skandal schadete der Verunsicherung jedenfalls nicht.
09. Auf der Nepperbahn (4/5)
Nettes "Sauflied" zum Mitschunkeln, klingt nach einem norddeutschen Klassiker.
10. Sandlerkönig Eberhard (5/5)
Es wird gemunkelt, dass dies das allerbeste Lied der EAV überhaupt sei. Dieses Liebesdrama zeigt meinersichts durchaus Berechtigung für diese Behauptung. Rührende Geschichte im Stil von Romeo & Julia über den Absturz eines Studenten zum Alkoholkranken mit ungewohnt-passender Raucherstimme von Sänger klaus und einem feiernden Männerchor im Refrain. Sehr herzbewegend dazu ist die hinreißende Mundharmonika und die schön eingesetzten Keyboards. Alles in einem ein perfekter EAV-Song.
11. Ohr-Troubles (Prinz Charles) (4/5)
Und jetzt gegen Ende lässt man noch einmal so richtig 'ne heiße Rocknummer raus! Es handelt sich dabei um einen Mann, der aufgrund seiner zu großen Ohren immer Pech hatte im Leben ["In der Schule war mir klar, dass man kein Mädel find' / Wenn man Ohren hat, wie zwei sEgel im Wind!"] Ich finde das Lied zu herrlich, vorallem mit der witzig-hohen angefressenen Stimme und den sehr guten Rockgitarren. Eine Nummer mit klassischem EAV-Humor, die auch auf ein älteres Album gepasst hätte. Ergänzt sich aber echt super mit dem anderen, eher melodischen Titeln.
13. Küß die Hand, schöne Frau (Unzensierte Maxi-Version) (5/5)
Wer wissen will, was genau im Schlafgemach passiert, sollte sich diese Version anhören. (Ansonsten siehe oben!)
Fazit: Ein Top-Album, dass ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Es gibt kein unterdurchschnittliches Lied und auch keine Lückenfüller. Hier wird einem handgemachte Kreativität und authentische Musik geboten, wie sie es heute kaum noch gibt. Bitte zugreifen!