KAAS wurde wegen des sehr ungünstigen Timings der Single Amok Zahltag, welche kurz vor dem Amoklauf in Winnenden veröffentlicht wurde und anschließend in Talkshows wie "Hart aber Fair" brutal aus dem Zusammenhang gerissen wurde, von der Öffentlichkeit als "Amok- und Gewaltrapper" wahrgenommen. Dass er eigentlich das genaue Gegenteil darstellt (nämlich den "Rapper der Liebe"), wurde nur denjenigen bewusst, die in Genuss seines Albums "T.A.F.K.A.A.Z.:D" und Tracks wie "Wunderschöne Welt" oder "Geister der Liebe" kamen.
Das Leitthema, wie sich aus den Namen vielleicht bereits erahnen lässt, war natürlich die Liebe, welche KAAS auf eine liebenswürdig irrsinnige und witzige Art predigt. So wie er "T.A.F.K.A.A.Z.:D" seinerzeit beendete, macht er mit seinem neuen Album weiter.
Bei "Liebe, Sex & Twilight Zone" handelt es sich eigentlich sogar um ein Doppelalbum, welches aus den Teilen "Liebe, Sex und..." und "Twilight Zone" besteht.
Auf dem ersten Teil präsentiert sich KAAS wie gewohnt als Rapper mit dem Hang zu gesungenen Hooks, auf dem zweiten schlüpft er in die Rolle eines Eurodance-Bandleaders, welche weiterhin aus Dirty Dasmo (Produktion) und Kyss "The Girl" Major (Gesang) besteht.
Zuerst möchte ich auf den Rapteil eingehen.
Rein von der Technik her ist KAAS weder ein besonders guter Rapper noch ein guter Sänger. Dies macht er aber dadurch, dass man ihm die Überzeugungen die er versucht herüberzubringen wirklich abkauft, mehr als wett. Mir ist während meines ersten Durchlaufes immer wieder aufgefallen, wie ich plötzlich ein Lächeln auf den Lippen hatte. KAAS ist einer der wenigen Interpreten, die es wirklich schaffen meine Stimmung zu beeinflussen. So wurde ich beim gesellschaftskritischen "Frau in Tansania" nachdenklich, während mich das positive und aufrüttelnde "Dein Leben ist geil" regelmässig aus traurigen Phasen herausbringt. "Relax" ist, wie der Name schon sagt, ein perfekter Track zum Entspannen welcher fast G-Funk artig ist.
Die besten Lieder auf der Rapseite sind jedoch "Love vs. Hate", mit einem herausragenden Beat von Whizz Vienna und den stark aufgelegten Featuregästen Casper und Kamp, sowie "Crips, Bloods and Hollywood", welcher einer der besten Storytelling Tracks ist, die ich jemals gehört habe. Auch hier passt KAAS' ehemaliger Optik Records Kollege Moe Mitchell perfekt in das Ambiente.
Die bisher ungenannten Lieder sind ebenfalls alle gut bis sehr gut, Skiptracks sind nicht wirklich vorhanden.
Nun zur Eurodanceseite, welche in der Standardversion mit 11 Anspielstationen aufwartet. Wie wohl die meisten Käufer der Platte war ich diesbezüglich recht skeptisch. War Eurodance nicht diese ekelhaft konstruierte Kommerzmusik aus den Neunzigern?
Mit dieser Art von Musik hat KAAS' Interpretation des Genres jedoch nur den Sound gemeinsam. Alle Songs sind durchwegs tanzbar, die Texte sind jedoch besser als alles, was ich aus den Neunzigerjahren noch kenne (was zugegebenermaßen nicht sehr viel ist). Während Songs wie "Planet of Love" recht forsch daherkommen und textlich auf hohem Niveau, jedoch ohne kritische Untertöne sind, gibt es auch Lieder wie das grandiose "Sweet Mango Summer", welches völlig zurecht ein eigenes Musikvideo erhalten hat. Hinter einem fröhlich-entspannten Karibiksound versteckt sich ein Text, der thematisch so überhaupt nicht zum Rest des Tracks passt. Gerade aus dieser Gegensätzlichkeit zieht der Song seine Brillanz.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Eurodance Platte sogar fast an die Rapseite heranreicht, was mich persönlich sehr überraschte.
KAAS fährt mit "Liebe, Sex & Twilight Zone" seinen Stiefel einfach weiter und das ist gut so, denn die Rolle des Anführers des eigens erschaffenen "Lovemovements" liegt ihm nunmal am besten. Mit diesem Album setzt er meiner Meinung nach einen weiteren Meilenstein, welcher sich angenehm vom restlichen Deutschrap abhebt.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung!