Seit einiger Zeit erfreuen sich historische Sachbücher einer immer stärkeren Beliebtheit. Woher das kommt, ist schwer zu sagen. Für den einen mag es eine Pause sein von einer immer komplexer und unverständlicher werdenden Gegenwart, für den anderen der Versuch, aus der Geschichte genau diese Gegenwart zu verstehen und zu deuten, für den dritten vielleicht einfach nur eine gebildete Lektüre und Beschäftigung mit kulturellen Dingen.
Da es zunehmend mehr Autoren gibt, denen es gelingt, mit den klassischen Mitteln der Geschichtswissenschaft auf der einen, und einem nicht selten publizistisch und journalistisch erfahrenen Schreibstil die historischen Zusammenhänge zu beschreiben, werden diese Bücher nicht nur gedruckt, sondern auch gut verkauft.
Das vorliegende Buch des Historikers und Philosophen Alexander Ballhaus, der als Lehrbeauftragter und freier Schriftsteller in Florenz lebt, über "Liebe und Sex im Mittelalter" ist ein hervorragendes Beispiel für diese neue, gut lesbare und dennoch auf der Höhe der Zeit sich befindliche Geschichtswissenschaft.
Mit dem thematischen Schwerpunkt auf Liebe, Eros und Sexualkultur gelingt es ihm ein Sittenbild einer Epoche zu zeichnen, die zwischen 500 n. Chr. und 1500 n. Chr. in Europa eine andere, eine neue Welt geschaffen hat. Kenntnisreich und sprachlich virtuos wirft Alexander Ballhaus ein helles Licht auf eine höchst eigentümliche Zeit voller überraschender Extreme. Er gibt seinen Lesern einen verständlichen, umfassenden und vor allen Dingen unverkrampften Einblick in das Liebesleben des europäischen Mittelalters.
Er tut das immer vor dem geistigen Hintergrund der Zeit, sodass sein Werk auch durchaus als Einführung in das Mittelalter selbst gelesen werden kann.