Von Schnaps versteht Hannes Wader - nach eigener Aussage im Booklet - mindestens genau so viel wie Bellman. Ja, das muss ich mit Bedauern als Zuhörer manch trunkener Wader-Auftritte bestätigen ... Da nehme ich also lieber den trockenen CD-Sound. Und auf dieser zeigt er es wieder: Wader ist ein hervorragender Sänger, der selbst den barocken Treppengesang der Menuette und Kantaten filigran und an jeder Stelle ausdrucksstark und pointiert vorträgt. Bei aller Vorliebe des Dichters wie des Sängers für das Alkoholische singt Wader sehr wohl auch das andere heraus: die Lebensfreude, die Lust und das Leid, das Sinnliche und das Traurige. Da bleibt sogar Klaus Hoffmann im Schatten, dem nun wieder auf der Bühne keiner das Wasser, geschweige denn den Schnaps, reichen kann.
Im selben Jahr erschien "Süverkrüp singt Graßhoffs Bellman" bei Conträr Musik. Dieter Süverkrüp und Hannes Wader haben sich für ganz unterschiedliche Episteln entschieden. Während Süverkrüp mehr Text und Stimme in den Vordergrund rückt, ist es bei Wader eben auch die Musik des Rokoko, die hier - aufwändig instrumentiert, arrangiert und folkloristisch interpretiert - zu ihrem Recht kommt. Und in den Kaskaden dieser Melodien bewegt sich der Sänger wie ein Fisch im Wasser, begleitet von hervorragenden Musikern wie Reinhard und Martin Bärenz, Peter Hecht und anderen.
Schade nur - aber auch das typisch Wader -, dass er im Booklet etwas unbescheiden den Eindruck erweckt, die Texte, zumindest die Übertragung, stamme eigentlich von ihm. Nein, er hält es im Wesentlichen mit der Graßhoffschen Übersetzung, und das ist gut so und darf gesagt werden.
Wer hören will, wie es klingt, wenn eine über zweihundert Jahre reichende Seelenverwandtschaft von Dichter und Sänger zu Musik wird, der sollte, bei einem Kruge Bacchus', diese Lieder genießen.
Prost !