Eine interessante Lektüre wird einem wieder geboten. Fest eingebunden wird das Buch mit vielen Familienstellungen gefüllt, die Bert Hellinger im Mai 2002 während eines Kurses in Rom durchgeführt hat.
Hierbei werden diverse familien- und paarbezogene Themen behandelt. Im wesentlichen werden die Dialoge Hellingers mit den „Klienten" ausführlich beschrieben und mit Graphiken ergänzt, die einzelne Aufstellungssituationen wiederspiegeln.
Ein im Oktober 2002 in Freiburg gehaltener Vortrag des Autors - der Theologie, Philosophie, Pädagogik studierte und anschließend sich mit Psychoanalyse auseinander setzte - schließt das Buch ab.
Im Anhang, der mit fast 30 Seiten knapp 10% des Buches ausmacht, werden die unterschiedlichsten Veröffentlichungen von und über Bert Hellinger bzw. seiner ihm eigenen phänomenologischen systemischen Therapieausrichtung aufgeführt.
Wer nun erwartet hat, ausführlich darüber beraten zu werden, wie Paare in ihrer Gemeinschaft an- und miteinander wachsen können, wird enttäuscht werden.
Es findet sich eher eine Ansammlung von diversen, teils sehr fragwürdigen Aussagen des „Therapeuten" wieder.
Die Umgangsform Hellingers mit den Patienten wirkt sehr oft geringschätzend, autoritär und wenig echt einfühlend in deren Schwierigkeiten. Da werden Paare, die ein Anliegen haben, wieder weggeschickt oder in anderen Fällen Aussagen gemacht, die unumstößlich dargestellt werden. Die direktive Art des Autors lässt manche „Klienten" einfach allein im Regen stehen und so fragt man sich, wie da Wachstum entstehen soll. Gleich dem Gießkannenprinzip werden vielleicht für einzelne Personen zutreffende Hinweise in unverantwortlicher Art und Weise verallgemeinert oder mit einem unumstößlichen Dogma -Anspruch belegt.
Immer wieder formuliert Hellinger, dass das „Schicksal" für die Menschen eine ungeheure Bedeutung habe. Leider versäumt er es, dieses Phänomen näher und ausführlicher zu beschreiben, so dass man nicht weiß, ob er Gottes Fügung oder anderes meint.
Inwieweit wird den Menschen, die zu Hellinger kommen, ausreichend Zeit zum Wachsen und zum Überdenken gegeben? Bekommen sie genügend Stütze?
Leider fehlt in den Ausführungen eine nähere Erläuterung zu der therapeutischen Umrahmung der einzelnen Aufstellungen. Zudem wird die Selbstverantwortung der Klienten zu wenig beachtet.
Wie immer man auch zu der „Therapieform" Hellingers steht, eine kritischere Einrahmung des Buchinhaltes wäre dringend notwendig gewesen.
Nur in der direkten Auseinandersetzung können Paar- und Therapiebeziehungen in vernünftigen Maße wachsen. So lassen sich diverse Aspekte von Problemen und deren Bewältigung den unterschiedlichen Lebensumständen anpassen.
08/15-Lösungen werden weder im Pflanzenbereich noch in den menschlichen Beziehungen den gerade aktuellen Notwendigkeiten gerecht.
Und so wird das Buch leider eher zu einer Anpreisung Hellingers, als zu einer Hilfestellung für Paare, die mehr aneinander wachsen wollen. Schade, dass dem ansonsten renommierten Verlag diese Diskrepanz zwischen verheißendem Titel und Inhalt entgangen ist.