Sabine und Uwe haben sich getrennt. Wenig später erhält Sabine zwei Briefe: Der eine stammt von Uwe direkt - ein paar kurze Zeilen, mit denen er in kurzen, geschäftlichen Worten um die "Abwicklung" des Beziehungsendes bittet. Der andere Brief stammt von Uwes Sekretärin, die findet, dass Sabine "die ganze Wahrheit" kennen sollte - dem Brief ist ein Tonband beigelegt und enthält das komplette Diktat des Abschiedsbriefes. Und so erfährt Sabine, unterstützt von ihrer zur Hilfe gerufenen Freundin Andrea, was Uwe beim Schreiben des Briefes wirklich dachte...
"Liebe Sabine" ist ein absolut gelungenes Hörspiel über das Ende einer Liebesbeziehung und wie beide Partner damit umgehen. Die Sprecherwahl hätte besser nicht sein können: Autor Jan Weiler ("Maria, ihm schmeckt's nicht") persönlich gibt den mal businesslike-kühl denkenden, mal zynisch abrechnenden, aber auch bis in die tiefsten Tiefen seiner Seele verletzten Uwe einmalig glaubwürdig. Dort, wo Uwe mit Sabine abrechnet, stimmt man ihm aus vollem Herzen zu. Dort, wo er durch ihr Zutun leidet, denkt man: "Sabine, was hast du M...stück diesem feinen Kerl nur angetan?" Doch wenn er mit sich selbst ins Gericht geht, denkt man auch: "Jawoll, da hast du wirklich Mist gebaut. Hättest du ihr DAS nicht ersparen können?"
Ebenso ist es, wenn man die Seite von Sabine (gesprochen von der großartigen Annette Frier, die absolute Idealbesetzung) hört. Und das ist das große Plus dieses Hörspiels: Es zeigt trotz des gelegentlichen Aufblitzens von Weilers furiosem Humor und seiner Gabe, mit Worten zu spielen, auf eindringliche und mitunter beklemmende (weil so realitätsnahe) Weise, dass zum Scheitern einer Beziehung immer zwei gehören. Es gelingt nicht, für einen der beiden Partei zu ergreifen. Uwe und Sabine haben beide mindestens ebensoviel richtig wie falsch gemacht. Am Ende kommt man nicht umhin, BEIDEN für die Zukunft alles Gute zu wünschen, wie immer diese aussehen mag. Jan Weiler hat hier ein wirklich großartiges Hörspiel vorgelegt, und man kann nur hoffen, dass diesem noch weitere folgen.
Zur technischen Umsetzung: Die Wechsel zwischen dem blechernen Ton, wenn die beiden Frauen in Sabines Wohnung das Tonband anhören, und den Szenen in Uwes Büro oder Wohnung, während er das Tonband bespricht, sind gelungen und nachvollziehbar. Die übrigen Hintergrundgeräusche (Türenschlagen, Füllen von Gläsern usw.) sind behutsam eingesetzt und unterstreichen die Dialoge gerade nur soviel, um das Hörspiel tatsächlich als Hörspiel und nicht als reine Lesung wahrnehmen zu können. Kompliment an den Tontechniker.
Das einzige Manko an der CD ist die extrem lange Wartezeit bis zum versteckten Track, der noch eine absolute Überraschung (die man in dieser Form wirklich nicht erahnen kann) parat hält: Zwischen dem Verlagssprecher, der die Production Credits am Ende des Hörspiels verliest, und der verstecken Schlusspointe vergehen fast fünfzehn Minuten. Das hätte man durchaus etwas kürzer halten können. Ansonsten perfekt.