Vermeiden wir einmal das Gerede vom "neuen deutschen Minimalismus" und dem einhergehenden Synthiepop-Retro-Trend. Zur NDW habe ich aufgrund meines jungen Alters sowieso keine richtige Beziehung, weil ich sie nicht bewusst erlebt habe. Nein, ich betrachte Paula aus einem anderen, weniger vorbelasteten Blickwinkel.
Als ich Paula in Kassel bei einem Konzert zum ersten Mal wahrnahm, war es sofort um mich geschehen. Selten habe ich es erlebt, dass mich eine Band, von der ich es nie erwartet hätte, live so verzaubert und in ihren Bann gezogen hat wie Paula. Noch in derselben Woche war ich im Besitz von "Himmelfahrt" und kurze Zeit später folgte "Liebe". Und ich bin immer noch verliebt. Sie sind kitschig und quietschig an allen Enden. Sie singen verblümte, kleine Geschichten. Sie vermitteln so schöne Hochgefühle, dass man sich derer fast schämen muss. Aber gerade das alles macht sie für mich so symphatisch. Paula lassen dich abtauchen in träumerische und zutiefst lebensbejahende Phasen. Mit ihnen kann man die Enttäuschungen und Selbstzweifel des grauen Alltags hinter sich lassen und verbrauchte Energien neu aufladen.
Paula machen Pop-Musik in Reinform mit viel Leidenschaft und Authentizität, fernab vom Radio-Einerlei und genre-üblicher Belanglosigkeit. "Liebe" ist auch sicher keinen Deut schlechter als "Himmelfahrt". Süß-sonnige und warme Melodien beherrschen das Geschehen. Bekannt sein dürfte bereits das eingängige und oft gehörte "Von guten Eltern". Es geht ebenso beschwingt ("Liebster") wie ruhig ("Verlaufen") zu. Eine Ausnahme zum Elektro-Sound bildet das klassisch eingespielte "Hier". Auch ein reines Instrumental-Stück ("Das Meer") fehlt, wie schon bei "Himmelfahrt", nicht auf diesem Album. Alle Lieder verbreiten eine angenehm entspannende Wohlfühl-Atmosphäre, nicht zuletzt wegen Elke Brauweilers hoher, mädchenhafte Stimme. Diese avanciert, zerbrechlich aber auch selbstbewusst, zu einem der wichtigsten Bestandteile Paulas.
Man sollte sich nicht vorschnell vom deutschen Pop-Image blenden lassen, denn die Wahrheit ist einfach, dass Paula zauberhafte Musik machen und es nicht verdient haben, in eine solche Schublade gesteckt zu werden. Wer den Mut aufbringt, Paula auf sich wirken zu lassen, der kann in ihnen etwas wirklich wunderbares entdecken.