Wie schon im ersten Roman "Das Herz des Königs" schafft es Viola Alvarez auch in ihrem neuen Buch, das Mittelalter bis ins Alltägliche hinein absolut glaubhaft vor dem Leser auf zu bauen. Auch ein nicht gerade Geschichtsversessener, wie ich, ist geneigt, mehr über die Zeit erfahren zu wollen.
Die Sprache mag manchem bisweilen altmodisch erscheinen - ich finde sie wirklich stilvoll, nicht aufgesetzt "mittelalterlich", wo es sein muss kraftvoll oder auch schon mal derb, jedoch immer geschmackvoll und, wie ich finde, eine weitere Steigerung gegenüber dem schon hervorragenden Erstlingswerk.
Die weitgehend fiktive Geschichte des Walther von der Vogelweide ist überraschend und doch glaubhaft, anrührend und außerordentlich spannend geschrieben. Sie handelt von Walthers nicht gelebter Liebe, die ihn doch durch sein ganzes Leben trägt, von Raffgier, Selbstsucht, Heuchelei, dem allzu Menschlichen eben, von Genie, von Freundschaft über die Stände hinweg, von Einem, der die Wahrheit im Außen sieht und sich selbst doch nicht zu helfen weiß. Aber man muß kein Genie wie Walther sein, um sich selbst oder Bekannte in dem Buch wieder zu finden und vielleicht neu auf manches zu schauen.
Allein kurz vor Schluß(ich will nichts verraten) schien mir die Handlung nicht so schlüssig, wie gewohnt. Das mag an Erwartungen liegen, die mir die Autorin nicht den Gefallen tat, mir zu erfüllen. Das machen Autor(inn)en manchmal...