Man kann über Precht's Populärphilosophie denken was man will, aber mit seinen Büchern eröffnet er einen einfachen Zugang zu komplexen Themen.
Gerade die Tatsache, dass er mit seiner Philosophie Gesellschaftsschichten erreicht, die dieser Wissenschaft vorher eher abgeneigt waren, ist ein Verdienst, den auch der universitäre Diskurs nicht unterschätzen sollte.
Philosophie soll die Welt nicht erklären, sie soll dem Menschen Werkzeuge in die Hand geben um sich über die Welt Gedanken machen zu können.
Auch in diesem Buch verfolgt Precht seine bewährte Strategie: Er sammelt eine Menge an Informationen über das Thema, und sieht sich dabei bewusst auch in benachbarten Wissenschaften um. Die angesammelte Informationsfülle (im Literaturverzeichnis findet sich pro Kapitel eine umfassende Literatursammlung) bereitet er für jeden leicht verständlich auf, so dass man sich mit diesem Buch dem Thema, ohne große Mühe und mit geringem Zeitaufwand, annähern kann.
Precht möchte mit seinem Buch unter all den Liebes-Ratgebern und selbsternannten Liebes-Spezialisten (über die er sich schon in der Einleitung mokiert) herausstechen - das ist ihm zweifelsfrei gelungen. Allein schon dadurch, dass er eben keinen Ratgeber, sondern einen philosophischen Abriss (sei dieser noch so populär) über die Thematik verfasst hat.
Das Buch soll eine Brücke zwischen dem naturwissenschaftlichen und dem geisteswissenschaftlichen Verständnis von Liebe schlagen. Dementsprechend hat Precht sein Buch aufgegliedert:
Kapitel 1-5 biologische und kulturelle Grundlagen der Geschlechterrollen
Kapitel 6-10 biologische, soziologische und psychologische Elemente der Liebe
Kapitel 11-14 kulturelle und soziologische Sicht - Liebe in der heutigen Zeit
Precht's Schreibstil variiert zwischen spöttisch-amüsiert und euphorisch-begeistert. Er bringt viele Anekdoten, die nicht nur den Lesefluss fördern, sondern vor allem den einen Zweck erfüllen: dass sich der Leser die aufbereitete Information anhand der oft bewusst skurril gewählten Beispiele merkt. Man lernt also, ohne sich bewusst etwas einprägen zu müssen. Eine sympathische Vorgehensweise.
Mein Kritikpunkt: Natürlich rühmt sich der Autor mit seinem Blick über den Tellerrand (auch auf andere Wissenschaften); mE ein wenig zu viel, denn immerhin wurden auch die auf dem Gebiet der anderen Wissenschaften gesammelten Informationen von Prechts geisteswissenschaftlichem Blickwinkel aus, ausgewertet.
Da das Buch aber ohnehin kein umfassendes wissenschaftliches Werk, sondern ein Populär-Buch sein soll, ist dieser Umstand zu vernachlässigen.
Auch die Tatsache, dass natürlich bei Weitem nicht der gesamte verfügbare Diskurs zum Thema Liebe verwertet wurde (sondern der Autor willkürlich selektiert hat), ist mE vernachlässigbar, mit demselben Argument: es ist ein leichtes populärphilosophisches Buch, kein wissenschaftliches Werk, das Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.