Inhalt: Hagen Rether verbirgt hinter seinem charmanten Auftreten, hinter seinen netten Plaudereien, hinter seinen leichten Klavierakkorden böse Wahrheiten, die er ganz subtil ans Volk bringt. Die Dringlichkeit, mit der er seine Botschaften vorträgt, der lakonische Humor und die Kompromisslosigkeit haben das Kabarett der 2000er-Jahre entscheidend geprägt. Von seinem - seit Jahren konstanten - Programmtitel LIEBE darf man sich nicht beirren lassen. Gefühlselig kommen höchstens ein paar sanfte Pianoklänge daher, aber in seinen Texten erweist sich Hagen Rether als gnadenloser Beobachter, der sich mit allem beschäftigt, außer mit politischer Korrektheit. Mit den Tracks: "Steinweh", "Schokolade", "Bart", "Pop", "Splitter", "Watschenbäume", "Licht", "Lustig", "Den Haag", "Schnapsmohn", "Wir sind die Guten" und "So nett".
Meinung: Wer Hagen Rether kennt, weiß mit wem er es zu tun bekommt - der Name Rether steht für ansprechendes Kabarett, das gerne einmal auch den bösen Humor schneidet und kein Blatt vor den Mund nimmt. Überspitzt bezeichnete er so beispielsweise schon einmal das Papamobil des Papstes als "gepanzerter Golfcaddy" und den Papst selber als eine unglaubwürdige Gestalt, deren Aussagen man zweifelsohne als Wunschvorstellung abstempeln könne. Hagen Rethers mittlerweile nun schon drittes Programm auf CD, welches Januar und März 2010 im Deutschen Theater in München und in der Alten Oper Frankfurt aufgenommen wurde, besteht aus 12 Tracks. "Tracks" ist dabei weniger im Sinne der Musik zu verstehen, die Musik begleitet vielmehr nur die mündlichen Ausführungen des in Bukarest geborenen Kabarettisten, der bereits einige namhafte Auszeichnungen wie den Prix Pantheon und den Deutschen sowie den Bayerischen Kleinkunstpreis für sich verbuchen kann. Sein Anspruch richtet sich nach eigenen, nicht ganz ernst zu nehmenden, Worten an die "Frankfurter Kultur-Elite", die sich scheinbar in der Alten Oper befinden soll - ein markiger Spruch, der beweist, wie ernst Rether die deutsche Gesellschaft sieht.
Verfällt er dann einmal in seine äußerst unterhaltsamen Ausführungen über die Kirchenformen dieser Welt, die in diesem dritten Programm deutlich erkennbar im Mittelpunkt des Geschehens stehen, so kommt es dem Hörer gar nicht mehr weit hergeholt vor, dass der Dalai Lama als der Peter Lustig der enttäuschten Christen dargestellt wird - so paradox und doch intelligent und überzeugend erscheinend kann Kabarett sein. Was ich als ein wenig störend empfinde, sind die manchmal zu drastisch geratenen Übergänge zwischen den einzelnen Themen, so bleibt kaum Zeit, sich einem Thema länger zu widmen und dieses im Kopf noch einmal zu durchdenken, ansonsten arbeitet Rether aber mit sehr spitzem, frechem, provokantem Humor, der sicherlich nicht jedem gefallen mag. Allzu konservativ sollte man auf alle Fälle nicht eingestellt sein, sonst könnte das Gagfeuerwerk auch eher für Unmut sorgen. Kompositionsmäßig darf man nicht allzu viel erwarten, vielmehr steht das Wort im Vordergrund, ebenso bekommt man keine Effekte geliefert, aber das braucht man auch ganz und gar nicht, für Rethers Verhältnisse wäre das sogar störend, lebt seine Humorart doch auch von seiner trockenen, ruhigen Art, die mit bissigen rhetorischen Fragen untermalt wird. So wirkt diese vermeintliche Lobeshymne auf unser Land am Ende vernichtend und genau dieser Eindruck soll übermittelt werden - wir sollten uns nicht über andere Mächte setzen, sind alles andere als unfehlbar und bekommen auf simpelste Weise mit der Sprache Rethers unsere Grenzen aufgewiesen. Für mich gehört Hagen Rether zu den ganz großen unter unseren Kabarettisten, sehr gerne sehe und höre ich ihn in Funk und Fernsehen, weil man am Ende oftmals zugeben muss, dass er Recht behält, dies aber auf eine unterhaltsame Art und Weise hier über 80 Minuten hinweg zeigen kann. Noch eindrucksvollere Programme hatte er aber schon, wenngleich dies relativ zu sehen ist, "Li3be" sollte für Kabarettfreunde äußerst interessant sein, ein gewisses Gespür für Polemik, Ironie und Satire sollte man allerdings schon mitbringen.
Note 2+