Unlängst musste man die Nachricht vernehmen, dass sich Wolfsheim aufgelöst hat. Eine Lücke, die man eigentlich gar nicht zu füllen vermag, hat Wolfsheim doch eine so großes Erbe hinterlassen. Ist es Zufall, Schicksal oder ein Fingerzeig, dass gerade dieser Tage mit Bernstein eine neue Band an die Oberfläche tritt, die es spielend schafft, die musikalische Vorstellung wieder aufzugreifen, ohne dass sie unter Plagiatsverdacht stehen. Bernstein kommen aus dem hessischen Limburg und besteht aus Jens und Dirk Eufinger, sowie Frank Weiß. Seit langer Zeit haben sie in ihrem Heimstudio, auch in enger Zusammenarbeit mit dem grandiosen Produzenten Jose Alvarez-Brill, dieses Album gemacht, abgeschirmt von sämtlichen Medien, die vielleicht Vorschußlorbeeren verteilen würden. In der Abgeschiedenheit haben sie nun 13 Songs geschaffen, die eine wahre Offenbarung sind und das Genre deutschsprachiger Synthiepop neu definieren. Musikalisch sind die Jungs stark an den letzten Wolfsheim Alben angelehnt. Die Sounds sind sehr sphärisch und pompös gehalten, besitzen aber immer diese leichte Melancholie und diese undefinierbare Sehnsucht. Die durchweg deutschen Stücke sind ebenso bildgewaltig wie die Musik selbst. Allerdings werden Metaphern benutzt, die nicht gängig sind, die Gefühlsbeschreibungen haben eine Qualität, wie sie vielleicht ein Herbert Grönemeyer noch zu kreieren vermag. Lichtwärts ist ein Werk, das so geschlossen ist, dass man nicht einen Song herausheben. Dieses Album hat die Möglichkeit, die Gothic Szene anzusprechen und gleichzeitig die große Massen zu erreichen. Ein ganz, ganz starkes Album, poetisch, gehaltvoll, eingängig. Hier reichen keine Superlative mehr. Um dieses Album beschreiben zu können, bedarf es einer neuen Sprache. Kauftipp!!!