Band II um Awin, den Sohn des Sehers, ist noch besser und spannender als der erste, was wahrscheinlich zum Teil daran liegt, dass man die Personen und den Schauplatz schon kennt. Ich hatte keine Probleme und war sofort wieder in die Welt der Hakul versunken. Ein hilfreiches Glossar und Personenverzeichnis sind aber auch in diesem Band vorhanden.
Es geht fast nahtlos weiter mit Awin und seinen Gefährten, als hätte man eben Band I erst aus der Hand gelegt. Von Beginn an ist das Tempo der Story recht hoch, steigert sich im Laufe der Zeit jedoch immer noch deutlich.
Die Flucht aus Uos Mund ist gelungen, Awin ist nun der Lichtträger und hütet den Heolin, doch Slahan ist entflohen. Sie tobt über das Land, vernichtet ein Hakul-Lager nach dem anderen, tötet und verschleppt Unzählige, unter ihnen auch Awins Schwester. Wie schon in "Nomade" sind die Szenen mit Slahan und ihren Windskrolen besonders bildhaft, man "sieht" sie regelrecht vor Augen und fühlt die stets aufgeladenen Stimmung.
Awins größtes Ziel ist es, seine Schwester zu befreien und die entfesselte Göttin zu vernichten. Ihm zur Seite stehen alte Freunde, aber auch neue Gefährten. Charaktere, die zu begeistern wissen, wie Mahuk Raschdar vom Volke der Ussar, der den Geist eines Urahns in seinem Stab mit sich trägt oder Harmin, der Schmied vom Klan des Fuchses, der seine Enkelkinder zu verkuppeln versucht und tapfer an Awins Seite kämpft.
Sie helfen Awin, viele gefährliche Situationen zu meistern, die ihn wachsen und reifen lassen. Doch auch die Zahl seiner Feinde wächst... Sein größter Widersacher Curru hat sich natürlich auch nicht verändert und verfolgt seine ganz eigenen Pläne.
Gefallen hat mir, noch mehr über die Hakul als Volk zu erfahren. Ihre Bräuche, Rituale und Lebensweisen sind teilweise so anschaulich beschrieben, dass man glauben könnte, dieses Volk gäbe es wirklich auf den Steppen unserer Erde.
Am Ende des Buches ist Awin ein anderer geworden und steht noch immer vor großen Aufgaben. Als Leser hat man nun noch eine bessere Vorstellung von dieser Welt und an Überblick gewonnen.
Der Schluss ist sehr aufregend, ein richtiges Finale, und doch ist es Torsten Fink wieder gelungen, einerseits viele Fragen offen zu lassen, andererseits aber genau den Zeitpunkt zu treffen, an dem man zufrieden eine Lesepause einlegen kann. Trotzdem bin ich nun absolut neugierig auf den letzten Teil der Trilogie und fiebere der Lektüre entgegen.