Nomen est omen, sagt ein lateinisches Sprichwort. Auf Wort-Ton scheint das genau zuzutreffen. Hier werden Worte malerisch unterlegt mit Musik und daraus ist sogar ein Album entstanden.
'Lichtsuche' heißt es und ist ein Silberling, der Ruhe braucht, Zeit, Lust am Zuhören. Die Texte muss man auf sich wirken lassen, während man von elektronischen Klängen getragen wird. Aber da ist noch mehr, denn es kam sogar zur Zusammenarbeit mit Blutengel und Seelennacht für dieses Album.
Der erste Song 'Prologue ' Begegnung' wird dominiert von einer tragenden Musik, die nur selten der ruhigen und klaren Stimme von Sven Wendelmuth Platz macht. Es ist ein guter Einstieg, ein wirklicher Prolog, der in die CD hineinführt und bereit macht für das, was kommt.
Denn das zweite Lied hat es bereits in sich. 'Weinend Schrei' entstand in Zusammenarbeit mit Blutengel. Diese sind nun einem breiten Publikum bekannt und machen genau das, was ihre Fans so lieben: Harte Beats und die tiefe Stimme von Chris Pohl, der den Refrain singt. Für Kenner der Formation ist es schönes Zwischenspiel.
Sehr dunkel startet 'Vision in weißkalt' und erzählt schließlich von Nebelschleiern über einem Fluss, von staubigen Ecken und der Tristesse des Lebens.
'Das Meer suchen', Meeresrauschen, nur leise Klänge, die an Meditationsmusik erinnern. Augen schließen, an Salzwasser denken, die Möwen kreischen hören. Es ist wie Urlaub, ein In-sich-kehren, loslassen ' aber man muss sich selbst fragen, wann man aufhörte, das Meer zu suchen und sich selbst ein bisschen verloren hat.
Seelennacht dürfte den Liebhabern der Richtungen Dark-Wave und Gothic-Electro ein Begriff sein. Marc Z. hat bei dem Song 'Sommertanz vorbei' mitgewirkt und leiht seine Stimme dem Refrain. Eine angenehme und tiefe, kein Vergleich zu Chris Pohl, eher ein bisschen an Till Lindemann von Rammstein erinnernd. Man nimmt ihm auch sofort ab, dass Sommer, Spuren im Sand und Illusion vorbei sind. Eigentlich ein schönes, trauriges Gedicht, von Liebe, von Gemeinsamkeit ' und davon, dass alles vorbei ist. Viel Klavier ist hier zu hören und das Ende lässt die Finger noch einmal schnell über die Tasten tanzen, als gelungenen Abschluss.
Der Rhythmus in 'Fremdes Gesicht' ist eindeutig tanzbar! Mich erinnert der Sound an längst vergangene durchtanzte Nächte im Nerodom. Hier achte ich zum ersten Mal nicht genau auf das vertonte Gedicht, merke aber in den kleinen Fetzen, die dann doch in mein Gehirn eindringen, dass es um einen Totengräber geht.
Die Grillen zirpen, ein Klavier gibt erst nur drei Töne wieder, dann eine einfache Melodie. Eine Frauenstimme, die an Christine aus 'Phantom der Oper' (der Film!) erinnert, erklingt und steht im starken Kontrast zu Svens Stimme, die langsam und teilweise nur flüsternd erzählt. Es ist eine wirkliche 'Abendmelodie', ein Abschied vom Tag, von der Liebe, von so vielem. Dieser Titel wirkt noch ein wenig nach, auch wenn der letzte Ton lange verklungen ist.
Die Geräusche aus 'Das Ende des Lichts' erinnern mich an 'Die unendliche Geschichte', wenn Bastian die alte Morla im Sumpf besucht. Dabei bleibt es aber nicht, es gibt Beat, einen richtigen Sound, der sogar recht schnell und wieder gut tanzbar ist.
'Menschenspieler' wiederum verbinde ich mit 'Tron', dazu passt dann auch der Gesang. Hier fällt auf, dass es das bis dato erste Lied ist, das hauptsächlich aus Gesang besteht und nicht aus gesprochenem Text.
Es klingt nach einem Glockenspiel, dann mischt sich Elektronisches dazu: 'Abgrundtief Licht' sinniert über das Leben, dornige Wege, Tränen und die ungewisse Zukunft.
'Der dich hält' plätschert dahin und hat nichts Besonderes zu bieten.
'Deine Blicke treffen meine und irgendwo dazwischen entsteht etwas Neues: Neuland!', behauptet das nächste Stück. Es scheint ein ganz normales Liebesgedicht zu sein, das vertont wurde und im Refrain gesanglich unterstützt wird von Anne Koplin.
'Atem der Sehnsucht' ist wieder ein Song, der keine Überraschung bietet und auch nicht den Reiz eines neuen Liedes hat. Hatten wir doch schon, denkt man sich.
Dagegen ist 'Weltenbrand' doch wieder enthusiastischer. Hier singt Sven auch nachdrücklicher, was doch Wirkung hat. Da hört man auch auf die Mahnung: 'Während du diesen Song hörst, herrschen über 50 Kriege!'
Wieder ein eher geflüsterter Text über den 'Sternhüter', der über alle wacht. Die Worte sind sehr malerisch, tolle Bilder entstehen, der Sound steht absolut im Hintergrund. Zum ersten Mal wird Englisch gesprochen, Lisa S. leiht ihre zarte Stimme. Man hat den Eindruck: Jetzt passiert gleich was, gleich muss der Bruch kommen, eine andere Melodie, ein fetziger Rhythmus ' wahlweise klopft auch der Mann im Mond ans Fenster. Aber nein, nur eine leichte melodische Veränderung, mehr leider nicht.
Den Abschluss bildet wieder eine Zusammenarbeit mit Chris Pohl. 'Leere Räume' beginnt auch schleichend, nur ein paar Worte werden wiederholt, dann aber hört man ganz klar Blutengel raus. Die Melodie ist typisch für die Formation und Pohl singt im Hintergrund von leeren Räumen, Wegen und Seelen. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man dieser Band den Song zuschreiben.
Was bleibt hängen, wenn man die knapp 70 Minuten 'Lichtsuche' hinter sich hat? Eine sehr malerische Sprache, vertonte Gedichte, die einen berühren und Wortfetzen, die unvergessen bleiben. Die Musik weckt Erinnerungen und Assoziationen, wie man im Review sehen kann. Das Album hat für viele etwas: Freunde des Dark-Wave oder von Blutengel werden auf ihre Kosten kommen, Liebhaber der Poesie und auch diejenigen, die Musik zum Entspannen möchten, die aber dennoch anspruchsvoll ist.
Sven Wendelmuth schreibt seine Texte selbst. Es sind Gedichte, die das Leben beschreiben, Gefühle ausdrücken und tief berühren können. Der Sound ist eher schmückendes Beiwerk. Außergewöhnlich mag man 'Lichtsuche' finden, aber es wird hoffentlich nicht das letzte Album von Wort-Ton sein.
Anspieltipp: Sommertanz vorbei