Produktinformation
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70 Minuten lang darf man eintauchen in ein Meer aus Klängen, Farben und Emotionen. Lacrimosa haben einmal mehr keine Kosten und Mühen gescheut, um atmosphärische Kunstwerke zu erschaffen, die an Detailreichtum die Veröffentlichungen der Konkurrenz um Längen übertreffen. Mit einem großen Instrumentarium deckt man das komplette Spektrum von majestätischem Metal bis hin zu zerbrechlicher Klassik ab, ohne sich dabei in Klischees und Belanglosigkeiten zu verzetteln. Pathetisch und überambitioniert wird man in den Ohren der Zweifler auch weiterhin klingen, 08/15-Songstrukturen und x-mal gehörte Trällermelodien kann man Lacrimosa aber zu keinem Zeitpunkt vorhalten. Lichtgestalt ist ein in sich stimmiges, höchst professionell in Szene gesetztes musikalisches Gemälde, in dem sich Gothic-Freunde stundenlang verlieren werden. -- Michael Rensen
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Schon fast als Ohrwurm kann man dagegen *Kelch der Liebe* bezeichnen der anfängt als hätte man eine Rondo Veneziano CD im Player. Flotte Orchestertöne bestimmen neben der Stimme von Tilo Wolff das Klangbild wobei der Sänger mit den folgenden Textzeilen schon fast zum Poeten gereift zusein:
*Ein Leben ohne Liebe ist kein Leben!
Ich brauch kein Leben! Ich brauch nur Dich!
Deinen Körper, Deine Seele
Dein Herz!
Und wenn die Welt in Flammen steht
Und auch der letzte Mensch vergeht
Selbst wenn die Sonne sich zerbricht
Bleibt Dir der Liebe Licht*
Genauso verhält es sich mit dem Titelsong *Lichtgestalt* der nun erstmalig klangliches Violinenspiel gepaart mit rockigen Gitarreneinlagen in das Ohr des des Hörers führt. Dank ohrwurmmäßigen Gesangs und der gängigen Musik hat der Track sicherlich Hitpotenzial. Ganz andere Klänge bietet das wesentlich traurigere *Nachtschatten* welches anfänglichst nur durch schon fast drohende Streichereinheiten bestimmt wird. Auch hier gelingt es Tilo Wolff einmal mehr den Hörer in seinen Bann zuziehen und einen von Liebesschmerz und Einsamkeit handelnden phänomenalen Text zum Besten zu bringen. Die sich steigernde Stimme führt den Song dann gegen Ende zu einem bombastischen Orchesterfinale der seinesgleichen sucht.
Der zu Beginn elektronisch angehauchte englische Song "My last Goodbye" in welchem sich Anna Nurmi perfekt, durch ihren gegenüber Vorgängeralben stark verbesserten Gesang, in die Klangsymphonie einfügt ist ein sehr intensives Stück der Platte, in welchem aufgezeigt wird wie gut sich Klassikelemente mit Metal paaren lassen. Die Stimmen von Tilo und Anna ergänzen sich dabei perfekt und lassen keine Kritik zu. Bei *The Party ist Over* bestimmt ein wehlastiger Gesang sowie seichtes Flötenspiel den Track der von der verlorenen Liebe handelt und bei dem der Hörer voll mit dem Sänger mitfühlt.
Als richtigen Fetzer kann man *Letzte Ausfahrt: Leben* bezeichnen der sofort mit rockigen Klängen beginnt und einen schon fast genialen Refrain bietet. Auch hier überwiegt allerdings ein wehklagendes Klangbild der natürlich den dazu passenden Text bietet. Hier folgt auszugsweise der Refrain der sofort zum mitsingen (oder gröhlen) animiert:
*Letzte Ausfahrt: Leben
Aus dem Winter meiner Seele
Nur ein kleiner Schritt genügt
Und ich geh auf neuen Wegen*
Mit dem fast 14 minütigen Track *Hohelied der Liebe* folgt dann der musikalische Höhepunkt des Albums. Hier werden sämtliche Phasen von Klassik und Metalelementen vereinigt. Nach einer Eröffnungssequenz, die durchaus auch als dramatische Filmuntermalung hätte herhalten können, steigert sich der musikalische Bombast und ein Engelsgleicher Chorusgesang fasziniert den Hörer. Die dann wechselnden harten Klangbilder zeigen dann einmal mehr die musikalische Vielschichtigkeit auf über die Lacrimosa verfügt und deren Höhepunkt wohl ein famoses Gitarrensoli ist. Ein geniales Meisterwerk. Der abschließende Bonustrack ist nur eine alternative Version des Songs *The Party Is Over* bei dem deutlich höhere Klaviersequenzen zu vernehmen sind.
Somit gelang es *Lacrimosa* mit ihrem neusten Werk *Lichtgestalt* ein deutlich gereifteres Album zuschaffen welches deutlich von den schwermütigen Vorgängern abweicht. Vielmehr ist es ein dynamisches und gleichzeitig melancholisches Album welches durch eingängige Refrains und Melodien sowie einem wehklagenden Gesang überzeugen kann. Ganz klar somit ein Top-Album welches nicht nur Gothic-Fans begeistern wird. In diesem Sinne.....
Pitter
Was mir etwas fehlt sind melodische textlich-mystisch Stücke wie "Schakal", "Flamme im Wind" und ähnliches. Auch fehlen die Stücke, die langsam beginnen und in einem schnellen Finale ausklingen. Aber das stört nicht weiter, da auch die neuen Stücke ihre Reize habe, auch wenn besonders die schnelleren z. T. recht ähnlich klingen.
Textlich ist alles wieder typisch Wolff, mit dem Unterschied dass die Texte diesmal ziemlich direkt sind, was besonders beim Song "Lichtgestalt" etwas irritierend ist, da man Textzeilen wie "Ich bin der Schmerz zwischen deinen Beinen" nicht wirklich in einem Lacrimosa-Lied erwartet. Der Song ist von seiner Direktheit vergleichbar mit "Liebesspiel". Thematisch dreht sich diesmal alles um die Liebe. Wer jedoch Schnulzen erwartet, dürfte enttäuscht werden.
Ingesamt ein sehr gutes Album. Es ist vor allem wegen seiner schnellen und direkten Art etwas besonderes und hebt sich daher etwas von den anderen ab. Melodisch ist es (zumindest bei den schnellen Songs) ewas zu einseitig. Das stört den sehr guten Gesamteindruck jedoch nur wenig.
Die Bestnote gibts vor allem deshalb, weil Lacrimosa es dank der harten und direkten Art geschafft hat, zu überraschen und zu überzeugen, was anhand der bisherigen 8 Alben nicht so leicht sein dürfte. Lacrimosa-Fans werden es sicherlich lieben.
Man muss wirklich kein Gothic sein, um Lacrimosa zu mögen. Wer sowohl klassische Musik als auch Hardrock gut findet und ungewöhnliche deutsche Texte zu schätzen weiß, kommt an diesem Album nicht vorbei.
Es lebe die Liebe ... Lesen Sie weiter...
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