Vorwort
Natürlich beginnen schon wieder die Diskussionen über alt/neu, böse/gut, Gothic/Schlager usw. Ich selbst komme aus der Metal-Szene (wenn es sowas gibt) und durch Unheilig und meiner Freundin habe ich die Möglichkeit gehabt mich mal in der schwarzen Szene zu bewegen. Discos, Festivals und Konzerte habe ich nun in den letzten 2-3 Jahren erlebt. Mittlerweile find ich es nur noch widerlich, wie viele aus der Szene (nicht nur Anhänger sondern auch Bands) Unheilig und speziell den Grafen auseinanderreißen anstatt einfach "Leb wohl!" zu sagen, wenn es einem nicht passt. Nach Professionalität sucht man vergeblich.
Das jetzige Album "Lichter der Stadt" hat der Graf in den letzten 2 Jahren überwiegend auf Tour geschrieben und entwickelt. Die Musik und seine Texte spiegeln einfach das wieder, was er zu diesem oder jenem Zeitpunkt gefühlt hat. Es sind seine Gedanken, seine Gefühle und seine Erlebnisse, die er in seinen Liedern verarbeitet hat. Kritik ist völlig in Ordnung und ein muss! Aber was ich in den letzten Wochen bis heute für Artikel gelesen habe über Ihn, der Single "So wie du warst" und seinem Album... Kopfschütteln. Zum Teil drücken einige Kommentare nur noch Beleidigungen aus. Erkennt man auch hier bei Amazon anhand der Anzeige wie hilfreich eine Rezension war. Da wird der Frust ausgelebt - traurig!
Zum Album "Lichter der Stadt"
Ich habe das Album einige Male durchgehört und bin sehr zufrieden. Vollends bin ich jedoch nicht überzeugt worden (deshalb nur 4/5 Sterne), weil es da doch das eine oder andere gab, das mir nicht gefallen hat.
1. Das Licht
Sehr gelungenes Intro! Es fängt ruhig an, der Graf baut mit seiner gespenstigen Stimme Spannung auf und es geht dann zu einer Art "Befreiung" über. Dieses Intro geht unter die Haut und macht definitiv Bock auf mehr!
2. Herzwerk
Geil! Absolut Unheilig! Deftige Gitarrenriffs gepaart mit dunklem Gesang des Grafen und einem Refrain der sofort zum mitsingen und abgehen animiert. Mein Herz habt ihr damit ohne jede Frage "berührt" - Feuer!
3. So wie du warst
Eine sehr gefühlvolle Ballade über einen Menschen, der rückblickend auf sein Leben schaut. Rein instrumental ist es klasse aber textlich etwas zu flach und zu einfach. Mehr Zeilen in den Strophen und weniger "So wie du warst" im Refrain hätte mir besser gefallen.
4. Tage wie Gold
Musikalisch mal was anderes - beim ersten Hören klingt es sehr interessant. Ein Stück aus der Rubrik "Nichts ist für immer" und "Genieße den Moment". Etwas flotter und mit einem Refrain, der bei Live-Auftritten mit dem "Ohohoh" sicherlich gut ankommt. Hier sind übrigens auch die Fans von der "Heimreise"-Tour zu hören!
5. Wie wir waren (ft. Andreas Bourani)
Der Graf singt im Duett mit Andreas Bourani über eine glückliche vergangene Zeit und Freundschaft. Für mich einfach nur Pop. Zwar guter Pop, nur leider bleibt der Song nicht bei mir hängen. Schade! Demosong anhören, klingt musikalisch viel besser (weniger Pop, mehr Unheilig).
6. Unsterblich
Klavier, Streicher und ruhiger Gesang bilden hier eine Ballade zum kuscheln. Rein objektiv betrachtet hören wir hier ein wunderschönes Liebesstück. Für meinen Geschmack ist dieses Lied jedoch einen Tick "zu" schön.
7. Feuerland
Jetzt schallt wieder Wums aus den Boxen. Klasse tiefer und mysteriöser Gesang gefolgt von harten Beats und druckvollen Gitarren wie man es von Unheilig aus einigen älteren Stücken kennt. Sowohl die Strophe als auch der Refrain gehen sofort in die Beine und laden zum tanzen ein. Einfach Top!
8. Lichter der Stadt
Der Graf versucht während des ganzen Trubels der "Großstadt" etwas Ruhe zu finden und klettert auf die Dächer der Stadt. Metaphorisch blickt er nun auf die Geschehenisse seiner letzten 2 Jahre hinab. Harter Beat, aber Pop-lastig. Obwohl "Lichter der Stadt" eigentlich nicht ganz meiner Musik entspricht, wirkt es mit unglaublichem Ohrwurmpotential auf mich ein.
9. Ein guter Weg
Hier wurde ich völlig positiv überrascht, denn auf der "Heimreise"-Tour habe ich "Ein guter Weg" noch anders in Erinnerung. Der Graf überzeugt uns hier, das eine wortlose Umarmung einen angeschlagenen Menschen enorm aufbauen kann und schwierige Zeiten im Leben gemeinsam bewältigt werden können. Die Mischung aus Ballade und dem "befreienden" etwas härteren aber melodischen Refrain hat mir sehr gut gefallen.
10. Ein großes Leben
Auch im nächsten Lied "Ein großes Leben" finden wir einen ruhigen und vorallem gefühlvollen Song. Jedoch handelt es sich hierbei um Abschied und die Melancholie ist sowohl im Text als auch in der Musik absolut spürbar. Sehr schön!
11. Brenne auf
Jetzt wird es wieder etwas flotter. Gefällt mir, aber etwas schnelleres Tempo und kräftigere Gitarrenriffs hätten hier meiner Meinung nach nichts falsch gemacht. Leider kann ich mit dem Text (zumindest noch) nicht viel anfangen - somit bleibt er nicht hängen.
12. Zeitreise (ft. Xavier Naidoo)
Xavier Naidoo ist nicht mein Fall. Zudem sind wir hier wieder beim Pop angekommen wie in "Wie wir waren" mit Andreas Bourani. Wer damit kein Problem hat, dem wird dieses Lied sehr zusagen, weil auch der Text an sich sehr gut ist! Vom Thema ähnelt er zwar dem von "Wie wir waren", jedoch ist er vielseitig interpretierbar.
Auch hier: Die Demoversion zu dem Song gefällt mir sehr, sehr viel besser!
13. Das Leben ist schön
Wow, sehr verspielte Sounds und interessanter Text! Muss aber mehrmals gehört werden. weil einfach zu viel passiert. Die Demoversion ist übrigens electro-lastiger was mir mehr zusagt.
14. Eisenmann
Klasse!! Mein persönlicher Favorit auf dem Album. Schwere Beats, schwere Gitarrenriffs, schwerer Gesang! Musikalisch fügt sich hier einfach alles zusammen. Das gesamte Lied formt einen Eisenmann wie kein anderes!
15. Vergessen
Die ersten 35 Sekunden entführt uns der Graf in eine Musikwelt, mit der er vor über 12 Jahren angefangen hat - der Filmmusik. Danach habe ich nur gestaunt. Instrumental und textlich hat der Graf mich die restlichen knapp 4 Minuten alles um mich herum vergessen lassen. Melancholisch aber dennoch schön - geht ins Ohr, bleibt im Kopf!
16. Die Stadt (Instrumental)
Schönes Outro. Knüpft an "Das Licht" an und schließt gleichzeit das gesamte Album/Konzept klasse ab.
Fazit
An vielen Stellen von "Lichter der Stadt" erkennt man, dass der Graf bestimmte erlebte Situationen mit seinen Liedern verarbeitet hat. Seine Stimmung war in den letzten 2 Jahren sicherlich von Erfolg gekrönt aber auch reichlich mit Druck und Kritik (gerade Seitens der Szene) gefüllt. Der Graf hat kein Album produziert um alte Fans mit nur harten Liedern "zurückzugewinnen", sondern zeigt uns hier ein Werk, das ihn aktuell und persönlich so wiederspiegelt wie kein anderes. Ob es nun jemanden gefällt oder nicht bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist, dass er Musik für sich selbst macht und nicht, um jemanden zu gefallen.
Mein persönliches Lieblingsalbum von Unheilig bleibt somit "Moderne Zeiten" aber dennoch bedanke ich mich beim Grafen für dieses Album und bin gespannt, wie sich seine Gedanken und Gefühle in Zukunft orientieren werden. Vielleicht sieht er die Welt wieder etwas lockerer und das nächste Album wird nicht ganz so ruhig!