Eigentlich verhält sich die inhaltliche Qualität von Fachbüchern proportional zu ihrem Preis. Bei diesem äußerst teurem Fehlgriff trifft dies nicht zu.
Erst einmal macht das Buch einen sehr soliden Eindruck. Die Papierqualität ist sehr gut und die 300 Seiten wecken die Vorfreude auf einen tiefgründigen Lichtdesign-Lehrgang. Wie relevant das Thema sein kann wird einem schnell deutlich, wenn man das Buch bei Oberlicht zu lesen versucht: Da das Papier so stark glänzt, ist flüssiges Lesen mehr oder minder anstrengend. In meinen Augen eine schwache Leistung für eine Autorin, die selber Lichttechnikerin ist; allerdings für mich noch mit einem Schmunzeln abzutun.
Auf den ersten Seiten fällt der angenehme, teilweise lockere, Schreibstil der Autorin auf, der sich auch bis zum Ende durchzieht.
Was anschließend folgt ist allerdings sowohl im Kleinen als auch im Großen nicht annähernd akzeptabel.
Auch wenn es der Autorin meistens gelingt, die Sachverhalte gut zu erläutern (die verschiedenen Arten von Leuchten wurden meiner Meinung nach z.B. sehr umfassend, detailliert und verständlich erklärt), werden sie viel zu selten durch Abbildungen hinterlegt. Man kennt dann zwar z.B. viele Scheinwerfer-Typen, kann aber trotz ihres typischen Aussehens keinen einzigen erkennen. Ein konsequentes Bebildern der inhaltlichen Gegenstände -' ob nun durch Skizzen oder durch Fotos -' wäre meiner Meinung nach aus didaktischen Gesichtspunkten schlichtweg notwendig. Der Leser muss sich hingegen mit rar gestreuten, lieblosen Schwarzweiß-Fotografien begnügen, deren Motive teilweise kaum erkennbar sind.
Dafür findet der Leser des Buches zwischendurch ab und zu auf mehreren aufeinanderfolgenden Seiten Fotos von fertigen Bühnendesigns. Auch hier kommt man sich etwas veralbert vor. Die 'Erklärung' zu den Bildern, deren Inhalt größtenteils zunächst Rätsel aufwirft, findet sich am Ende der Bildersammlung, was lästiges Hin- und Herblättern erfordert. Außerdem fragt man sich, was man mit den Bildern eigentlich machen soll. Ich kann mich zahlenmäßig nur an einen Bezug aus dem Text heraus zu einem der Bilder erinnern. Und auch ansonsten sehe ich in den Bildern keinen wirklichen Nutzen '- sie sind schlichtweg schlecht ausgewählt.
Wenigstens als die Autorin herleitet wie man als Lichtdesigner berechnet wie weit sich ein Schauspieler bewegen darf bis sein Gesicht aus dem Lichtkegel verschwindet wurde eine unterstützende Skizze abgedruckt. Dass diese dann wie mit Paintbrush gezeichnet aussieht (kein Anti-Aliasing, eigenartige Schrift) während die Autorin selber von CAD-Programmen schreibt, ist mir ein Rätsel, womit wir bei den Abbildungen von Lichtplänen wären: Erstens wurden sie nicht (d.h. teilweise gar nicht, teilweise nicht ausreichend) erklärt und zweitens sind sie so verschwommen gedruckt, dass man sie so gut wie nicht erkennt - von darauf abgedruckter Schrift ganz zu schweigen.
Unangenehm ist der beim Leser aufkommende Eindruck, sich ständig in der Gliederung zu verrennen ("wo war ich gerade?" bzw. "worum ging's noch mal?"'). Das Inhaltsverzeichnis ist zwar sehr schön strukturiert, die Überschriften hingegen sind typographisch hinsichtlich ihrer Ebene kaum voneinander zu unterscheiden - zumal sie nicht nummeriert sind. Viel mehr ist aber ein anderer misslicher Umstand für die Orientierungslosigkeit verantwortlich: Inhaltliche Abweichungen vom aktuellen Gliederungspunkt treten fast durchweg auf - dafür fehlt dann der eigentliche Inhalt. So geht es im Abschnitt "Materialien" nicht darum, dass einige Stoffe (z.B. die Seiten des Buches) mehr glänzen als andere und wie man damit mit gekonntem 'Lichtdesign' sauber umgehen kann, sondern es wird erläutert wie wichtig es ist, auf der Bühne nicht zu viele oder zu wenige Gegenstände zu beleuchten. Das mag zwar auch interessant sein, verfehlt das Thema dennoch komplett. Dass dies auch noch zulasten der eigentlichen Information geschieht, ist umso ärgerlicher. Die Tiefgründigkeit leidet darunter genauso wie die Vollständigkeit. Ich muss sagen, dass ich im Großem und Ganzen von beidem nicht viel gesehen habe. Viele für einen Lichtdesigner essenzielle Themen (z.B. die Entstehung von Farben) werden gar nicht behandelt, andere Sachverhalte nur halbherzig erläutert (z.B. die Funktionsweise und Wirkung von Effektgeräten wie Laser und Nebel). Die daraus resultierende Unbefriedigtheit hinterlässt während des Lesens durchweg einen bitteren Geschmack.
Bis heute weiß ich nicht, an was für eine Zielgruppe sich das Buch richtet. Hat man kein Vorwissen, versteht man das Buch nicht. Hat man Vorwissen, enthält es nichts Neues. Sowohl für ggf. angehende professionelle Lichtdesigner als auch für 'Hobby-Lichtdesigner' ist das Buch viel zu oberflächlich. Wer sich nur nebenbei aus Interesse mal mit Lichtdesign beschäftigen will, wird von dem Buch ziemlich unberührt bleiben da es praktische Erfahrung voraussetzt. Ob ein Unternehmen dieser Branche von diesem Buch profitieren könnte, kann ich nicht sagen. Ich wüsste allerdings nicht, inwiefern das geschehen sollte.
Da ich in meiner Freizeit ab und zu Live-Auftritte von Musikbands lichttechnisch in Szene setze, suchte ich nach einem Buch welches mir neue Denkanstöße bzw. Verbesserungsideen liefert. Diesbezüglich wurde ich jedoch komplett enttäuscht. Wenn man im Nachhinein die Kurzbeschreibung liest, könnte man geradewegs Betrug unterstellen. Und das, obwohl an keiner Stelle der Eindruck aufkam, dass die Autorin in ihrer Materie inkompetent ist. Bleibt zu hoffen, dass sie ihr Buch bald einer kräftigen Überarbeitung unterzieht.