Regisseur Nick Cassavetes (Beim Leben meiner Schwester" arbeitete hier mit seiner Mutter Gena Rowlands zusammen. Gibt's auch nicht so oft.
Story
Mildred Hawks (Gena Rowlands) ist eine Witwe im Rentenalter, die in geordneten und finanziell beruhigenden Verhältnissen in einem schönen großen Haus in guter Gegend wohnt. Ihre erwachsene Tochter, die sich in einer ziellosen Rebellionsphase befindet, wohnt noch bei ihr, während der ältere Sohn, beruflich ungemein erfolgreich, bereits in einer anderen Stadt lebt. Da es nichts mehr richtig zu tun gibt und das Verhältnis zur sich radikal abnabelnden Tochter zerfahren ist, existiert eine gewisse Leere im Leben Mildreds. Dies ändert sich, als sie anfängt, auf Jake (Jake Lloyd), den Sohn der flippigen, etwas gewöhnlichen und vom Mann geschlagenen Monica Warren (Marisa Tomei) aufzupassen. Sie wird zu einer Bezugsperson, einer perfekten Oma für Jake, einer Freundin für Monica und kompensiert damit ihr einförmiges etwas tristes Leben und ihre schwierige, verfranzte Beziehung zu den eigenen Kindern. Diese zeigt sich bezüglich ihres so erfolgreichen und scheinbar integeren Sohnes darin, dass er sie augenscheinlich bei sich aufnehmen will, damit sie einen schönen Lebensabend hat, in Wahrheit dabei aber nur eigene Interessen verfolgt. Beim trinkreichen Ausgehen mit Monica lernt sie den deutlich jüngeren Tommy (Gerard Depardieu) kennen, der sich für sie interessiert, was sie aber irritiert und freundlich für sich ablehnt, in ihr aber auch etwas wachrüttelt.
Interpretation / Meinung
Der Film porträtiert den Zustand einer Frau, die Zeit ihres Lebens immer für Mann und Kinder da war, nun aber erkennen muss, dass ihre Aufopferung nur begrenzte Ergebnisse brachte, sie sich darüber selbst vergessen hatte und irgendwann auch kein Einfluss mehr auf die erwachsenen Kinder besteht, was sie zunächst ohnmächtig, später einsichtig wahrnimmt. Wahrscheinlich hat sie durch ihre Hingabe an die Familie aber auch immer wieder die Verantwortung für ihr eigenes Leben, ihr eigenes Glück abgegeben. Ihre Triebfeder war immer das Glück der anderen. Allerdings auch so, wie sie sich das Glück für die anderen vorstellte. Durch die Beziehung zum kleinen Jake und dessen Mutter erkennt sie Trugschlüsse ihrer bisherigen Denk- und Verhaltensweisen bezüglich Bezugspersonen und kann sich so mehr von dem Wohl und Wehe ihrer Kinder lösen. Schließlich merkt sie, dass zur Selbstverwirklichungen auch gehört, sich von dem puren Dasein für andere zu lösen und alte Zöpfe abzuschneiden, sich mal ganz auf sich alleine zu stellen. Was durch ihre Hilfsbereitschaft und Unterstützung für andere, aber auch dem Herumwerkeln an ihnen, immer übertüncht wurde. Dies wird ihr hinsichtlich der Beziehung zu Jake zunächst schmerzhaft bewusst, später aber mit Einsichtigkeit und bestimmter Ruhe.
Der Film behandelt somit ein durchaus alltägliches und wichtiges Thema von älteren Menschen, deren Zentrum eigentlich immer das Leben der anderen war, weil sie sich für diese aufopferten, dies aber auch, weil sie es brauchten, weil sie vielleicht Angst vor der eigenen Freiheit, der auch gefährlichen und einsamen Selbständigkeit hatten. Obwohl Mildred Hawks freilich die Hauptrolle der Story ist, wird das durch die Handlung nicht immer klar, nicht nah genug präzisiert. Hier hätte man sich mehr mitnehmenden Zugang zu diesem Thema gewünscht, stattdessen befasst man sich eher mit der oberflächlichen Story der Frau, die von den eigenen Kindern enttäuscht ist und sich um einen Nachbarsjungen kümmert, der in schwierigen Verhältnissen aufwächst. Und diese Story ist mittelmäßig entworfen. Es passt z. B. nicht, dass die finanziell klamme Monica sich ein Haus in der guten Wohngegend leisten kann, ihr schlagender Ehemann recht schnell zum liebevollen Vater wird. Die Beziehungen von Mildred zu ihren Kindern werden nicht klar genug herausgearbeitet und die Rolle von Tommy ist ein stummes und fragliches Beiwerk. Man beschäftigt sich als Zuschauer so mit einer bescheiden bindenden und nicht akribisch ausgearbeiteten Story und beachtet daher die eigentliche interessante Geschichte und gute Botschaft, die darunter liegt, erst gegen Ende des Films, wenn die überstürzende Lebensänderung von Mildred einsetzt.
Fazit
Insgesamt fehlt es dem Film, trotzt guter Idee und Thema, an einer gewissen Klasse. Und außerdem, auch wenn er schon 14 Jahre alt ist, kommt er etwas altbacken daher. Die schauspielerischen Leistungen leiden darunter, dass sie wie die Handlung nicht genug in die Tiefe der Story gezogen werden. Wenn man den Film nur "im Vorbeigehen" sieht, wird man sicher nur mäßig unterhalten, betrachtet man ihn mit einem Blick zu der Thematik, dass Hilfsbereitschaft und Fürsorge auch eine Form von Abhängigkeit sein kann und einen vor dem schwierigen Gang in die Selbstverwirklichung schützt, dann bekommt er ein anderes Format, welches aber besser herausgearbeitet hätte werden müssen.