"... und wäre jetzt gern bei Dir.." Mit diesen Worten beginnt ein wunderbar zarter Liebensbrief, den Gil eines Tages beim Aufräumen findet. Das Tragische daran ist, dass seine geliebte Dole diesen Brief nicht an ihn geschrieben hat, sondern an einen anderen Mann. Dieser Brief ist der Anfang vom Ende einer ganz großen Liebe, der Liebe von Gil und Dole. Auch wenn Gil nicht die Kraft hat, seine Entdeckung zu offenbaren und Dole mit ihrer Untreue zu konfrontieren, so treibt die Beziehung doch nun unweigerlich ihrem Ende entgegen und Gil wird ungewollt zum Chronisten dieses Endes.
Aber so traurig der Anfang dieser traumhaft schönen Erzählung ist; angesichts der wunderbaren Schilderung der Liebe von Dole und Gil ist man nur zu gerne bereit, darüber hinweg zu sehen: Zu jedem Satz des Briefes fällt Gil eine einzigartige Begebenheit ihrer eigenen Liebesgeschichte ein. Selten hat man den Zauber der Liebe, die Leichtigkeit und Unbeschwertheit so einfühlsam in Worte eingefangen gesehen wie hier. Diese Liebe überdauert alles - auch das tragische Ende.
Meckel, der auch als Maler und Graphiker arbeitet, hat in dieser kleinen Erzählung eine Sprache gefunden, die leicht und bildreich genau die Stimmung widerspiegelt, die die Liebe von Dole und Gil beflügelt.
Dieses wunderbare Buch aus den 80er Jahren liegt nun endlich auch in einer ungekürzten Hörbuchfassung vor.
Warum dann dann nur 4 Sterne? Ralf Bauer schlägt von Beginn an einen langsam getragenen, melancholischen Grundton an, den er auch dann nicht verlässt, wenn Gil von seinen Erinnerungen an glückliche Tage spricht.
Daher 6 Sterne für die Sprache Meckels und leider nur 3 für die Lesung.