Barry Levinson ist meiner Meinung nach kein Regie-Genie. Trotz der Klasse-Filme "Sleepers", "Good Morning, Vietnam" und "Rain Man" hatte er auch immer mal wieder relativ suboptimal gelungene Streifen sowie ein paar Flops in der Pipeline. Levinson ist eben bei allem gegebenen Talent stark abhängig von guten Mitarbeitern, gerade im Bereich des Drehbuchs und der Darsteller. Hier hat er das passende Material (wobei er das Script selbst verfasste) und macht daraus eine Genremischung, an der ich reichlich wenig zu meckern habe.
Sittenportrait der 50er-Jahre trifft "American Graffiti" mit "Zurück in die Zukunft 1"-Groove: Natürlich ist nicht alles für bare Münze zu nehmen und oft mit einem Augenzwinkern zu sehen - die Straßen waren bestimmt nicht immer glänzend nass (obwohl es nie regnet) und die Autos nicht immer neu - dennoch stellt er den Zeitgeist passend dar und lässt die meisten Fettnäpfchen aus. Auf eine Sterilität ("zum Schutz der amerikanischen Jugend") vieler aktueller Produktionen wurde zum Glück verzichtet und so dürfen die Figuren nach Herzenslust trinken und rauchen, wie es damals eben üblich war, und gewisse Ausdrücke verwenden, bei denen heutzutage die "Political Correctness"-Polizei aufschreien würde.
Auf der inhaltlichen Ebene hatte es mir besonders die wirklich herzerwärmende - ja, "niedliche" - verbotene Turtelei zwischen einem jüdischen Kleinganovensohn (Ben Foster) und einem farbigen Mädchen aus gutem Hause (Rebekah Johnson) angetan. Da es sich im Kern fast nur um diese beiden Gruppen von Minderheiten dreht, spielt Levinson mit Vorurteilen, verliert sich aber nicht in Stereotypen und begegnet diesen oft auf ironische Art und Weise.
Der Cast kommt ohne die ganz großen Stars aus, bietet aber neben den bereits erwähnten Foster und Johnson unter anderem mit Bebe Neuwirth, Orlando Jones (wobei der der einzige kleine Miscast ist), Joe Mantegna und David Krumholtz durchaus bekannte Namen, die sichtlich Spaß hatten. Mal nebenbei: Für die Wrestlingfans spaziert Stacy Keibler als Extra ein paar mal durch das Bild... ;)
Unter'm Strich steht ein sehr empfehlenswertes, ruhiges "Feel Good-Movie" mit Köpfchen, das einfach exzellent unterhält, ohne plump zu sein, und an dem sowohl Freunde seichterer als auch anspruchsvollerer Filmkost ihre Freude haben dürften. Wer allerdings die mit Farbfiltern und Hochglanzoptik gekillten Blockbuster, welche die Kinokassen heuer besonders klingeln lassen, oder infantile Komödien mit gekünzelten Charakteren und schönem Bilderbuch-Happy End steht, lässt besser die Finger von diesem Geheimtipp.
Mit einer Neuauflage oder gar einer Blu-ray-Auswertung braucht man meiner Meinung nach nicht zu rechnen, gerade wenn man Warners Zukunftspolitik der On Demand-Movies kennt. Ton (O-Ton und Synchronisation (mit vielen tollen Sprechern) in DD 5.1) und Bild gehen klar in Ordnung, ohne Glanzlichter zu setzen. Extras sind für WB-Verhältnisse ungewöhnlich viele enthalten (u. a. eine Doku vom Set, geschnittene Szenen und Interviews). Da die DVD besonders gebraucht zu humanen Preisen zu bekommen ist, kann man beruhigt zu dieser OOP-Auflage greifen.