Der Untertitel dieses 510 Seiten starken Buches lautet "Warum die Engländer Frankreich erfunden haben" und beschreibt damit den humorigen Grundtenor dieses Werks schon recht genau. In der Autorenbeschreibung zu Beginn des Buches heißt es:
"Stephen Clarke ist Engländer aus Leidenschaft und Wahlfranzose aus Überzeugung. [...] Clarke lebt glücklich in Paris - noch!"
Damit sind die Weichen gestellt! Im Folgenden entwirrt Clarke die Verhältnisse zwischen Frankreich und England, beginnend im Jahre 1066, als die Normannen mit Wilhelm dem Eroberer an ihrer Spitze England eroberten und endend im Jahre 2007 mit der Änderung des britischen Zielbahnhofs des Eurostars - nicht mehr der Bahnhof Waterloo war Endstation, sondern St. Pancras. Den Franzosen sollte es nicht mehr zugemutet werden, den Namen einer ihrer größten Niederlagen vor Augen zu haben, wenn sie bei ihren Lieblingsfeinden einreisten. Doch Clarke wäre nicht Clarke, wenn er nicht auch da die versteckte Botschaft finden könnte, was sehr amüsant ist.
Und solch amüsante Methoden, die Geschichte mit anderen Augen zu betrachten, findet Clarke für die meisten großen Ereignisse Frankreich und England betreffend. Champagner ist eine französische Entdeckung? Weit gefehlt! Die Guillotine eine Idee der französischen Revolutionäre? Von wegen! Französischer Wein ist der beste, weil er ein rein französisches und unverfälschtes Produkt ist? Dass ich nicht lache!
Mitunter fragt man sich beim Lesen, ob er nicht gerade zu hart mit den Franzosen ins Gericht geht, doch wird diese Frage von einem breiten Grinsen begleitet und entspringt wohl eher dem Zwang politisch korrekt sein zu wollen. Wenn man sich jedoch auf Clarkes liebevolle Sticheleien einlassen kann, steht einem ein Feuerwerk an Wortwitz und nicht selten auch Selbstironie bevor, an dem man seine helle Freude haben kann. Doch man sollte nicht den Fehler begehen, ein rein humoristisches Buch zu erwarten. Clarke füttert seine Leser mit reichlich historischen Fakten, den Namen einer Menge Könige und dem Ausgang unzähliger Schlachten, weswegen die Lektüre trotz allen Humors doch auch große Konzentration forderte. Während ich also historische Fakten zu verdauen hatte und im Gedächtnis verzweifelt nach Wissensrückständen aus Schulzeiten kramte, musste ich gleichzeitig auch sehr aufmerksam lesen, denn Clarke schafft es, fast in jedem Satz eine geistreiche Pointe zu verstecken, die man auch auf keinen Fall überlesen möchte.
Entstanden ist ein Buch mit Tiefschlägen für Frankreich, die jedem Briten ein breites Grinsen auf das Gesicht zaubern werden, doch auch die Engländer bekommen manchmal ihr Fett weg - jedoch bedeutend seltener. Frankreich-Liebhaber sollten vor der Lektüre dieses Buches ihren Stolz hinunterschlucken und sich öffnen für einen bissigen Humor voller Spitzen, der auf den ersten Blick kaum ein gutes Haar an den Franzosen lässt, auf den zweiten Blick aber ein schelmisches Grinsen im Gesicht trägt, das einen das alles nicht zu ernst nehmen lässt.