Es war bisher leider immer eine Qual, die verstümmelten deutschen Übersetzungen von Crowleys Texten zu lesen, aber diese -einzig (OTO-) autorisierte deutsche Fassung- des Liber Aleph aus dem Ansata Verlag, setzt allem die Krone auf. Nein, hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut, den alten Meister im neuen deutschen Glanze erstrahlen zu lassen. Man zauberte einfach die, in den 1920er-19030er Jahren entstandene, Übersetzung des Buches von Frau Martha Küntzel aus dem Hut und schmeiße das ganze dann, ohne noch einmal Korrektur zu lesen auf den Markt. Hier einige Beispiele zum Ergebnis:
1.) "Denn im Gegensatz dazu, richteten Luther, der ein Riese an Willen war, und Heinrich der VIII. von England als mächtiger König, diese Kräfte daran (sic), die ganze Welt auf den Kopf zu stellen... ( S. 55)". Im Original: "Then, per contra, Martin Luther, being a giant of will, and also the eighth Henry of England, as a mighty king, bent them to overturn the whole world..."
2.) "Da diese Fesseln eine fast universale Bindung sind, so verkünde auch sofort das Gesetz der Freiheit und die volle Kenntnis der ganzen Wahrheit, die hierzu gehört; wenn Du in diesem allein siehst (sic), wird die ganze Welt frei sein... (S. 56)" Im Original: "Also, since these fetters are as a bond almost universal, be instant to declare the law of liberty, and the full knowledge of all truth that appertaineth to this matter; for if in this only thou overcome, then shall all earth be free..."
3.) Ein weiteres Highlight interessanten Satzbaus begegnet uns auf S. 70: "Aber schaffe Dir eine gute Grundlage in der folgerichtigen These, daß..." Im Original: "But be thou well grounded in this thesis corollary, that
4.) Auf der gleichen Seite finden wir auch: "So ist also alle große Gewalt, das will ich sagen, alles Bewußtsein, die erhöhte spirituelle Tätigkeit einer heftigen Neigung zwischen zwei niederen und gröberen Gegensätzen." Im Original: " So then all high violence, that is to say, all consciousness, is the spiritual orgasm of a passion between two lower and grosser opposites."
So geht das Seite für Seite und ich frage mich ernstlich, ob der OTO sich komplett lächerlich machen will, mit einer solchen autorisierten Zumutung und weiter, ob ein Verlag wie Ansata keine Lektoren beschäftigt. Schon zu Crowleys Lebzeiten wurden die Übersetzungen Küntzels als obskur von dessen Mitarbeitern Birven und Germer angesehen und wenn ich mich recht erinnere, gegenüber Crowley als "childish and silly" bezeichnet (Koenig: Das OTO Phänomen).