Wenn man sich mit Okkultem beschäftigt, ein tiefergehendes Interesse an Kabbala hat oder als Thelemit mit den Grundlagen beschäftigen möchte, um einen besseren Überblick über die Historie der Magick zu bekommen, geht kein Weg an Crowley vorbei, auch nicht an seiner Kabbala.
Man sollte wissen, dass Kabbala kontingent ist und insofern Crowley nicht die ultimate Wahrheit oder Mystik aufschrieb, sondern seine persönlichen Erkenntnisse und Interpretationen von Zahlen, Zahlenzusammenhängen (z.B. mystischen oder magischen Zahlen wie Fakultäten etc.), dem hebräischen Alphabet, dem Tarot und so weiter. Crowleys kabbalistische Erkenntnisse zu lesen und eine Weile mit ihnen zu arbeiten ist nützlich zum besseren Verständnis des Liber Al vel legis, sie haben aber das Manko, dass sie (wie alle herkömmlichen Bücher zu diesem Thema) dazu verleiten, ultimativ verstanden zu werden, was in Anbetracht der Evolution nur verkehrt sein kann.
Dennoch, Crowley ist und bleibt halt Grundlage so, wie man zum Verständnis der Philosophie auch nicht drumherum kommt, Sokrates zu lesen und zu versuchen, ihn auf seinem zeitlichen Hintergrund zu verstehen. Niemand aber würde behaupten, Sokrates sei der philosophischen Weisheit letzter Schluss.
Problematisch an diesem Liber 777 ist die Übertragung vom Kersken-Canbaz-Verlag beziehungsweise dem mehr als nur mässig engagierten Übersetzer. Insbesondere in den Tabellen finden sich haufenweise Fehler, und auch die hebräischen Namen sind mit mehr als nur geringen Mängeln behaftet, weshalb vom Kauf dieses Buches all denjenigen abzuraten sei, die tiefer in die Materie einzusteigen wünschen, es ist viel zu umständlich, die wirkliche Schreibweise herauszufinden, wenn man nur den Zahlwert hat.
Am besten ist man also damit bedient, sich das englische Original Crowleys zu besorgen, was dann auch glücklicherweise ohne das lästige Sepher Sephiroth ausgestattet ist, das nichts weiter darstellt, als eine plumpe Aneinanderreihung von Worten mit gleichen Zahlwerten, und jeder Kabbalist weiss, dass das die letzte Korrespondenz ist, die irgendwie von Wert sein könnte. Alternativ sieht man sich nach einer besseren Arbeit auf dem deutschen Markt um, vor allem wenn man Probleme mit dem Englischen hat.