Ich wollte dieses Buch meinem Kind noch lange nicht vorlesen, weil ich es für zu klein hielt ist um diesen durchaus nicht einfachen Text zu verstehen. Aber natürlich hat es das Buch im Regal erpäht und energisch verlangt, dass ich es ihm "verzälle" soll (mein Kind wächst in einer schweizerdeutschen Umgebung auf).
Also versuchte ich ihm mit einfachen Worten Li Na, die Meisterin der Kalligraphie, den Kaiser (Warum ist der Mann böse?) und die Soldaten des Kaisers erklären.
Sind die Soldaten böse, weil sie einem bösen Herren dienen oder sind sie es nicht, weil sie es nur aus Zwang und Angst tun? Warum haben die Leute Angst vor den Soldaten, wenn die Soldaten nicht böse sind?
Es ist unglaublich mit welcher Sicherheit ein Dreijähriger Kernfragen zu Staat und Gesellschaft stellt.
Ist der Bote böse?
Warum muss der Bote ins Gefängnis als Li Na das Bild noch nicht fertig hat?
Warum haben sogar seine Frau und sein Kinder vor dem Kaiser Angst?
Warum weint der Kaiser als er Li Nas Zeichen seiner Macht sieht? Will er kein böser Mann sein?
Warum wird er ein lieber Mann als er das Zeichen sieht?
Warum ist er nicht lieb zu seinen Kindern?
Das Buch lässt kein einfaches Schwarz/Weiss zu. Viele Figuren habe gute und schlechte Seiten oder machen eine Entwicklung durch: die zunehmend mutiger werdenende Schülerin Li Nas die sich in der zweiten Buchhälfte sogar dem Boten des Kaisers entgegen stellt, der Bote, die Soldaten und nicht zuletzt der Kaiser.
Beeindruckend ist auch die Meisterin Li Na die sich nicht ändert, obwohl oder weil sie Macht und Reichtum kennenlernt.
Das Buch ist ausserdem mit einer eindrucksvollen Grafik ausgestattet.