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Schon mal gehört? All dies waren einmal (mehr oder weniger) angesehene Berufe, mit denen sich unsere Vorfahren mit oftmals schwieligen Händen ihr Brot verdient haben, lange bevor der erste Multimedia-Designer das Neonlicht der Welt erblickt hat. Manche dieser Jobs wirken durch die zeitliche Distanz erfrischend skurril, aber hinter manchen Berufen, die mit eher eigenartigen Bezeichnung daherkommen, verbirgt sich ein durchaus anständiges Handwerk. Hätten Sie vermutet, daß ein Kotzenmacher harmlose Pferdedecken herstellt und der Kompostmacher Sauerkraut? Aber was bitte ist ein Abtrittanbieter? -- man ahnt Schlimmes, und tatsächlich -- wer mag, kann hier seinen Schimpfwortfundus effektiv erweitern.
Wer das Lexikon der untergegangenen Berufe allerdings nur von dieser eher humoristischen Seite aus betrachtet, tut ihm Unrecht. Rudi Palla führt immer sachlich und sehr kenntnisreich durch das Panoptikum vergessener Professionen. Dabei entsteht vor dem Auge des Lesers ein lebendiges Bild des Wirtschaftslebens -- und auch der Technik -- vergangener Jahrhunderte. Manch einer wird nach der Lektüre womöglich auch seinen eigenen Nachnamen in einem helleren Lichte sehen. So können zum Beispiel alle Wagners davon ausgehen, daß sich vermutlich einer ihrer Vorfahren gut mit dem Bau von Kutschen auskannte, Schröder-Ahnen schnitten einmal Stoffe zu. Apropos Stoff: Auf den über 400 Seiten des Lexikons findet sich Stoff für manchen guten Roman. Ein böses Erwachen hatten zum Beispiel ehrbare Bürger, die nach einer durchzechten Nacht feststellten, daß sie aus Versehen mit dem Schinderhannes getrunken hatten -- sie wurden ihr Leben lang von ihren Mitmenschen geächtet und gelegentlich sogar aus ihrer Zunft ausgestoßen. Also: Besser vorher die Werkzeuge zeigen lassen!
Insgesamt ist Rudi Pallas Buch eine durchweg anregende und überaus inspirierende Lektüre für alle, die sich für -- lebendige! -- Geschichte interessieren. Für Autoren historischer Romane ist es eigentlich ohnehin ein Muß, damit sie nicht immer nur zu Gauklern, Mönchen und Metsiedern greifen müssen, wenn es das Mittelalter zu bevölkern gilt. Und vielleicht setzt sich Palla ja bald an eine Fortsetzung, die uns auch am Schicksal der Kesselflicker und Besenbinder teilhaben läßt. --Stefan Albus
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