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Das Lexikon der untergegangenen Berufe
 
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Das Lexikon der untergegangenen Berufe [Taschenbuch]

Rudi Palla
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Eichborn (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821844914
  • ISBN-13: 978-3821844916
  • Größe und/oder Gewicht: 21,7 x 12,3 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 744.138 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Streiten wie die Kesselflicker, Schimpfen wie ein Besenbinder -- in manchen mittelalterlichen Berufen muß es ganz schön hoch hergegangen sein. Grund genug, neugierig zu werden auf das Lexikon der untergegangenen Berufe, könnte man meinen. Um es aber vorweg zu sagen: Ausgerechnet diese beiden Berufe sucht man in dem Buch vergebens. Macht aber nix, dafür gibt's Zokelmacher, Beutler, Fischbeinreißer, Einschlagmacher, Schorrer, Wollschläger, Roßtäuscher (die dürfen nun wirklich nicht fehlen!), Mäntler, Klausmeister und eine Menge andere.

Schon mal gehört? All dies waren einmal (mehr oder weniger) angesehene Berufe, mit denen sich unsere Vorfahren mit oftmals schwieligen Händen ihr Brot verdient haben, lange bevor der erste Multimedia-Designer das Neonlicht der Welt erblickt hat. Manche dieser Jobs wirken durch die zeitliche Distanz erfrischend skurril, aber hinter manchen Berufen, die mit eher eigenartigen Bezeichnung daherkommen, verbirgt sich ein durchaus anständiges Handwerk. Hätten Sie vermutet, daß ein Kotzenmacher harmlose Pferdedecken herstellt und der Kompostmacher Sauerkraut? Aber was bitte ist ein Abtrittanbieter? -- man ahnt Schlimmes, und tatsächlich -- wer mag, kann hier seinen Schimpfwortfundus effektiv erweitern.

Wer das Lexikon der untergegangenen Berufe allerdings nur von dieser eher humoristischen Seite aus betrachtet, tut ihm Unrecht. Rudi Palla führt immer sachlich und sehr kenntnisreich durch das Panoptikum vergessener Professionen. Dabei entsteht vor dem Auge des Lesers ein lebendiges Bild des Wirtschaftslebens -- und auch der Technik -- vergangener Jahrhunderte. Manch einer wird nach der Lektüre womöglich auch seinen eigenen Nachnamen in einem helleren Lichte sehen. So können zum Beispiel alle Wagners davon ausgehen, daß sich vermutlich einer ihrer Vorfahren gut mit dem Bau von Kutschen auskannte, Schröder-Ahnen schnitten einmal Stoffe zu. Apropos Stoff: Auf den über 400 Seiten des Lexikons findet sich Stoff für manchen guten Roman. Ein böses Erwachen hatten zum Beispiel ehrbare Bürger, die nach einer durchzechten Nacht feststellten, daß sie aus Versehen mit dem Schinderhannes getrunken hatten -- sie wurden ihr Leben lang von ihren Mitmenschen geächtet und gelegentlich sogar aus ihrer Zunft ausgestoßen. Also: Besser vorher die Werkzeuge zeigen lassen!

Insgesamt ist Rudi Pallas Buch eine durchweg anregende und überaus inspirierende Lektüre für alle, die sich für -- lebendige! -- Geschichte interessieren. Für Autoren historischer Romane ist es eigentlich ohnehin ein Muß, damit sie nicht immer nur zu Gauklern, Mönchen und Metsiedern greifen müssen, wenn es das Mittelalter zu bevölkern gilt. Und vielleicht setzt sich Palla ja bald an eine Fortsetzung, die uns auch am Schicksal der Kesselflicker und Besenbinder teilhaben läßt. --Stefan Albus

Über den Autor

Rudi Palla wurde 1941 in Wien geboren und arbeitet als Autor und Filmemacher in seiner Heimatstadt.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Taschenbuch
Klar doch, schon die Tatsache, dass man einstmals seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte als Abtrittanbieter, Fischbeinreißer, Fingerhüter, Haarsticker, Schriftmaler, Salamikrämer oder Leimsieder -- schon das allein beim Durchblättern zu erfahren, macht Lust aufs genauere Lesen der vielen Artikel. Da werden nämlich oft genug nicht nur die evtl. sich wandelnden Bedingungen, körperlichen Besonderheiten (Stw.: "Albino", "Hofnarr", "Doppelmensch") und erforderlichen Fähigkeiten, Leumunde, Werkzeuge und Zunftzugehörigkeiten lebhaft geschildert, sondern auch ihre Lebensumstände, Bedeutung und soziale Stellung in ihren jeweiligen Gesellschaften.
Gelegentlich werden noch weitere Aha-Erlebnisse mitgeliefert: Allein schon das Wissen, was ein "Bandelkramer" außer dem Gevatter Tod auch noch war und trieb, macht die Lektüre von Kobells "Brandner Kaspar" noch amüsanter. Und Descartes machte sich nicht nur als Philosoph einen Namen, sondern auch als tüchtiger Landsknecht. Gut zu wissen. Hätte man früher schonmal wissen sollen, bei gewissen Anlässen.

Der Verfasser deutet es in seinem Vorwort bereits an: Berufe spiegeln auch die zeitgenössische Gesellschaft wider, ihre Moralvorstellungen, das Weltbild früherer Epochen, ihre Sitten und Moralvorstellungen, und eine so umfassende und fachkundige Schilderung ist sicher auch volkskundlich von Nutzen.
Aber, und das ist das Schöne dabei: Nicht nur wissenschaftlich Interessierten, ob nun vom Fach oder nicht, dürfte Rudi Pallas "Lexikon der untergegangenen Berufe" einiges zu bieten haben, sondern auch allen, die Sinn haben für mehr oder weniger Interessantes und Skurriles bzw. skurril Anmutendes. Es kommt noch besser: Dieses "Lexikon der untergegangenen Berufe" kann man trotz der alphabetischen Sortierung auch "einfach so" lesen wie eine spannende Erzählung, die viel Wissen vermittelt, ohne wichtig ("Schaut her, wie gelehrt ich bin!") herumzufuchteln. Der Anschaulichkeit halber wird gelegentlich sogar das zugehörige Werkzeug abgebildet. Auch der inwendige Handwerker kann also seine Phantasie von der Leine lassen.

Das "Lexikon der untergegangenen Berufe" beschränkt sich aber nicht auf den Effekt "Was, sowas gab's mal", was allemal die Lektüre gelohnt hätte. Als Zugabe findet man auch oft genug mehrseitige detaillierte Schilderungen, unterfüttert mit wunderbaren Anekdoten und Zitaten aus zeitgenössischen Berichten. Und dass die historisch bedingten Anfänge, Entwicklungen und Gründe für den Niedergang so schöner Berufe sich spannender lesen als so mancher pseudo-historischer Roman, das nimmt man ebenfalls erfreut zur Kenntnis.
Da öffnen sich nicht nur ganz neue Betätigungsfelder der eigenen Phantasie, sondern auch viel Wissenswertes über bekannt Geglaubtes: Klar doch, was beispielsweise ein Landsknecht, ein Bader , ein Postillion oder ein Abdecker so trieb, das weiß man doch -- von wegen! Palla rückt hier so manch liebgewordenes Klischee zurecht, und zwar so anschaulich, dass man sich gern belehren lässt. Die Schilderung von Steinmetzes Arbeitstag hat schließlich mehr zu bieten als viele Romane.
Damit immer noch nicht genug. Die mitunter ekstatisch betriebene Differenzierung eines Berufs, z.B. dem des Schmiedes, in die Unterabteilungen Helmschmied, Blechschmied, Drahtschmied, Kupfer- und Kupferhammerschmied, Messing- und Klingenschmied, Nagelschmied usw. usw. wirkt im ersten Moment "nur" skurril bis grotesk. Und dann schaltet sich das Hirn ein: Wir befinden uns vor aller Mechanisierung und Industrialisierung, und jeder Arbeitsschritt wollte bedacht sein. Ein guter Schmied musste mehr können als einfach irgendwie auf irgendwas draufhauen. Sachverstand, Materialkunde und Fachwissen en gros & et détail.

Das "Lexikon der untergegangenen Berufe" ist erfreulicherweise keine chaotische Gemischtwarenhandlung von bestenfalls befristetem Amüsement, sondern garantiert im Gegenteil langfristige Freude am Immer-wieder-Lesen.
Hinzu kommen im Anhang noch Hinweise auf die vielen Spuren, die vergessene Gewerke in vielen Familiennamen hinterlassen haben, und natürlich Register und Quellenangaben.

Bleibt die Frage: Ob die berufliche Weiterbildung zum Tonpfeifenmacher irgendwo gefördert wird?
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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Rudi Palla hat mit diesem Buch eine wundervolle Enzyklopädie untergegangener Berufe zusammengestellt. Ausführlich beschrieben und gelegentlich liebevoll bebildert sind so kuriose Berufe wie Abtrittanbieter, Beindrechsler, Kalamalmacher, Theriakkrämer und Wismutmaler. Lesenswert ist dieses Buch, weil es auf einen neuen Blick auf die Lebenswelt unserer Vorfahren erlaubt.
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